Quasselwasser

Menschen haben alle einen sehr unterschiedlichen Drang, sich selbst verbal anderen mitzuteilen. Das ist bei den Bewohnern des Gerhard-Tersteegen-Hauses nicht anders. Das Klischee von weiblichen Quasselstrippen und wortkargen Männern ist weit verbreitet, wird aber schon seit geraumer Zeit angezweifelt.

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Wir haben im Gerhard-Tersteegen-Haus unten im Speisesaal einen Tisch, an dem 6 Männer sitzen. Dort wird ständig geredet, gefachsimpelt, gewettet. Dort ist es eigentlich nie still.

An ‚meinem‘ Tisch sind wir 5 Frauen und ein Mann. Je nachdem wer gerade dort sitzt, ist es stiller oder lebhafter.

Am wortgewaltigsten, redseligsten ist U. dicht gefolgt von Frau Ga..

Letztens am Mittagstisch sagte U. etwas, das ich nicht verstand. Es war recht laut im Saal. „Was hast du gesagt? Es ist so laut hier!“, fragte ich.

Die Antwort kam sogleich: „Ach… war nicht so wichtig… ich habe nur so vor mich hin geredet.“

„Ach so“, sagte ich.

„Ja, manchmal rede ich nur so vor mich hin… Ich führe auch schon mal Selbstgespräche“, meinte U..

In meinem Gesicht muss sich ein einziges Fragezeichen abgebildet haben.

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„Wie? Du redest mit dir selbst?“

„Ja klar! Wenn ich alleine im Zimmer bin, rede ich mir Mut zu oder schimpfe auch mal mit mir: Das wäre bei-nahe schief gegangen!„, lachte U., „Es redet ja sonst niemand mit mir.“

U. und ich sind wirklich in vielem so verschieden. Aber wir mögen uns – vielleicht gerade deshalb!

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19 Gedanken zu “Quasselwasser

  1. Als ich noch zur Schule ging, wollte mir mal ein Lehrer das Reden verbieten. Auch das Schreiben. Das war ein gravierender Fehler von ihm. Er hatte nicht den blassesten Schimmer, was alles auf ihn zukommen würde. Ich ließ mir noch nie etwas gefallen. Und ich schreibe, was ich will. Ich lebe hier in einer parlamentarisch gewählten Demokratie und lasse mir den Mund nicht verbieten. Auch ich rede mit mir selber, wenn ich ellenlange Dialoge schreibe. Und wenn jemand glaubt, er könnte mir diesbezüglich einen Riegel vorschieben, dann hat er 3 Tage später ein Schreiben von meinen Anwälten auf dem Tisch.

    Schönen Tag noch!

    LG.,

    Rom

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  2. Liebe Katrin,

    mein Mann und mein Sohn, beide führen Selbstgespräche. Erst dachte ich bei meinem Mann, was für eine seltene, bedenkliche Marotte, aber dann, später erlebte ich wie unser Sohn im Spielen, redete, lachte und gänzlich dabei entspannt war. Heute, wenn sie beide mal zusammen sind (zu Besuch) und so vor sich hin „brummeln“, gehe ich einfach nach draußen. Lass sie allein, oder bin einfach taub. Nach einer gewissen Zeit sind sie wieder mit sich im Reinen. Wenn ich in mich schaue, so sind sie mir im Vorteil. Sie hatten schon ihr Gespräch und sind nun befreit.
    Für mich ist es nicht mehr wunderlich.

    LG.Monika

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  3. Wenn man alleine ist wie ich, dann führt man öfter mal Selbstgespräche 🙂 „Ute, das hast du gut gemacht“ lobe ich mich, wenn ich z.B. irgend etwas reparieren musste oder „Ute, du bist sooo blöd“ wenn ich mal wieder etwas vergesse oder fallen lasse. Sogar zur Jahreswende stehe ich mit einem Gläschen Sekt auf dem Balkon und sage „Post Ute und ein gutes Neues Jahr“. 🙂 🙂

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