Espresso, die Zweite

2016-08-06 14.27.40

Nachdem ich den Beitrag zum Thema Espresso veröffentlicht hatte, haben viele Leser kommentiert und Ideen entwickelt. Ich finde es sehr, sehr lieb, dass Ihr so mitfühlt!

❤ ❤ ❤ Danke! ❤ ❤ ❤

Deshalb möchte ich noch einen Nachtrag zu eben diesem Thema veröffentlichen.

Den gestrigen Beitrag schrieb ich, als ich total unzufrieden mit mir war – und mit der ollen MS – und damit, was sie mir alles geraubt hat. Manchmal ist das so. Dann schreibe ich mir meinen Frust von der Seele. Tut mir Leid, dass die Leser das dann ertragen müssen. :-/

Doch vielleicht ist es auch so, wie ute42 in ihrem Kommentar schrieb:

„Gut, dass du darüber schreibst. Als einigermaßen gesunder Mensch kann man sich das gar nicht vorstellen. Ich bin ja auch ein großer Kaffee-Liebhaber. „Ist doch so einfach, Pad rein-Klappe zu-Knopf drücken“. Liebe Katrin, meinen nächsten Kaffee werde ich mit anderen Gedanken zubereiten. Man ist viel zu wenig dankbar für die ach so selbstverständlichen Dinge des Lebens.“

Ich kann dazu nur sagen: „Als ich zu den Gesunden gehörte, habe ich auch so gedacht.“

Man kann sich in vieles erst hinein fühlen, wenn man es selbst erlebt hat, am eigenen Leib oder am Leib eines nahe stehenden, geliebten Menschen. Oder man wird durch jemanden darauf gestoßen, wenn man ein Buch oder einen Blog liest oder einen guten Film sieht.

Die ganzen Kommentare haben auch mich nachdenklich gemacht. Ich sollte nicht so viel hadern mit meinem Schicksal. Oder wie es im Rheinisches Grundgesetz op Krieewelsch steht:

Artikel 1
Et es, wie et es.
Artikel 2
Et kütt, wie et kütt
Artikel 3
Et hät noch ömmer joot jejange

Also:

Artikel 6
Wat soll dä Quatsch?!

Quelle: Arbeitskreis Mundart, Verein für Heimatkunde e.V. Krefeld

Ich sollte also besser aufhören zu jammern! Jammern, und das ICH, die was gegen Selbstmitleid hat! Vor allem ist niemandem damit geholfen. Wenn ich ganz ehrlich bin: ich habe seit Anfang 2013 ein pelziges Gefühl im und um den Mund herum, das feines Schmecken eh nicht zulässt. 😉

25 Gedanken zu “Espresso, die Zweite

  1. Guten Morgen, Katrin.
    Ich weiß, ich weiß, wenn ich früher in die Zimmer meiner Kinder ging und „Guten Morgen“ sagte, dann kam mir ein Grummeln entgegen. Guten Morgen, wer will schon einen guten Morgen, wenn man eigentlich noch schlafen möchte. Träumen, in anderen Realitäten sein. Ich war der reinste Störenfried, so später die Aussage meiner Kinder, als sie erwachsen wurden.
    Warum erzähle ich es dir, diese Frage kannst du berechtigt stellen. Deshalb, weil wir manchmal mit uns so unzufrieden sind, wir glauben dem Alltag nicht mehr gerecht zu werden. Wir sehen nur noch das, was wir nicht mehr können. Wir werden zornig, undankbarer, zerstörerisch gegen uns.
    Selbstmitleid, warum nicht, wenn es hilft eine Situation positiv zu reflektieren. Nichts weiter als das hast du getan. Du hast deine Trauer um dich öffentlich kundgetan. Wir sind aufmerksam geworden, verständnisvoller.
    Du hast ein Leben, nimm es in deine Hände und es wird leuchten.
    Vertrau dir, deine Krankheit ist dein Weg und der ist sehr interessant. Ich und viele andere, werden mit dir gehen und an Orten verweilen, die du mit deinen Augen siehst.
    LG. Monika

    Gefällt 5 Personen

  2. also mir geht das so – jammern ab und zu – ja, mich auch mal richtig auskotzen – bei mir wirkt das – in dem Sinn, dass ich es raus lass und dann ist auch wieder gut

    schlimm find ich Menschen, die ständig jammern, ertrinken in ihrem Selbst-Mitleid

    aber so wie ich dich bis jetzt mitgekriegt habe, bist du tatkräftig und tapfer – und da find ich ab und an mal ein bisschen jammern wirklich absolut gut und richtig

    und es hat auch noch einen anderen Aspekt –
    mir geht’s ja inzwischen schon wieder ganz gut –
    Am Anfang dieser Geschichte, da konnten sich andere einfach gar nicht vorstellen, wie das war
    Beispiel: man hatte mir Smoothies mitgebracht vom einkaufen – und in’s Gemüsefach vom Kühlschrank gepackt – lieb gemeint – nur, ich kam da nicht dran, kam nicht so weit runter – nach einem Riesen-Akt – runter war ich, kam aber dann nicht wieder hoch – also. irgendwann hatte ich das Ding dann da raus und war wieder auf meinem Bett angekommen, am Ende meiner Kräfte und freute mich nur noch auf diesen Smoothie –
    und dann hab ich die Flasche nicht aufgedreht gekriegt – keine Kraft in der Hand – nix war mit Smoothie, solange bis jemand kam

    So Geschichten muss man dann auch mal erzählen, damit andere sich überhaupt vorstellen können, wie das ist

    Alles Liebe ❤

    Gefällt 1 Person

  3. Ich habe Deinen letzten Beitrag nicht als jammern empfunden. Im Gegenteil, mir ging soviel durch den Kopf, angeregt durch das, was Du schreibst.

