Warum mache ich eine harte Zeit durch?

Vor 4 Tagen schrieb ich in einem Beitrag: „Ich  mache momentan eine harte Zeit durch.“

Daraufhin haben mir viele von euch Mut und gute Besserung zugesprochen. Vielleicht glaubt ihr, ich habe einen MS-Schub. Habe ich nicht. Aber mit der MS hat es letztendlich wahrscheinlich doch etwas zu tun.

Alles zerrt über Gebühr an meinen Nerven. Dadurch schieße ich schnell über das Ziel hinaus. Ich tobe und wüte wie ein kleines Kind, fahre mit Höchstgeschwindigkeit mit meinem E-Rolli durchs Haus, reiße Stühle und Tische um und lasse Türen krachend ins Schloss fallen. Dadurch ging meine Zimmertür sogar aus den Angeln.

Ich wähne mich zufrieden, wenn alle vor mir Angst haben. Und doch bin ich kreuzunglücklich und heule Rotz und Wasser. Mir ist klar, dass ich riesengroßen Mist gebaut habe.

An dem Abend selbst, als das ganze eskalierte, waren die Angestellten des Hauses sehr lieb zu mir. Die Zimmertür wurde wieder in die Angeln gehoben. Was ich umgestoßen hatte, wurde aufgeräumt. Was ich verbogen hatte, wurde wieder gerade gerückt. Keiner schimpfte.

Das große Donnerwetter gab es am nächsten Tag.

Die Damen Kubens und Faust vom Sozialdienst und der WB-Leiter meines WB erschienen zu dritt mit ernsten Mienen. Frau Faust, die Psychologin eröffnete das Wort: „Das, was gestern gelaufen ist, geht gar nicht!“ (Das ist mir auch klar.)

Die Einzelheiten des Gesprächs will ich hier nicht ausbreiten. Vielleicht nur das Fazit:

Ich soll mir Hilfe holen, wenn ich merke, meine Gefühle kochen hoch.

Dazu boten sie sich alle 3 an. Auch das andere Pflegepersonal wäre dann da, sollten die 3 nicht anwesend sein. Sie würden sie diesbezüglich noch einmal instruieren.

Ich soll von meinem Rückzugsrecht Gebrauch machen, wenn es in mir brodelt. Ich könne auch oben essen.

Wenn ich damit einverstanden wäre, würde der Wohnbereichsleiter noch mal mit meinem Neurologen sprechen.

Und ob ich damit einverstanden bin! Die anderen Bewohner und Angestellten bekommen vielleicht Angst. Aber ich selber ‚leide wie Hund‘ an meinem labilen Affekt mit den aggressiven Impulsausbrüchen.

Fazit:

Die Angestellten des Gerhard-Tersteegen-Hauses versuchen alles, damit es mir künftig besser geht!

 Affektlabilität

Störung der Impulskontrolle

27 Gedanken zu “Warum mache ich eine harte Zeit durch?

  1. Es ist sicherlich nicht hilfreich, wenn du auf eine Rampage gehst, aber irgendwie besser als alles herunterzuschlucken. damit bist du schon einen Schritt weiter ….. es ist normal, seinen Frust zu zeigen……du musst einfach ein anderes Ventil fuer dich finden. Bei mir ist es exzessives Putzen ….du bist eine so schlaue Frau, du findest, was zu dir passt. Liebe Gruesse 😃

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  2. Liebe Katrin,
    Meinen herzlichen Glückwunsch zu deiner Reaktion. Das musste mal raus.

    Niemand hat ein Recht dir Schuldgefühle einreden zu wollen.
    NIEMAND
    Für mich ist es ganz normal, dass sich ab und zu Ventile öffnen, um sich Luft zu verschaffen.
    Du bist eine junge Frau, wenn auch eine kranke, aber das heißt nicht, das du am realen Leben nicht mehr teilhaben kannst. Es gibt Lösungen, da bin ich mir sicher. Sie müssen gefunden werden
    Für mich hat dieser Ausbruch etwas mit dem Wunsch nach „Leben“ zutun. Leben muss und darf selbst bestimmt sein.
    Du darfst lernen wieder in die „normale“ Welt zu treten, um dort zu leben. Viele „MS“ Kranke beweisen es.

    Hilfe, in Form von Gesprächen .- Ja -, aber nur mit einem Psychologen, der eine neutrale Position einnimmt.

