Komfortzone verlassen? Oder lieber doch nicht?!

Unter diesem Titel startete Christine Winter auf Stille-Stärken.de eine Blogparade.

Spannendes Thema!

Dieser Artikel heute ist also mein Beitrag zur Blogparade „Komfortzone verlassen? Oder lieber doch nicht?!“ von Christine Winter auf Stille-Stärken.de


Bei mir war es damals keine eigene Entscheidung. Es war keine Wahl zwischen JA oder NEIN. Ich musste meine Komfortzone, meine ‚eigene‘ Mietwohnung und damit fast den gesamten ‚Inhalt‘ der Wohnung – Möbel, Bücher, Alben, Hefte, Kleidung, Geschirr, alles was sich bis dahin so angesammelt hatte, verlassen.

Ich kehrte nie wieder dorthin zurück. Ich wurde im Rolli von 2 Sanitätern aus der Wohnung abgeholt und mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Dort blieb ich fast einen Monat lang, während die Ärzte versuchten, meinen monster Multiple Sklerose Schub aufzuhalten.

Letztendlich wurde ich mit der Diagnose SPMS (Sekundär Progrediente Multiple Sklerose) und der Pflegestufe 2 und einem EDSS-Wert von 8 entlassen. Der Chefarzt sagte: „Wir haben den Schub gestoppt. Morgen können Sie nach Hause gehen.“

Darauf sagte ich voller Angst: „Das geht nicht! Meine Wohnung liegt im Hochparterre. Ich muss 10 Stufen bewältigen, bis ich an der Wohnungstür bin. Das schaffe ich nicht!“

Daraufhin durfte ich tatsächlich noch 3 Tage im Krankenhaus bleiben, bis ich vom Krankenhaus direkt ins Pflegeheim ziehen konnte.

Ich habe also meine Komfortzone der selbstständig lebenden Frau in eigener Mietwohnung verlassen müssen. Es war alternativlos, die einzige/beste Lösung. Von einem Tag auf den anderen war mein neues Zuhause ein Altenheim, die Mehrheit der Menschen, mit denen ich zusammen lebe um die 80 bis 90 Jahre alt. Auch wenn das Heim offiziell ein ‚Pflegeheim‘ ist, nennt man es meist ‚Altenheim‘, denn die Bewohner sind in der Mehrzahl recht betagt.

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Dankbarkeit

26 Gedanken zu “Komfortzone verlassen? Oder lieber doch nicht?!

  1. sitz hier grad – kommt selten vor, dass ich Wort-Finde-Schwierigkeiten hab 😉
    tja –
    Ich sag grad einfach nur Danke Danke Danke Danke
    Ich bin noch mal davon gekommen, ich werd wieder…

    Es kann jeden von uns in jedem Moment des Lebens treffen
    Auf vielfältigste Art und Weise
    Nix ist selbstverständlich
    Alles was wir haben ist PLUS

    Ich drück dich einfach mal an’s Herzele ❤

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  2. Im Gegensatz zu vielen meiner Altersgenossen, die noch große Pläne machen, bereite ich mich längst darauf vor, brutal aus meiner Komfortzone gerissen zu werden: Ich arbeite mit einer Radikalität an meinem Lebenswerk, wie etwa Wolfgang Herrndorf sie leider erst fand, als ein Hirntumor bei ihm diagnostiziert wurde: „Ich brauche drei Stunden für zehn Seiten, es ist der Tag nach der OP, aber es begeistert mich, fast jeder Satz wirft mich um, und ich denke mit Verzweiflung an meine eigenen Projekte. Ich hab dreieinhalb Romane angefangen in den letzten Jahren, einen Jugendroman, einen in der Wüste spielenden Krimi mit B-Picture-Plot und einen Stimmenroman, zuletzt noch das Konzept zu einem SF-Roman, eine Hommage an Philipp K. Dick. Die ersten drei haben alle schon Anfang und Ende und jeweils zwischen 300 und 600 Seiten, aber nichts davon ist geordnet, richtig zusammengefügt oder überarbeitet. Diese Überarbeitung habe ich die letzten Jahre immer wieder in Angriff genommen und mich in immer neuem Material verloren, im jugendlichen Bewusstsein, noch ewig zu leben. Könnte jemand das für mich fertig schreiben? Passig? Lars? Irgendwer? Wollten sie? Alles vergeblich, mit meinen Fragmenten wird niemand etwas anfangen können. Ich hoffe, dass Passig oder Lars wenigstens in der SF-Idee etwas Brauchbares entdecken können, und überlege angestrengt, wie die anderen Dateien zu vernichten seien. Das Eingeständnis der kompletten Sinnlosigkeit des eigenen Lebens. Nichts Neues, aber so grauenvoll war es selten.“ Und just heute liegt ein Lyrikband von Tomas Tranströmer für mich bereit mit den Werken, die ihm nach dem schweren Schlaganfall noch gelangen. Mich darin zu coachen, was vielleicht im Pflegeheim an Haikus und Twitter möglich ist, wenn der Schlaganfall hoffentlich noch halbwegs etwas von mir übrig lässt. Ansonsten werde ich mich ganz in die Welt meiner Träume begeben müssen. Gibt ja viele Philosophen, welche die Traumrealität vom Gewicht her mit der unsrigen vergleichen… Hingegen ich die Einschläferungsversuche unserer Gesellschaft, mich ja erst in der Mitte meines Lebens zu befinden, mindestens für fahrlässig halte. Niemand etwa würde mit einem 46 Jahre alten Gebrauchtwagen derart Vollgas geben wollen. Da werden selbstverständlich nur noch die allernotwendigsten Fahrten gemacht. Aber mit meinem wesentlich pannenanfälligeren Körper soll ich mich gefälligst auf die Rente freuen, auf die Finca in Spanien… Mag aber natürlich auch sein, dass ich der Wahnsinnige in diesem Spiel bin 🙂