    Ich finde jeder Mensch darf auch mal fühlen und schreiben: „Alles Mist“.

    Mir sind von mir zwei Jammer-Typen bekannt:
    1. Jammern, damit jemand einen einfach zuhört und tröstet. Diese Art Jammern verträgt keinen Rat, denn hier geht es ums wahrgenommen werden.

    2. Jammern, um Lösungen zu finden. Da ist es gut, wenn andere mir sagen, was sie darüber denken, Vorschläge machen usw. Hier ist Querdenken angesagt.

    Von mir kann ich sagen, dass es mir sehr schwer fiel Hilfe anzunehmen. Zum Beispiel bin ich handwerklich unterbegabt. Eine Freundin bot an, dass sie mit ihrem Freund bei mir vorbeikommt, um eine Deckenlampe umzuhängen….das habe ich bis heute nicht angenommen.

    Mir kam zu Deiner Geschichte der Gedanke, ob es nicht Mitbewohner gibt, die Dir gerne behilflich sind. Umgekehrt kannst Du doch sicher auch etwas „helfen“…..Und wenn nicht, ist auch egal.

    Ich bin mir auch sicher, dass es Dir zusteht, das jemand von den Mitarbeitern dich unterstützt….(Im Rahmen der Paragraphen zu Verhinderung einer Behinderung.)

    Aber ist es das, wonach Du jetzt ein Bedürfnis verspührst?

    Die Kommentare, die Dir geschrieben wurden, berührten mich sehr.

    Das Fähigkeiten verloren gehen ist etwas, womit ich gar nicht klar komme….bei ist es viel langsamer, weil es nicht durch eine Krankheit aber wohl durch das Alter eintritt: Immer wieder Abschied nehmen….trauern…und entdecken, was da Anderes kommt.

    Falls ich etwas geschrieben habe, was Dich verletzt oder dir zu Nahe ist, dann lösche es bitte. Denn das ist ganz sicher nicht meine Absicht.

    Ich habe Dich auf alle Fälle wahrgenommen und bin berührt.

    Gefällt 1 Person

  4. Hallo, ich möchte mich heute auch mal zu wort melden, bin sonst eher ein stiller leser gewesen
    ich habe sechs kinder und bin eine richtige 24 h hauptberufliche mutti (gewesen), obwohl ich selber ein einzelkind bin habe ich meist instinktiv aus dem bauch heraus richtig gehandelt, seit 4 jahren arbeite ich voll in der pflege, mir ist also bekannt was die ms anstellen kann, meine älteste tochter ist nun seit 7 jahren an ms erkrankt, sie hat dieses jahr ihren langjährigen freund endlich geheiratet, ein super Schwiegersohn und ich weiss meine tochter in guten händen, wenn wir uns sehen geht es laut ihrer aussage immer gut manchmal wäre ich froh wenn sie jammern würde , einfach nur mal so, es ist für mich schwer nicht darüber mit ihr reden zu können, ich kann leider nicht einschätzen wie es ihr wirklich geht und das tut mir auch weh
    und wenn du, katrin, keine Kaffeemaschine bedienen kannst und es auch öffentlich machst dann ist es kein jammern sondern eine tatsache und gerade für das Pflegepersonal gut wenn sie bescheid wissen denn nur so können sie positiv reagieren
    ich wünsche allen einen schönen Tag heute

    Gefällt 3 Personen

  5. Liebe Katrin, dieses Blog ist DEIN Blog, hier schreibst DU.Wenn du schlechte Tage hast, ist es dein gutes Recht, dir den Frust von der Seele zu schreiben. Du bist doch nicht nur die MS. Du bist so viel mehr, die „Mama“ eurer Tischfamilie, diejenige, die mit ihrem Blog die Angehörigen der anderen Bewohner des GTH auf dem Laufenden hält. Die, die den „Physio-Ritter“ mit einem wunderschönen stahlenden Lächeln beglückt, wenn ihr mal wieder einige 100 Meter Laufen geschafft habt. Mir hat mal jemand geschrieben, als ich mich für „Jammern“ entschuldigte: „Du bist das, was die Katzen und der kleine Hund in dir sehen.“ Im Übrigen stimme ich Ute, meiner Vorrednerin, zu. Schreiben erleichtert! Bei uns im Ruhrpott haben wir einen Spruch für solche Tage: „Alles Scheiße, Deine Elli“. 😉

    Gefällt 3 Personen

  6. Liebe Katrin,

    Sicher können Dich viele verstehen, dass Du manchmal etwas gefrustet bist, weil vieles was früher ging, heute nicht mehr geht. Wenn Du so willst, gehört so etwas doch auch zum Leben dazu. Auch bei vielen „gesunden Menschen“ kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo vieles nicht mehr so geht, wie früher. Deshalb sollte jeder, seine Situation in der er lebt, versuchen anzunehmen und das für ihn beste daraus zu machen, denn es gibt nun einmal Situationen im Leben die einem unverschuldet passieren, die man nicht ändern kann.

    Ich kann dir deshalb nur sagen, dass du Dir das bei aufkommen Zweifeln immer wieder klar machen solltest: Deiner Familie, deinen Freunden bist Du genauso wichtig, wie vor Deiner Krankheit.

    Lg

    Dieter

    Gefällt 1 Person

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