    LG. Monika

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    • Es sollte sich eine Alternative finden lassen, vielleicht MS WG mit einer oder mehreren anderen, dazu Stichwort: Persönliches Budget. Vielleicht kann sich euer Heimleiter mal informieren, der sollte doch gut vernetzt sein.
      Oder bei euch im Heim einen Bereich für Junge Bewohner einrichten …

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  3. Liebe Katrin

    In München gibt es ein MS-Zentrum, etwas außerhalb, in dem es auch viele jüngere Menschen gibt. Sowas gibt es bei euch nicht, hm?

    Ich lese oft, dass du dir Mut machst und du schreibst auch, dass es dir in dem Heim gut geht, und doch denke ich, dass insgeheim in dir ist „das kann es doch nicht gewesen sein“.

    Ich wünscht, ich könnte dir was Gutes tun.

    Herzliche Grüße… Julie (Luiserl)

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  4. Liebe Katrin, ich drücke dich mal ganz fest und hoffe, dass du andere Ventile gegen deine Wut und Trauer findest!
    Ich bin für dich auch froh, dass du von den Angestellten Verständnis und Hilfe bekommst!!!
    Wir gesunden können bei Wut rausgehen und rennen, du halt nicht!! Schreien können wir laut, ob das bei dir geht weiss ich nicht!
    MS ist eine schwere Krankheit, meine Grossmutter starb daran mit 34 Jahren und meine Mutter und meine Tante waren sehr traurig über den frühen Verlust ihrer lieben Mutter!! Und ich konnte sie auch nie kennenlernen! Scheiss Krankheit!!! Hoffentlich macht die Wissenschaft bald grosse Sprünge und findet eine Kur welche die Krankheit stoppt und ALLEN MS Patienten hilft, also auch dir!!!

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  5. Hallo Katrin„
    Das, was gestern gelaufen ist, geht gar nicht!“
    Eine Schande für die „Pseude-Psychologin“ die so eine Aussage tätigt. Man könnte meinen sie hätte keine Ahnung zu einem komplexen Thema wie MS.
    Das Angebot dir Hilfe zu holen, wenn du merkst, dass deine Gefühle hoch kochen, ist auch nicht mehr als eine leere Worthülse, denn mit einem qualifizierten Psychologen Kontakt zu bekommen dauert, u. dauert, und dauert. Schämen für dein Verhalten musst du dich deshalb nicht. Habe Mut und gute Gefühle.
    Liebe Grüße
    Veronika

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  6. Niemand von uns kann dir da einen Rat geben, liebe Katrin, es sei denn, er ist selbst betroffen. Vorstellen könnte ich mir, dass du dir in solchen Momenten vorkommst wie abgeschoben – in die Ecke gestellt – aufgeräumt, damit du nicht im Weg bist. Es ist der Schrei – „He, ich bin auch noch da, beachtet mich“. Ein guter Schritt ist schon mal, dass du hier darüber schreiben kannst. Mal wieder eine liebe Umarmung für dich.

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  7. Ich denke, es ist wie üblich irgendwo die goldene Mitte, die fehlt. Wahrscheinlich sind das (oder Teile des) Pflegepersonal manchmal auch mit jemandem wie dir überfordert, der ganz andere Anforderungen nicht nur an das Heim, sondern auch an sich selbst stellt, als das vielleicht eine 80jährige tut. Dennoch kann ich auch verstehen, dass man der Meinung ist, dass es „so nicht geht“. Aber das weißt du ja selbst, wie du schreibst. Da braucht es niemanden, der dir ins Gewissen redet.

    Vielleicht musst du wirklich noch deutlicher deine Bedürfnisse kommunizieren und auch einfordern!?

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  8. Liebe Katrin,

    als ich Deinen Beitrag las, packte mich die blanke Wut, denn Dir wird zugemutet, dass Deine Zimmernachbarin Dich rund um die Uhr beschallt. Sie kann wahrlich nichts dafür, nur dass die Heimleitung da keine Lösung finden kann ist einfach nur armselige! Du bist am völlig falschen Platz und ich bin der selben Meinung wie Monika. Du bringst soviel Verständnis für Deine Mitbewohner auf, hilfst wo es nur geht und dann kommen die zu Dritt an um Dir eine Standpauke zu halten, weil Dir mal der Gaul durchgegangen ist. Glaube mir, ich würde bestimmt nicht so zaghaft reagieren. Für alles und jeden wird Verständnis aufgebracht nur für Menschen wie Dich, die in solchen Situationen sind, versucht nicht mal ansatzweise atequate und akzeptable Lebensbedingungen zu schaffen! Du siehst, ich bin auch kurz vor’m kollabieren!

