Der Ausnahmezustand schlägt mir auf’s Gemüt

Ach, ich bin so ein wütender, ausrastender, ungehöriger Mensch! Statt dass ich froh bin, dass der Magen-Darm-Virus mich bisher verschont hat, ärgere ich mich über so unwichtige Dinge.

Zum Beispiel, dass meine Therapien (Physio- und Ergotherapie) ausfallen, weil die Praxis alle Bewohner des GTH momentan nicht therapiert, da sie dem Virus aus dem Weg gehen will. Das schließt dann die bisher Gesunden mit ein.

Das keiner mein Frühstückstablett abgeräumt hat und daher mein Tisch voll ist und ich dort nichts mehr machen kann. Also will ich das Tablett selber in die Küche bringen. Das scheitert dann daran, dass die Tür nach innen aufgeht, ich wieder rückwärts ausweichen muss und dabei das ganze Tablett auf dem Boden landet mit viel Radau und Scherben.

Ich klingele, damit jemand von der Pflege kommt. Keiner kommt. Ich rase dann wutentbrannt mit dem Rolli durch die Scherben auf den Flur. Da sehe ich meine Pflegerin am Computer am Stützpunkt sitzen. Als ich ihr dann sage, was passiert ist, sagt sie: „Ach, ich dachte das wär der XXX gewesen, aber da war alles in Ordnung.“ Daraufhin bekommt sie von mir eine hitzige, ausfallende Antwort. Ich falle komplett aus der Rolle. Ich bin ja so was von wütend!!!

Ich nehme den Aufzug und verlasse das verseuchte Haus, kochend. Ich musste nur kurz bei dm etwas einkaufen. Als ich dann zurück war, erinnerte ich mich daran, dass Frau Faust mir mal angeboten hatte, zu ihr oder Frau Kubens zu kommen bis ich wieder etwas runter gekommen war. Und??? Die beiden Damen sind entweder krank oder haben Urlaub. Beide sind also nicht da. Na klasse!!!

Jetzt sitze ich am Compi und lenke mich ab. Langsam komme ich wieder runter.

39 Gedanken zu “Der Ausnahmezustand schlägt mir auf’s Gemüt

  1. Hui, da ist aber jemand geladen. Kann ich irgendwie auch verstehen. Trotzdem muss ich sagen: versuche mal deine Emotionen „zu ergründen“. Das funktioniert bei mir immer am besten, wenn ich in Situationen gerade, die mich nicht glücklich machen. Was ist eigentlich passiert, was macht das mit mir, warum fühle ich in der Situation jetzt so.
    Natürlich ist es auch blöd, dass ausgerechnet dann die Personen, die ihre Hilfe angeboten haben, nicht da sind.
    Mir hilft: der Gedanke, dass es nicht der Weltuntergang ist, es anderen evtl. Auch so geht, und vor allem: es gibt so viel Schlimmeres auf dieser Welt.
    Manchmal hilft tief durchatmen, abwarten.
    Versuche dich nicht von deiner negativen Gefühlsspirale noch weiter runter ziehen zu lassen.
    Und für “ das nächste Mal“ überlege dir ein Ablenkungsmanöver, dass du ganz alleine machen kannst.
    Es tut mir Leid, dass dich die Situation gerade so stresst und du gefühlt darin gefangen bist!
    Ich schicke positive Gedanken!
    Noch besser wäre ein Witz, aber ich kann mir leider nie welche merken 😁
    Meine Oma machte immer folgendes (wenn ich stur oder grantig war): sie hielt ihre Hand unter mein Kinn und sagte: lach mir ein Händchen voll. Dazu schaute sie mir lächenld ins Gesicht und ich konnte gar nicht mehr böse sein und musste auch grinsen!
    Also! Lach mal drüber! Schau dir die Vera an, dann geht’s dir gleich besser:

    Herzliche Grüße, Andrea

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  2. oh, ich kann deine aufgestaute Wut seeehr gut verstehen und warum soll man nicht auch mal Dampf ablassen dürfen. Das Personal muss das ja nicht persönlich nehmen. Irgendwo muss sie ja hin, die eingesperrte Energie. Und wenn man nur den Mund hat sie abzulassen, dann darf man sich das auch mal zugestehen. Das fallende Tablett war der Startschuss, das Tüpfelchen auf dem i. Das wäre mir auch nicht anders gegangen. Und dann will ich mich gar nicht beruhigen, dann will ich erst einmal von jemanden verstanden werden. Menschen die mehr körperliche Freiheiten leben können, haben viel mehr Möglichkeiten, den Körper das Adrenalin abbauen zu lassen. Also – mach dir kein schlechtes Gewissen. Gut dass du es rauslassen konntest! 🙂

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  3. Hallo Karin, da ich selber in einer Senioren-Residenz arbeite, kann ich die Sorgen des Hauses natürlich gut verstehen, da sie alles versuchen, das der Infekt sich so wenig wie möglich ausbreitet. Die „Leidtragenden“ sind dann in dem Fall die Gesunden…das Deine Therapeuten in so einem Fall nicht kommen, ist auch zu verstehen.
    Also reg Dich wieder ab und sei froh, das es Dich noch nicht erwischt hat und das es mit dem Tablett nicht klappt, weißt Du jetzt wieder. Das nächste Mal fragst Du nach, ob es jemand rausbringt…. ich lese Deinen Blog schon seit vielen Jahren und finde ihn sehr spannend….

