Update 3: Frau K.

Nach wie vor besuche ich Frau K. regelmäßig.

Mittlerweile glaubt keiner mehr, dass sie bald wieder nach unten in den Speisesaal kommt. Frau K. ist nur noch ein stilles „Häufchen Elend“. Es tut mir weh, sie so zu sehen.

Nicht immer habe ich Glück, wenn ich ihr Zimmer ansteuere. Vorgestern vor dem Mittagessen hatte sie schon Besuch. Ihre Nichte war da. Da bin ich gar nicht erst in das Zimmer hinein gefahren. Ich wollte nicht stören. Zu viel Besuch ist zu anstrengend.

Als ich nach dem Mittagessen noch einmal vorbei schaute, schlief sie tief und fest. Wie ich gehört habe, hatte sie noch eine Besucherin. Sie war also ziemlich geschafft. Ich war zuerst erschrocken, wusste ich doch nicht, ob sie schläft oder… Aber dann hob sich ihr Brustkorb. Sie atmete! (Ob das nun gut oder schlecht war, wusste ich auch nicht so recht…) Leise trat ich den Rückweg an.

Nachmittags war ich außer Haus. Also blieb nur noch der Abend. So begab ich mich um 19:20 Uhr noch einmal zu ihr. So „spät“ war ich noch nie bei ihr.
Aber die Zimmertür war noch geöffnet.

Ganz leise sagte ich: „Frau K., ich bin’s, Katrin…“

Sie war noch wach! Allerdings lag sie im Halbdunkel auf dem Bett. Nur der Fernseher gab bei ausgeschaltetem Ton etwas Licht ab.

Ich fuhr ganz nah ans Kopfteil des Bettes. Da erkannte sie mich plötzlich und strahlte mich glücklich an. ☺️  Ich erzählte ihr davon, dass ich schon mehrmals da gewesen sei. Doch nie konnte ich mit ihr sprechen. Sie erfasste meine Hand und drückte sie.

Da konnte ich zufrieden und beruhigt wieder zu meinem Zimmer zurückfahren. Zum Abschied hob Frau K. beide Hände und winkte mit den Fingern.

Fotothek df roe-neg 0006445 001 Ältere Frau der Hausgemeinschaft während einer D Deutsche Fotothek‎ [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

11 Gedanken zu “Update 3: Frau K.

  1. Ja, das hat er. Für einen Augenblick sah auch ich das Leuchten der Sterne. Aber sie sind weit, sehr weit weg. Unerreichbar.
    Liebe Katrin, sich grundsätzlich zu verabschieden ist sehr schmerzlich, aber für den, der gehen will und muss, eine Befreiung von der Verantwortung, am Leben zu bleiben. Es ist nicht hartherzig, oder empathielos. Manche Menschen können einfach nicht ihre letzte Reise antreten, weil sie gehalten werden. Festgehalten von der Notwendigkeit, dem anderen Mensch, Freund, Verwandten, keinen Schmerz zuzufügen. Die Psychologin “ Kübler-Ross“, ich glaube so hieß sie hat darüber mal geschrieben, dass der Sterbende seinen Zeitpunkt genau weiß, wann es sein wird. Warten und Zulassen ist sehr, sehr schwer. Aber das ist auch eine Art von Liebe, Zuneigung und Wertschätzung. Mir hat geholfen meine Gefühle die mich bewegten, aufzuschreiben. Später, viel später konnte ich den Text lesen, es half zu verstehen um meine Trauer zu bewältigen.
    LG. Monika

    Gefällt 3 Personen

  2. Liebe Katrin,
    ich habe auch gerade meine liebe Freundin verloren und bis zum Schluss begleitet…. auch wenn es schwer fällt, diese Person so zu sehen… Ich bin dankbar, dass ich sie das letzte Stück begleiten konnte und durfte. Es waren schöne stille Momente, die sehr kostbar sind und sie hatte das Gefühl nicht allein zu sein und so wird es auch mit Frau K. sein.
    Sie ist glücklich über die Momente mit Dir und Du mit ihr.
    Was kann es SCHÖNERES geben??? LG ❤

    Gefällt 1 Person

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