    Und zum Abschluss, die sollten sich mal bei Dir bedanken für Deine Solidarität und Hilfe Deinen Mitbewohnern gegenüber! Und sich endlich um eine Lösung bemühen, Dich in ein passenderes Umfeld einzuquartieren.

    Und noch was, suche nicht die Schuld bei Dir, die sollten sich jetzt mal Gedanken machen!

    Ganz herzliche Grüße Babsi

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  9. … was soll ich jetzt noch schreiben bei solch tollen Kommentatoren vor mir… du bist kein Engel sondern ein Mensch mit Bedürfnissen, wenn diese zu kurz kommen gibt es einen Energiestau, der sich entladen muss! Ein hoch auf die emotionale Gesundheit am Feintuning der Kanalisation lässt sich noch schrauben… eine Psychologin des Vertrauens ist wichtig und stärkt dir auch den Rücken in Gesprächen mit der Heimleitung wenn es deine Interessen betrifft… einmal Knuddeln und Schicht für Heute :herz:

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  10. Liebe Katrin!
    Ich denke wir dürfen auch einmal ausrasten, wütend sein, etwas an die Wand werfen oder oder oder…. Der Unterschied zu mir, ich wohne noch nicht betreut und kann mehr oder weniger machen was ich will wenn ich wütend bin. 😉 und das passiert auch des Öfteren…
    Ich denke, in Deiner Situation ist das schwerer…. und deshalb wünsche ich Dir, dass Du vielleicht etwas findest, um die Wut rauszulassen, die definitiv raus muss….
    Vielleicht einenSandsack, den man gegen die Wand knallen kann??? Oder eine voodoo Puppe??? Wie ich Dich kenne findest Du etwas… LG

    Gefällt 1 Person

  11. Liebe Katrin,
    Dein Ausbruch zeigt, dass Du noch lebendig bist, im wahrsten Sinne des Wortes!
    Das finde ich sehr gut!

    Der „… das-geht-gar-nicht“-Auftritt war reichlich unprofessionell!
    Das geht so in meinen Augen nicht!
    Wieso trauen die sich nur zu dritt zu Dir zu kommen??
    Da wüsste ich eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten.

    Dein Verhalten war subjektiv von Dir aus betrachtet richtig.
    Dass Dein Ausraster natürlich für eine Hausgemeinschaft problematisch ist, ist
    doch vollkommen klar. Aber man kann das auch anders mit Dir regeln, und zwar so,
    dass Du als sonst sozial äußerst umsichtig agierende Persönlichkeit auch ernst
    genommen wirst!
    Von einer Psychologin hätte ich viel mehr erwartet, als ausgerechnet diesen Satz!

    Es ist gut, dass Du bei Deiner Psychotherapeutin wieder weiter machen kannst.
    So wie Du beschreibst, hast Du Vertrauen zu ihr. Das wird Dir dann bestimmt helfen.
    Da kann ich Dir nur zuraten!

    Ich wünsche Dir morgen einen guten Wochenstart!
    Und ich wünsche Dir sehr, dass Du Dich nach und nach wieder wohler fühlen kannst!
    Lieben Gruß, M.!

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  12. Ich fühle so sehr mit dir, liebe Katrin… Auch ich erlebe immer häufiger, dass ich vor allem zuhause in meinen vier Wänden furchtbar aggressiv werden kann, da werfe ich dann auch schon mal Gegenständen, und fluche laut schreiend, und mit bösen, sehr, sehr bösen Ausdrücken, die ich hier nicht wiedergeben werde. Bislang vollziehen sich diese Wutausbrüche wie gesagt fast ausschließlich im stillen Kämmerlein. Manchmal, ja, manchmal habe ich sehr große Angst davor, dass ich eines nicht mehr fernen Tages eine innere Hemmschwelle durchbrechen und auch draußen, im Angesicht meiner Mitmenschen, derart die Kontrolle verlieren könnte. Erste Anzeichen gibt es bereits – bei Diskussionen über gewisse politische und soziale Themen fällt es mir zusehends schwer, die drohend brodelnde Wut in mir unter Kontrolle zu halten…

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