Wie wollen wir sterben?

Den Tod möchte man am liebsten weit von sich schieben. Leiden, Sterben, das müssen immer nur andere momentan. ICH habe da ja noch Zeit…

Ich bin froh, dass man sich hier bei uns im Heim schon ganz am Anfang unseres Aufenthaltes hier mit einer der Damen des Sozialdienstes(Psychologin oder Sozialpädagogin)zusammensetzt und darüber spricht, wie man sich sein Ende wünscht. Sie fragen auch, ob eine Patientenverfügung existiert. Wenn nicht, sind sie einem behilflich dabei, eine zu erstellen. Weitere Einzelheiten, die hier dazu gehören, werden abgeklopft. Ich finde das sehr gut. Immerhin spricht man mit Menschen mit viel Erfahrung auf diesem Gebiet, die einem persönlich nicht so nahe stehen, wie Mitglieder der eigenen Familie.

Danke, liebe Notaufnahmeschwester, dass du dieses wichtige Thema in deinem Blog aufgreifst!

notaufnahmeschwester

Es vergeht kaum ein Dienst, in dem nicht ein (seit langem) krachkranker, sterbender Mensch in die Notaufnahme gebracht wird. Hohes Fieber, schlechte Atmung, langjährige und gravierende Vorerkrankungen, Wundgeschwüre – die Liste lässt sich nach Belieben fortsetzen.

Bei einem Patienten mit knapp 4o° Fieber, Parkinson und Demenz sowie einer fulminanten Lungenentzündung, war die Ehefrau mit dabei. Er hatte eine PEG und einen Blasendauerkatheter. Es roch von der Türe aus nach Harnwegsinfektion. Sie pflegte ihn zuhause. Bestimmt sehr liebevoll – das merkte man daran, wie sie mit ihm sprach.

„Wie soll es weiter gehen?“, fragte der Arzt? „Haben sie das früher einmal darüber besprochen?“

„Nein. Darüber haben wir nie geredet!“

Komm, o Tod, du Schlafes Bruder,
Komm und führe mich nur fort;
Löse meines Schiffleins Ruder,
Bringe mich an sichern Port!

Freunde: Wir müssen reden. Über das Sterben und den Tod, der uns alle betreffen wird. Wie wollen wir sterben?

75 Prozent…

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6 Gedanken zu “Wie wollen wir sterben?

  1. Ein so, so sehr guter Text, den ich mir abgespeichert habe – eigentlich möchte ich ihn in die Welt hinaus schreien!
    Es ist so wichtig, zu leben, wirklich zu leben, aber dazu gehört auch immer die Endlichkeit. Sie sollte das „aus dem Vollen schöpfen“ indizieren! Ich habe, obwohl es zu meinem Beruf gehörte, im November eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospiz/Sterbehelferin abgeschlossen, obwohl ich es kräftemäßig eigentlich gar nicht mehr konnte. Aber, für mich ist es wichtig, dass dieser Teil des Lebens eben auch wirklich zum Leben gehört.
    Ich las vor einiger Zeit den eindrucksvollen Satz einer Hebamme, dass niemand uns ein leichtes Leben oder leichtes Sterben verspricht. So, wie es leichte, schnelle Geburten gibt, gibt es „einfache“ Leben, ohne große Krisen und schwere Belastungen, aber auch schwere Lebenszustände, Gewalt, Armut, Krisen. Und so ist auch das sterben nicht immer gleich, niemand verspricht es uns, das es einfach wird, aber es liegt in unserer Hand, zu entscheiden, was wir entscheiden können. Wir wollen Autonomie leben, verstecken uns aber vor dem so sicheren Tod, finden Patientenverfügungen ja ach so gut, wollen uns aber selbst lieber „noch nicht“ damit auseinander setzen.
    Mir selbst gibt meine beim Notar ausgearbeitete Verfügung Sicherheit – beim Leben, so schwer es auch manchmal ist und fällt. So schön ist es auch!

    Gefällt 1 Person

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