Abenteuer Straßenbahnfahrt mit E-Rolli

Mittlerweile lebe ich schon gut 3 Jahre hier im Gerhard-Tersteegen-Haus.

Anfangs dachte ich immer, es sei temporär und irgendwann kann ich wieder selbstständig leben. OK, langsam habe ich eingesehen, dass das Wunschdenken ist und nicht passieren wird.

Dann dachte ich, dass ich wenigstens irgendwann wieder richtig laufen kann. Auch das scheint eher dem Wunschdenken zuzuordnen zu sein. *seufz*

Aber ich bin niemand, der schnell aufgibt. Wenn ich schon hier wohnen bleibe und auch der Rolli nun zu mir gehört, will ich wenigstens alles versuchen, was mir trotz der ganzen Einschränkungen noch möglich ist.

Es fing damit an, dass ich mit E-Rolli Linienbus gefahren bin. Nachdem ich das 2 mal gemacht hatte, ging ich die nächste Herausforderung an: Straßenbahn fahren. Außerdem wollte ich ja unbedingt mal wieder den Rhein sehen! Was lag also näher, als mit der Linie 043 nach Uerdingen zu fahren?!

O je, war das aufregend! Erst einmal fragte ich meinen Physio-Ritter, ob man mit E-Rolli auch in die Straßenbahn käme. Er meinte, ich sollte mal mit Herrn Sch. sprechen. Der säße auch im E-Rolli und sei sehr viel unterwegs.

Dann kam am selben Tag noch mein Neurologe zum Hausbesuch und ich fragte ihn, ob etwas dagegen spreche, dass ich mit dem E-Rolli Straßenbahn führe. Er meinte nur: „Versuchen Sie es. Aber erkundigen Sie sich vorab bei den SWK was Sie da beachten müssen.“

Ich erfuhr dann bei meinem Anruf, dass der Kundenberater keine wirkliche Ahnung von Rolli-Fahrgästen hat. *hmpf*

Also sprach ich mit Herrn Sch., fragte ihn ob es stimme, dass man als E-Rolli Fahrer nicht mit den Krefelder Straßenbahnen fahren könne. (Das hatte der Kundenberater gesagt.)

„Quatsch!“, sagte Herr Sch., „Man kann nur nicht überall ein- und aussteigen. Nur an erhöhten Haltestellen wie zum Beispiel am Hauptbahnhof.“

„Und wie ist das am Uerdinger Bahnhof?“, fragte ich, „Ich würde nämlich gerne mit der 043 nach Uerdingen fahren. Ich will nämlich den Rhein sehen!“

„Ja, das ist wahrscheinlich die einzige Haltestelle in Uerdingen, die erhöht ist“, meinte er trocken. Dann bot er mir an, zusammen mit mir nach Uerdingen zu fahren. Das nahm ich gerne an und wir verabredeten uns für Samstag nach dem Mittagessen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Samstagnachmittag fuhren wir mit 2 E-Rollis mit der Straßenbahn 043 nach Uerdingen! Juhu!! Alles klappte hervorragend!

28 Gedanken zu “Abenteuer Straßenbahnfahrt mit E-Rolli

  1. Ich bin begeistert!

    kann das zur Zeit ja alles ganz gut nachvollziehen – letztens bin ich zum ersten Mal Bus gefahren – nur noch mit Stock aber mit Begleitung – kam an zu einem Treffen mit paar Freunden und schrie schon aus der Ferne „Ich bin Bus gefahren“ 😆
    – und alle waren mit mir begeistert 😆

    Weiter so – nich unterkriegen lassen – Auf sie mit Gebrüll !

    Gefällt 2 Personen

  2. Das ist ja ein starkes Stück!
    Herzlichen Glückwunsch!
    Du bist einfach unglaublich hartnäckig!
    Und das hat sich ausgezahlt, schön!
    Ihr seid ja dann mit einem tollen Ausflug
    belohnt worden, Rheinufer, Bummeln,
    Café …
    … und das Erlebnis, dass es geklappt hat!

    Ich wünsche Dir weiter solche Erfahrungen!
    Und nachdem Du jetzt weißt, wie es geht,
    und dass es geht, kannst Du ja immer mal
    an den Rhein fahren, wann Du Lust hast!

    Lieben Gruß, M.!

    (PS
    Schande über den Kunden“berater“!
    Das dürfte in einer Stadt wie Krefeld nicht
    passieren!)

    Gefällt 2 Personen

  3. Es gab mal, als ich Barcelona besuchte, ein gut organisiertes umfangreiches Projekt : da hat man Leuten, die sich nur per Rollstuhl bewegen können, Kameras gegeben, damit haben sie das ganze Stadtgebiet eingefangen und kartografiert; Möglichkeiten und Hindernisse tauschte man aus, stimmte sich untereinander auf Treffen ab, machte Vorschläge, und die Stadtverwaltung tat ihr Möglichstes, um all die von den Betroffenen selbst gefundenen Lösungen zu realisieren.

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