Herr Sch. schreibt ein Buch

Ralf Schuffels' Buch

Ralf Schuffels‘ Buch

Herr R. Sch. ist ein ganz besonderer Bewohner des Gerhard-Tersteegen-Hauses. Der tägliche Blog-Leser kennt ihn schon aus meinem Beitrag vom 23. August 2016, „Abenteuer Straßenbahnfahrt mit E-Rolli„. Er ist von Geburt an körperbehindert. Die Eltern waren einfache Leute, stets offen und ehrlich. Für sie war klar, der behinderte Sohn sollte die gleichen Chancen bekommen wie seine 3 Geschwister! Sie hatten den Mut, ihn zu Hause aufwachsen zu lassen. Andere behinderte Kinder lebten oft in Heimen. Die Eltern aber lebten das Wort „Familiensinn“. R. wuchs zu Hause auf, bekam keine ‚Extrawurst‘ und erhielt die gleichen Chancen wie seine gesunden Geschwister.

R. wuchs als kontaktfreudiges, neugieriges, interessiertes Kind auf. Zweimal wurde er in der Schulzeit operiert, um ihn beweglicher zu machen. Dann fiel er Monate-lang in der Schule aus. Dadurch wurde seine Schulzeit um zwei Jahre verlängert.

Früher wie heute übernimmt Herr Sch. gerne Verantwortung und wendet sich mit Freude neuen Aufgaben zu. So war er in  der Schulzeit Klassensprecher, entdeckt im Urlaub neue Länder (Italien und Holland mit der Familie). Auch heute entdeckt er noch gerne neues. Er fährt öfters mit dem Zug in bekannte und bis dahin unbekannte Orte. Für mich ist Herr Sch. ein mutiger, zielstrebiger Mann.

Religion war ihm schon immer sehr wichtig. Er wollte eine Zeitlang sogar Pastor werden. Auf jeden Fall engagierte er sich in seiner Kirche.

In seiner Jugend war der Berufswunsch jedoch Autoschlosser. Er verbrachte viel Zeit in einer benachbarten Autowerkstatt. Gerne hätte er ein Praktikum dort gemacht. Als Rolli-Fahrer hatte er jedoch schlechte Voraussetzungen – leider.

Auch in puncto Liebesbeziehung machte er die bittere Erfahrung, dass die Gesellschaft mit Liebe und Sexualität von behinderten Menschen eher restriktiv umgeht. Das normalste der Welt wollen viele Menschen Behinderten nicht zugestehen.

Die zweite große Liebe des Herrn Sch. gilt dem Fußballverein KFC Uerdingen 05. Bei jedem Heimspiel war Herr Sch. früher im Stadion. Bei Auswärtsspielen durfte er auch schon mal im Mannschaftsbus mitfahren. Heute noch verfolgt er das Vereinsgeschehen über Zeitung und Lokalradio.

Mit Abschluss der Schule begann für Herrn Sch. das Berufsleben. Er arbeitete 17 Jahre lang im Heilpädagogischen Zentrum Krefeld-Kreis Viersen gGmbH. Leider schaffte er es nicht, die 20 Jahre voll zu machen, die er für die Rente unbedingt benötigte.

Bei den Eltern auszuziehen schaffte er erst, als er 1988 heiratete. Es war ein großer Umbruch in seinem Leben.

Doch nun will ich aufhören, die Biografie von Herrn Sch. zu erzählen. Wie es weiter ging, erfahrt ihr in Herrn Sch.’s Buch. Es ist auf jeden Fall eine spannende Geschichte mit viel Auf und Ab.

2016-08-27 13.23.01

7 Gedanken zu “Herr Sch. schreibt ein Buch

  1. Irgendwie ist es leider immer noch so, das man Behinderten recht wenig zugesteht. Ob sich das mal ändert? Was spricht eigentlich gegen einen Autoschlosser im Rolli, oder einen Pfarrer? Wenn man wollte, könnte man so viel realisieren. Statt dessen schicken wir die meisten in spezielle Behindertenwerkstätten, lassen sie in Einrichtungen wohnen, statt in eigenen Wohnungen, usw.

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