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  3. Hallo.
    Ich bin neu beim Mitmachblog und habe deinen Beitrag dort gelesen. Deine Offenheit ist sehr wohltuhend und es ist hart was dir geschen ist. Ich selber habe auch mein Schicksal und hatte ebenfalls eine schwere Erkrankung zu verarbeiten. Ich kann so viel sagen; es hat mich stärker gemacht, sozusagen geerdet. Ich weiß auch nicht was noch kommt. Vor allem geblieben ist die epilepsie. Die Blindheit auf einem Auge.
    Trotzdem sage ich heute; Ich hatte Glück.
    Zu sehen was andere nicht sehen. Dankbar sein, für das, was man hat.
    Ich wünsche Dir alles, alles erdenklich Gute. Und viel Kraft.
    Im altgriechischen bedeutet Medicamente: Medica / heile . Mente/ Geist. Oder frei: Heile durch den Geist! Ich habe viel darüber nachgesacht. Es hat mir geholfen.
    Alles Gute. Luke Elljot.

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  4. Kann mich kinder unlimited nur anschließen: deinen Weg als „Die Komfortzone zu verlassen“ nachzuvollziehen, dazu fehlt mir die Vorstellungskraft. Ich bewundere das sehr. Danke, dass du mich in deinen Gedanken mitgenommen hast und mir einmal mehr klarmachst: nur so. Nicht anders. Muss man die Dinge sehen. Ich freu mich, dass ich viele deiner Gedanken lesen und mir so meine Sicht der Dinge bilden darf. Vielen lieben Dank dafür und einen herzlichen Gruß, Doris

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  5. Danke, Katrin, dass Du immer wieder ganz Wesentliches von Dir hier erzählst! Ich kann Deine „Lebenswende“ nur teilweise nachvollziehen, indem ich mich erinnere, dass der Chefarzt mir nach der Überwindung einer heftigen Lungenentzündung eröffnete, dass er damit rechnete, mit mir könne es auch zu Ende gehen. Da saß ich nun, durfte weiter leben, hatte nur eine heftige Einschränkung meiner Lungenleistung zu beklagen. Seitdem „weiß“ ich, dass es in unserem Leben immer von einem Moment auf den anderen total anders kommen kann, oder eben das Ende sein kann. Deine Berichte zeigen mir das immer wieder erneut und erinnern mich, dass ich mein Leben deshalb bewusster leben will.
    Herzlichen Dank dafür!
    Lieben Gruß, M.!

    Gefällt 2 Personen

  6. Katrin, ich drücke dich einfach mal wieder ganz vorsichtig. Ich glaube, auch sog. „gesunde Menschen“ müssen immer mal wieder eine Komfortzone verlassen, je älter sie werden, ob sie wollen oder nicht. Es ist dann wichtig, für sich selbst eine neue Komfortzone einzurichten, auch wenn sei etwas kleiner und bescheidener ausfällt.

    Gefällt 1 Person

  7. Pingback: Das mit der Komfortzone | meinesichtderwelt

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