Update 8: Frau K.

Meine liebe Frau K. kämpft nach wie vor… mit dem Leben… mit dem Sterben.

Es ist nun schon lange her, dass sie die Augen offen hat, wenn ich sie besuche. Meist schläft sie. Ist sie doch wach, schließt sie die Augen wenn ich sage: „Hallo Frau K.!“ Sie will ihre Ruhe haben. Es strengt sie zu sehr an, wenn man redet, sie zuhört. Mittlerweile öffnet sie nicht mal mehr die Augen, wenn ihre Tochter sie besucht.

Trotzdem fahre ich immer wieder zu ihr, schaue wie es ihr geht, ob sie noch atmet. Das alles ist sehr bedrückend, auch für mich. Aber ich habe sie so sehr in mein Herz geschlossen. Sie ist wie eine liebe Verwandte für mich.

Als ich gestern Morgen aufwachte, war ich ganz unruhig. Ich hatte geträumt, sie sei gestorben. Also fuhr ich ganz früh zu ihrem Zimmer, um zu sehen was Sache war.

Sie lag im Bett und schlief. Ihr Brustkorb hob und senkte sich regelmäßig.

Auch nach dem Mittagessen schaute ich nach ihr. Da lag sie sehr unruhig im Bett, gurgelte und röchelte. Schließlich machte sie die Augen auf und versuchte mir etwas zu sagen. Dann kämpfte sie weiter. Plötzlich musste sie sich übergeben.

Ich saß in meinem E-Rolli und fühlte mich so machtlos. Ich tat das einzige was mir blieb. Ich läutete nach den Pflegern. Als sie eintrafen (2 Pflegerinnen), konnte ich gehen.

Warum muss Frau K. noch so viel leiden???

Sterben – PflegeWiki

21 Gedanken zu “Update 8: Frau K.

  1. Keiner von uns weiß, warum alles so ist, wie es ist, aber ich erinnere mich an meine Oma, die sich auch zum Schluss gequält hat. Bei ihr würde ich behaupten, dass sie noch nicht loslassen konnte, weil sie auf einen bestimmten Besuch gewartet hatte, der leider nicht kam.
    Wir haben dieses Jahr den 93 jährigen Bruder meiner Schwiegermutter beerdigt, der ewig lang nur noch im Bett lag, per Sonde ernährt wurde, der über Monate kaum noch ein Wort sprach und seit Jahren nicht mehr ganz bei uns war. Auch bei ihm haben wir uns gefragt, warum er nicht einfach sterben kann.
    Es ist schlimm, Menschen so vor sich hin vegetieren zu sehen. Ich hoffe, für deine Frau K., dass sie nicht mehr so lange so leiden muss. Aber uns bleibt nichts, als das so anzunehmen, wie es ist. Ich finde, du machst das alles ganz toll.

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  2. Liebe Katrin, das ist kein Leiden, sondern der ganz natürliche Sterbe-Prozess. Der Körper fährt langsam seine Funktionen herunter. Herz- und Lungenkreislauf sind miteinander verbunden und interagieren, daher klingt das Atmen schwer, wenn das Herz langsamer wird. Der Mensch spürt das nicht. Bei Frau K. löst sich die Seele jetzt langsam vom Körper. Dazu braucht sie Ruhe und Alleinsein. Sag ihr, wenn du möchtest, noch einmal, dass du sie liebhast und wünsche ihr eine gute Reise zu ihren Lieben hinüber. Dann lasse sie los.
    Ich drücke dich aus der(viel zu fernen) Ferne!
    Nicole

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    • Das ist, wie ich finde, eine bemerkenswerte und auch bedenkenswerte Schlussfolgerung! Aber sagt man nicht im Allgemeinen, dass die Menschen in der Stunde ihres Todes nicht gerne alleine wären?

      Ich weiß es auch nicht zu sagen, gerade in diesem Fall ist es sehr schwer. Aber, wie gesagt, ich finde deine Schlussfolgerung bedenkenswert. Danke dafür.

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  3. Liebe Katrin,
    heute morgen dachte ich, oh, ach, nein. Nein immer noch nicht ausgekämpft. Welche Qual für alle, auch für mich. Es betrifft nun auch schon mich, da ich mich auf die Ebene des Verstehens und Mitfühlen begab, begebe. Dabei tappe ich in eine Falle. In meine eigene emotionale Falle, wenn ich es mal so salopp sagen darf. Ich wurde wieder und das nun schon zum wiederholten Mal, in den Prozess der Trauer eingebunden. Dies ist nicht meine Trauer, sage ich mir, aber ich werde erinnert, an eine ähnlich verlaufene, vergangene Zeit.
    “ Lakritz und Schokolade“, spricht sehr deutlich von der Verabschiedung. Ein erforderlicher und konsequenter Schritt für beide. – Der Dahingehenden, fest und liebevoll sagen: “ Frau K., ich gehe, es war mir eine innere Freude. Ich habe sie tief in mein Herz geschlossen. Ich verabschiede mich“ -.
    Es wird schwer, sehr schwer werden. Aber nur so wird Frau K. aus ihrer Pflicht, zu leben, entbunden.
    Vielleicht darf ich anmerken, dass meine Mutter, genau diesen Zeitpunkt meiner Abwesenheit abgewartet hatte, als ich ihr sagte:“ Ich fahre zu den Kindern nach Schweden“.“ Es dauert bis ich wieder komme“.
    Meine Mutter wusste, dass sie die Enkel und Urenkel nicht mehr sehen würde. Sie hat nicht gewartet. Sie ging. Ihre Entscheidung war es den Zeitpunkt zu bestimmen.
    Lange vorher, in gemeinsamen Gesprächen mit ihr, erklärte sie, der Tod ist etwas privates, intimes und persönliches. Wenn man (ich) so will, hat sie mich ausgetrickst.
    Monika

