Jetzt ist es bald so weit

„Jetzt ist es bald so weit… bald bin ich auch ganz plemplem!“, sagte Frau Ga. gestern am Mittagstisch und winkte mit offener Hand vor ihrem Gesicht hin und her. „Wirklich!“, sie wirkte ganz entsetzt mit sich.

U. und ich blickten sie ganz aufmerksam an. Was meinte sie nur?

„Wieso? Was ist passiert?“, fragte U..

„Ach…“, seufzte Frau Ga.: „Fast wäre ich gar nicht runter gekommen…“ Sie war immer noch fassungslos.

„Wieso das denn?“, fragte ich, um mehr zu erfahren.

„Ach… ich war im Badezimmer. Dann war ich fertig. Ich machte das Licht aus. Und ZACK… es war ganz dunkel!“

Sie hatte wohl das Deckenlicht gar nicht eingeschaltet nur die Lampe überm Waschbecken. Die läßt sich nur im Bad ein- und ausschalten. Das Deckenlicht schaltet man draußen ein und aus. Hat man das Deckenlicht nicht eingeschaltet und hat im Bad nur das Licht über dem Waschbecken an, dann wird es in der Tat stockfinster, wenn man dieses löscht.

„Was haben sie dann gemacht?“, fragte U. teilnahmsvoll.

„* seufz * Es war stockfinster!!!“, Frau Ga. sagte das so, als wolle sie sagen ‚So eine Unverschämtheit!‘

„… es war also total dunkel. Da fand ich den Weg nicht mehr zur Tür! Und die Strippe der Klingel konnte ich auch nicht sehen! Ich war wie gefangen!“, ihr war immer noch unheimlich, als sie uns davon erzählte.

„Ja… und dann???“, U. konnte sich den Schock lebensnah vorstellen.

„Dann hatte ich Glück! Ich rief und eine der Schwestern hörte mich tatsächlich und brachte mich dann nach unten!“

Das war wirklich noch mal gut gegangen, denn Frau Ga. hat nur ein schwaches, kleines Stimmchen. Es ist ein Wunder, dass sie gehört wurde!

„Ja… jetzt ist es bald so weit“, murmelte Frau Ga..

Vergesslichkeit: Nicht immer eine Demenz

Altersdemenz

16 Gedanken zu “Jetzt ist es bald so weit

  1. Liebe Katrin,
    dieser Beitrag zeigt, wieviel sinnvolle Planung zur Durchführung der Gestaltung und Bewohnbarkeit eines Alten und Pflegeheim, im Vorfeld, gesteckt werden muss. Offensichtlich nicht genug. Als jüngerer Mensch, kann man sich das Alter und die Einschränkungen, kaum vorstellen.
    Wenn nicht ein alter Mensch in unserer Mitte lebte, wohnt, oder ein Kranker, Pflegebedürftiger, oder, oder. Es fehlt an Vorstellungskraft.
    Die Zukunft auf lange Sicht gedanklich einzuordnen ist eingeschränkt. So sieht es für die betroffene Person, immer spontan und völlig unerwartet aus, wenn ein Umzug in ein Heim, oder bauliche Veränderung im eigenen Zuhause vorgenommen werden müssen.
    Die Umorientierung in neuen Räumen braucht Zeit und dann gibt es noch die tagesbedingten Unpässlichkeiten und der Stress. Auch in einem Heim, kann sich allein ein Tagesablauf hektisch auf den einzelnen Bewohner auswirken.
    Arme Frau Ga., plötzliche Dunkelheit macht Angst.
    LG. Monika

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s