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    • Klar, das ist ‚Jammern auf hohem Niveau‘. Besser auf dem Zimmer sein, als den Virus zu haben! Nur manchmal setzt die vernünftige Katrin aus… 😉
      Heute sagte mir der Pfleger, wenn keinen Fälle dazu kommen, dann ist der Speisesaal ab Montag wieder geöffnet. *hoff ganz doll*
      Schön, dass dir mein Blog gefällt. Dass du schon seit Jahren dabei bist, ehrt mich! 🙂

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      • Ich habe eine Bekannte in meinem Alter (Ende 40 ) , die auch Deine Krankheit hat, das heißt, ich weiß in etwa was los ist. Dazu sind mir in meinem Pflegealltag oft schon Menschen begegnet, die zu jung sind für eine „Pflegeheim“, es aber keine Alternative gibt. Warum, weiß ich auch nicht…. auch darum lese ich es gern, wie Du Dich durchschlägst und hoffe sehr, das es irgendwann mal vernünftige und halbwegs flächendeckende Plätze für Menschen wie Dich gibt.

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  4. Ach liebe Katrin, das ist herrlich zu lesen, da auch ich so reagieren würde und deshalb macht es dich wieder einmal doppelt sympathisch…. du bist gut so wie du bist…. ein wenig ausrasten gehört dazu und so ein Ausnahmezustand geht schon einmal an unsere Nerven…. Vielleicht ein Eis zur Beruhigung??? Ich lege mich dann manchmal einfach bockig ins Bett und versuche zu schlafen. …. hilft zwar nich immer, aber immer öfter…. LG an DICH ❤

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  5. Ich bin auch nicht anders und wenn da Scherben liegen, dann trampel ich auch noch extra rein, egal ob ich mir wehtue. Und schön, wenn du es auch an dieser Stelle rauslässt, dann kommt es nebenbei auch im Heim an. Es wird ja gelesen und die Ursache ist so bestimmt ersichtlich. Du bist eben impulsiv, da muss man eben mit umgehen. Wenn andere ständig das gleiche fragen, hat man auch Verständnis und wenn der Schwerhörige laut in seinem Zimmer ist oder pausenlos ruft oder singt, auch dafür hat man ja Verständnis. Also, ich finde, lass es raus, danach geht es dir ja besser. Ist doch sch…egal, warum man so ist, das ist eben so und basta. LG Hanna

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  6. Ich

    Immer wieder Angst, immer wieder Angst und Angstzustände. Immer wieder Leid, dieses Glück ist in weiter Ferne.
    Glück ist nicht definierbar , es ist ein Zustand. Jeder sucht dieses Glück. . Und doch gibt es “ ihn“ nicht. Es gibt ihn nicht, nie.Niemand ist da, man ist alleine, man sucht nach dieser einen Möglichkeit. Jemanden zu finden. Freunde gibt es nicht, ich habe keine Freunde. Vertrauen gibt es nicht, ich vertraue keinen, man hat kein Vertrauen in sich selbst. Jedes bisschen Glück, wird vernichtet. Man glaubt, man hat es, aber man hat es nicht. Es kommen wieder bessere Zeiten, Zeiten,die einem Sagen, es ist noch nicht vorbei. Den die Hoffnung stirbt zuletzt. Bald ist es soweit meine neue Zukunft, beginnt in wenigen Wochen /Monaten. Ein neues Leben, mit neuen Aufgaben. Aber eine Person gibt es, denn ich mein vollstess vertrauen schenke.Es gibt wiedere bessere Zeiten, dafür werde ich sorgen.
    Ich bin nicht komplett alleine, dieser Glückliche Zustand wird kommen. Da bin ich mir sehr sicher, sehr sicher.

    An allen Leuten den es schlecht geht, Katrin, es kommen wieder bessere Zeiten.

    Schreibe dir gleich, alles genauer.

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  7. Hallo Katrin!
    Was ich gut nachvollziehen kann: Das Gefühl oder die Meinung von sich selbst zu haben, dass man anstrengend ist. Kann das manchmal nur schwer bei mir akzeptieren, weil ich will ja nicht anstrengend sein.
    Was mir dann hilft: Wenn ich mir selbst sage: Auch die anderen sind manchmal anstrengend, nicht nur ich, alle Menschen sind auf ihre Art und Weise manchmal anstrengend, da gibt es keine Ausnahmen. So kann ich mich vom Podest runter holen. Alle Menschen sind dann auf einer Ebene mir eingeschlossen.
    Weil es ist ja wirklich so, dass jeder manchmal schwere Tage hat und dann in schlechter Laune ist, und dann kriegt das die Umgebung natürlich mit, das ist völlig normal, deshalb ist man kein anderer Mensch als andere auch.

    Alles Gute und liebe Grüße, Philozit

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  8. Das Gefühl, auf die Hilfeleistung von anderen angewiesen zu sein, ist hart, und wenn dann diese anderen alle Urlaub machen oder sonstwie absent sind, kann das einen schon zum Ausrasten bringen. Du bist halt in der Regel sehr diszipliniert und pflichtbewusst und hältst Wut und Frustration unter dem Deckel, bis sie überkochen. Mach dir keine Vorwürfe deswegen, sondern freu dich, dass du immer noch so lebendig bist und nicht aufgegeben hast. Wut gehört dazu. Inzwischen wird sie sich ja schon verraucht haben.Liebe Grüße dir. Gerda

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  9. Das ist ja auch wirklich heftig! Und ich halte das für sehr menschlich und lebendig, wie Du reagiert hast!
    Schön, dass es Dir wieder besser geht! Und schön, dass Euer Speisesaal bald wohl wieder zugänglich sein wird!

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntagabend und einen guten Start in die neue Woche!
    Lieben Gruß, Michael

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