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  4. Das ist die andere schreckliche Seite der modernen Medizin!
    Leider ist es allzuoft eine riesen Geschäftemacherei! Dies durften wir bei meiner Urgroßmutter erleben. Erst wie meine Oma ihr Mittagessen gegessen hat und meine Oma danach bald einen Herzkasper bekam, meine Mutter Rabatz gemacht hat dann wurden die Herzmedikamente abgesetzt und ein paar Tage später schlief sie schließlich mit 94 Jahren friedlich ein. Solche Schweinereien passieren jeden Tag, schrecklich!

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  5. Das muss ich noch hinzufügen, dies mit meiner Urgroßmutter war 1982 in einem privaten Seniorenheim, also eine halbe Ewigkeit her! Heute muss man sehr viel Dinge mit der Patientenverfügung regeln und dieses Thema hast Du ja auch schon in Beiträgen angesprochen!

    Ich wünsche Frau K. auch, dass sie jetzt gehen darf! Ich glaube allerdings, daß sie Deine Anwesenheit spürt und diese Deine positive Energie ist bestimmt gut für sie, auch wenn Du dabei nicht sprichst liebste Katrin!

    ❤ Grüße Babsi

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    • Liebe Flowermaid.
      Es gibt ein interessantes Buch, “ Was sterbende sagen wollen „, von – Kübler-Ross -. Es behandelt die Symbolsprache der Sterbenden.
      Mir hat es insoweit geholfen, als das ich verstand, was mir mitgeteilt wurde. Der Lebensgefährte meiner Mutter, sagte zu mir: „Fahr nach Hause und komme am Samstag wieder „. Als ich nach Tagen, von der langen Reise in mein Elternhaus zurück kam, wurde er vom Notarzt aus dem Haus ins Auto getragen. Mit letzter Kraft sagte er zu mir:“ Du kommst sehr spät „.
      Im Krankenhaus wurde schnell ein Zimmer, zum Sterbezimmer hergerichtet. Das heißt alle Betten, nebst Patienten, wurden entfernt. Wir waren allein.
      Da begriff erst meine Mutter, das es die letzten Momente waren und sie stellte Fragen. Was soll ich tun, was soll ich den anderen sagen. Dann fiel mein Name, er sagte mit dem Blick zu mir: “ Sie wird wissen“, und forderte, öffne das Fenster. Ich tat wie gewünscht und er sagte; nehmt mir den Hut ab so als ginge er durch ein Tor.
      Er wusste wann er sterben wird und er wollte nicht, dass meine Mutter allein ist. Es sind 30 Jahre her. Ich konnte mich damals entsprechend verhalten, weil ich dieses Buch gelesen hatte. Vieles wurde umstritten, aber nach meiner Lebenserfahrung, sprechen tatsächlich sterbende Menschen, in Symbolen oder Botschaften.
      Monika

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  6. Liebe Katrin,
    ich finde es ganz großartig, dass Du Frau K. immer wieder besuchen rollst!!
    Jeder Mensch ist ein Individuum. So wie unsere Persönlichkeiten ganz unterschiedlich sind, unsere Leben sich unterscheiden, so stirbt auch jeder von uns in seiner ganz individuellen Art. Ich könnte es mir nicht vorstellen, allein gelassen zu werden. Und ich glaube, die meisten Menschen sterben beruhigter, wenn ein lieber Mitmensch dabei ist. Der einzige Mensch, der in meinem Beisein gestorben ist, rief zum Schluss meinen Namen.
    Was Nicole schreibt, halte ich für vollkommen richtig. Das Sterben ist ein Prozess. Für uns Begleitende ist das manchmal sehr schwer. Wir helfen lieben Menschen, ob im Leben oder im Sterben, am meisten, wenn wir ihnen nahe sind, wenn wir mit ihnen reden und dadurch ausdrücken, dass wir sie mögen.
    Deshalb ist es absolut schön, dass Du Frau K. immer wieder besuchst, sie begrüßt und ein paar Worte mit ihr wechselst. Auch mit Sterbenden kann man ganz „normal“ sprechen, denn auch das Sterben ist ein ganz normaler Lebensvollzug (nur können wir nicht so recht damit umgehen). Dass wir Begleitenden dabei traurig sind, müssen wir den Gehenden nicht aufbürden.
    Ich wünsche Dir die Kraft, die Du gerade in dieser Situation brauchst! Du bist ein herzensguter Mensch. Und das spürt Frau K., auch wenn sie sich jetzt nicht mehr mit Dir unterhalten kann. Alles was ich aus der Ferne tun kann, ist, Dich in guten Gedanken dabei zu begleiten!
    Dir einen schönen Sonntag!
    Lieben Gruß, M.!

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