Sie hat es geschafft

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Gestern Abend klopfte es plötzlich an meine Tür und die Nichte von Frau K. stand vor mir. Da wusste ich es. Frau K. hat es geschafft!

Ich war bereits am späten Nachmittag schon mal bei ihr gewesen. Da spürte ich, dass es nicht mehr lange dauern würde. Ich blieb eine ganze Weile bei ihr sitzen, fast eine halbe Stunde. Sie atmete sehr kurzatmig. Immer wieder hatte sie Atemaussetzer.

Als ich mir nicht mehr weiter zu helfen wusste, begann ich, ihr Weihnachtslieder vorzusingen. Einfach so fing ich an. Ich weiß, sie hat Musik immer sehr geliebt. Erstaunlicherweise konnte ich zu fast allen Liedern zwei oder sogar drei Strophen auswendig! Irgendwann kannte ich keine Lieder mehr.

Ich gab ihr ein paar Luftküsse und verabschiedete mich.

Mein Herz war mir ganz schwer geworden.

Was haben wir für eine schöne Zeit miteinander gehabt! Als ich im August 2013 ins Heim kam, half mir Frau K. über die schwere Anfangszeit hinweg. Sie im Speisesaal als meine Tischnachbarin zu haben, passte wunderbar. Wir konnten über die selben Dinge lachen, verstanden uns perfekt. Das tat gut!

Jetzt als Frau K. seit dem Tag nach ihrem 97. Geburtstag Ende August nur noch oben in ihrem Zimmer und im Bett lag, besuchte ich sie regelmäßig. Ich erzählte ihr, was unten im Speisesaal los war, richtete ihr Grüße von der Tischfamilie aus. Dabei konnte ich zusehen, wie sie immer weiter abbaute, immer dünner, kleiner, grauer wurde.

Fast dreieinhalb Monate hat es gedauert, bis sie gehen konnte. Zuletzt hat sie sich arg gequält. Doch als ich sie gestern Abend in ihrem Bett liegen sah, wirkte sie ganz entspannt, ganz friedlich.

Liebe Frau K., in meiner Erinnerung werden Sie weiterleben!

 💕 💕  💕  💕 💕  💕

Ich habe sie sehr lieb!

 💕 💕  💕

 💕

24 Gedanken zu “Sie hat es geschafft

  1. Hallo Katrin!

    Das ist eine sehr traurige Geschichte. Dennoch muss ich sagen, dass wir es von Anfang an wussten: Der Tod gehört zum Leben, auch wenn wir damit nicht einverstanden sind. Würde man aus dem Tod kein Tabu machen, fiele uns das Ende leichter. Aber dem ist leider nicht so.

    Liebe Grüße,

    Rom

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  2. Liebe Katrin,
    wie plötzlich die Erde sich langsamer dreht. Die Stimmen und Geräusche gedämpfter sind. Ein Zerrbild vor den Augen, den geistigen Augen entsteht. Stille… Dunkelheit… Wehmut… Tränen…..Schmerz.
    In diese Stille hinein zu singen. Der Stille einen Raum geben. den des Friedens, der Geborgenheit. Nach Hause kommend. Zuhause in mitten weihnachtlichem Geschehens eintreten können, noch einmal dabei sein, vielleicht für
    Frau K. in Einklang mit…, ihre Seele entschwinden zu lassen.
    Der Dunkelheit ein Licht geben, das hast du mit deinem Singen getan.
    Monika

    Gefällt 4 Personen

  3. Liebe Katrin,
    Du hast einen lieben Menschen verloren, eine gute Freundin ist von Dir ist gegangen.
    Ich drücke Dir mein herzlichstes Beileid aus!

    Du hast sie so wunderbar und liebevoll begleitet!
    Das hat ihr sicher sehr gut getan!
    Das wird Dir in langer Erinnerung bleiben …
    Gut so!

    Begreifen können wir den Tod nicht, selbst wenn wir ihn so ganz nah erleben.
    Der Verlust wird bleiben.
    Aber auch die vielen guten Erinnerungen und Deine Dankbarkeit ihr gegenüber.

    Bewahre sie Dir gut!
    Lieben Gruß, M.!

    Gefällt 1 Person

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