Ein Krönchen für U.

U. und ich haben beide einen E-Rolli. Beide von der selben Firma. Ich habe meinen seit Ende Dezember 2013. U. hat ihren seit Anfang Januar 2016. Ich habe also schon 2 Jahre länger damit Erfahrungen sammeln können. Trotzdem passieren mir immer wieder einmal Missgeschicke, vor allem wenn ich sehr erregt bin.

Letztens kam U. unten in den Speisesaal und eckte überall an. Je mehr Tische und Stühle sie mit riss, desto nervöser wurde sie.

„Man! Nun passen Sie doch auf!“, wetterte eine Bewohnerin.

„Das tue ich doch! Ich mache das doch nicht mit Absicht!“, wehrte sich U. und nahm direkt den nächsten Tisch mit.

SCHEPPER, KNIRSCH, RUMPEL!!!

„Das gibt es doch wohl nicht!!!“, schimpfte die Bewohnerin. Damit machte sie U. aber nur noch nervöser. Der Bewohnerin zum Schutz sei vermerkt, dass sie sich wohl derbe erschreckt hatte.

Ich bekam das Ganze aus einer sicheren Beobachter-Position mit und musste grinsen. So war es mir anfangs auch ergangen. Diejenigen, die schimpfen und wettern, sind immer Fußgänger. Sie haben keine Ahnung, wie schwer es ist, so einen E-Rolli zu manövrieren.

Als U. dann endlich an unserem Tisch ‚eingeparkt‘ hatte, sagte ich lachend zu ihr: „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass es dir genau so ergeht wie mir am Anfang! Danke, danke, danke!“

U. sah mich ein wenig schief an. Sie wusste nicht, wie sie das verstehen sollte.

„Ich finde du hast eine Krone verdient!“, sagte ich.

„Ach, ich weiß nicht…“, antwortete U..

„Wieso? Das birgt doch immer noch die Chance, dass dich nicht jeder küsst, in der Hoffnung, du würdest dann eine Prinzessin! Oder sollen wir dich lieber in ein Frosch-Kostüm stecken?“

„Au ja!!!“, jubelte Frau Ga.. Sie liebt Märchen. Wenn im Fernsehen welche gesendet werden, schaut sie die immer an! (U. übrigens auch!) Und da muss erst einmal der Frosch geküsst werden, bevor er sich in einen Prinzen verwandelt.

„Nein“, meinte ich, „das wollen wir U. nicht zumuten!“

Frau Ga. streckte mir die Zunge raus. Ich streckte ihr meine raus. Dann lachten wir beide! 😀

Der Froschkönig

Märchenhain Niederheimbach Froschkönig Eiserner Heinrich 02
By Marion Halft (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) ] , via Wikimedia Commons

16 Gedanken zu “Ein Krönchen für U.

  1. Ach, so einen Frosch hätte ich gerne, der mich küsst und alles wandelt sich zum „Gutem“. Der Einzige, der mich „küsst“, mehr stupst, ist morgens mein Hund, wenn Herrchen schon aus dem Bett ist. Dann heißt es mach mal Kaffee, hurtig, hurtig. Mir geht es wie Frau U., dann nehme ich auch alle Ecken und Kanten von meinem Schlafzimmer mit. Fehlt nur noch, dass der Hund die Pfoten über seine Augen schlägt. Was soll ich machen, ich kann nicht auf mir sitzen lassen,
    “ ein Langschläfer “ zu sein. Ich werde es nicht mehr lernen, vor meinem Mann auf zustehen. Hingegen Frau U. die hat gute Chancen ihren E.Rolli bald sanft lenken.
    Vielleicht kann man mal ein Geschicklichkeit – Wettbewerb in einem Sommerfest einbinden. Mit einem Preis. Sollen doch mal die anderen mit dem Ding fahren. Das wären dann aber Lacher :-))
    Liebe Katrin, Du hast mir einen fröhlichen guten Morgen beschert. Danke!
    LG. Monika

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  2. Ich bin einmal in einem Rollstuhl gefahren, als ich wegen eines schweren Bandscheibenvorfalls nicht laufen durfte, und bin heilfroh gewesen, dass eine gute Freundin mich geschoben hat. Alleine wäre ich mit dem Ding kaum zurecht gekommen. 😉
    Auf dem Streetlife Festival in München sind zweimal im Jahr Rollstuhl-Athleten zu sehen, und das ist schon atemberaubend, wie gewagt und virtuos diese Menschen mit ihren Rollstühlen umgehen können.
    Herzliche Grüße!

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  3. Ich muss jetzt auch lachen – vor allem, weil du es so schön beschrieben hast 🙂
    Aber Rollstuhl fahren ist wirklich nicht einfach!
    Ich hab ja – wegen nur vorübergehend – einen ganz simplen und da hab ich mich nicht alleine mit auf die Straße getraut.
    Dann hängste fest an der Bordstein-Kante, dann kommen Autos….jedes bisschen auf und ab ist anstrengend…

    Grad eben komm ich zurück – das erste Mal alleine – mit Rollstuhl als Rollator – bei DM gewesen.
    Ein Weg von – wenn man laufen kann – 5 Minuten.
    Mit Schikane – Baustelle, eingeengte „Fahrbahn“ – Kinderwagen, Rollatoren… passt immer nur einer durch – und wenn einer am anderen Ende freundlicherweise wartet – das dauert, bis ich da durch bin 😆
    Ich hab für hin und zurück plus einkaufen fast anderhalb Stunden gebraucht – und bin jetzt erst mal platt – aber stolz auf mich 🙂
    Fange langsam an zu „trainieren“
    Eine Baustelle ist schon viel besser, aber den einen Vorderfuß darf ich immer noch nicht wieder aufsetzen..
    Seit 1.April bin ich mit der Geschichte zugange – ein April-Scherz der besonderen Art 😉

    Liebe Grüße an Frau U. und Lieben Dank für deine anschaulichen Geschichten 🙂

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