Früher Apothekerin

Es wird Zeit, auch mal aus meiner eigenen Vergangenheit zu erzählen.

Ich besuchte das Gymnasium. Für die Klassen 5 – 7 ging ich in den USA erst auf die Elementary School (Klassen 5 und 6) und dann für die 7. Klasse zur Junior High School. Mein Vater wurde beruflich nach Pittsburgh versetzt und nahm die Familie mit.

Pittsburgh skyline7.jpg
Von Filipe Fortes from New York, United States – [1], CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4800628

Als wir dann nach 3 Jahren zurück nach Krefeld kamen, wiederholte ich die 7. Klasse auf dem Gymnasium noch einmal. Da ich sehr jung eingeschult worden war, passte ich vom Alter her gut in die neue Klasse.

Nach dem Abitur studierte ich Pharmazie in Bonn. Die ersten Berufserfahrungen bekam ich nach 8 Semestern Studium im praktischen Jahr. 6 Monate war ich in Krefeld in einer öffentlichen Apotheke,

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6 Monate bei der Bayer AG in Leverkusen in einem Forschungslabor.

LogoVon Unbekannt – Geschäftsbericht 2015, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47424469
Pano-bayer-leverkusen.jpgVon A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7097050

Ende 1992 bekam ich dann nach bestandenem 3. Staatsexamen in Düsseldorf die Approbation als Apothekerin.

Nun hätte ich im Dezember 1992 in den Beruf als Apothekerin einsteigen können. Doch ich gönnte mir 4 Monate Zwischenzeit um mich mit etwas ganz anderem als Formeln und Chemie zu befassen. Ich ging nach Mittelamerika, nach Guatemala, und lernte ein neues Land, eine neue Kultur und eine neue Sprache kennen.

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Als ich dann 2½ Monate später nach Krefeld zurückkehrte, bewarb ich mich bei verschiedenen Apotheken um eine Stelle als Apothekerin. Denn mir war während des praktischen Jahrs klar geworden, dass ich eher geschaffen bin für eine Stelle in der öffentlichen Apotheke mit Kundenkontakt, als für eine Stelle in einem Labor in der pharmazeutischen Industrie.

Bei der dritten Bewerbung passten meine Vorstellungen und die der zukünftigen Chefin am besten zusammen und ich fing zu 01.05.1993 meine erste Stelle als angestellte Apothekerin im Münsterland an.

Leider bekam ich 1994 meinen ersten Multiple Sklerose Schub, 8 Monate später meinen zweiten und dann auch gleich nach vielen Untersuchungen die gesicherte Diagnose MS.

Ich arbeitete noch fast 10 Jahre in meinem Beruf, wechselte noch zwei Mal die Apotheke, blieb aber stets im Münsterland.

Seit 2002 bekomme ich BU-Rente, erst befristet, dann seit Ende 2004 unbefristet. Erst fiel es mir sehr schwer, schon mit 35 Jahren Rentnerin zu sein. Die Anerkennung, die einem eine Geld verdienende Anstellung gibt, fiel weg. Man muss sich seinen Alltag neu strukturieren, neue Aufgaben suchen, soweit einem das die MS zulässt. Das ist ein langer Weg.

Auch in der Zeit als Rentnerin habe ich unzählige Krankheitsschübe gehabt. In der ersten Zeit entwickelten sich die Auswirkungen meist vollständig wieder zurück. Doch dann blieb immer mehr zurück. Seit September 2012 ging es rasant bis ich 2013 im Rolli und im Altenheim/Pflegeheim landete (da war ich erst 45). Ich musste meine alte Wohnung aufgeben. Langsam stabilisiert sich meine Gesundheit wieder. Von einer selbstständig lebenden Frau in eigener Mietwohnung, selbst Autofahrerin, landete ich also in einer Pflegeeinrichtung.

Jetzt bin ich in 2 Monaten schon 3 Jahre hier und fühle mich meist sehr wohl hier! 👍  ☺️

84 Gedanken zu “Früher Apothekerin

  1. Du bist toll. Jede Krankheit ist scheiß, die man hat – aber du verlierst nicht den Mut:

    Ein Satz: Die Anerkennung, die einem eine Geld verdienende Anstellung gibt, fiel weg. Man muss sich seinen Alltag neu strukturieren, neue Aufgaben suchen, soweit einem das die MS zulässt. Das ist ein langer Weg. Ich unterschreibe ihn sofort!

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  2. Liebe Katrin,

    ich bin geplättet, also ich finde Du hast schon eine beachtliche Lebensleistung hinter Dir!👍

    Und was Du jetzt mit Deiner Zeit anfängst, verdient ebenfalls große Achtung und Beachtung! Du machst etwas sinnvolles und nur darauf kommt es an!

    So, jetzt werde ich abgeholt zur Physio.

    Also, für Dich einen wunderschönen Tag!

    LG Babsi

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  3. Liebe Katrin,
    dann hast du ja gar nicht so weit von mir entfernt gelebt, im schönen Münsterland! Du hast viel erlebt und viel gesehen, es ist wirklich sehr schade, dass die Krankheit dich aus deinem Berufsleben herausgerissen hat. Troz allem machst du das Beste daraus und das bewundere ich an dir sehr!
    Alles Liebe für dich
    Regina ❤

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  4. Herzlichen Dank für Deine Offenheit!
    Du hast bis jetzt ja einen faszinierenden Lebenslauf erlebt!
    Und es wird ja interessant bleiben!
    Ich bewundere Deine positive Einstellung zu den neuen
    Gegebenheiten, die Dir ganz viele bisher gewohnte Freiheiten
    genommen haben! Aber Du hast sehr viel daraus gemacht.

    Ich schätze sehr meine Freiheiten, eigen verdientes Geld,
    die Möglichkeit selbst mit dem Auto überall hin fahren zu können…
    Und deshalb kann ich sehr gut nachvollziehen, was es bedeutet,
    gleich mehrere dieser Qualitäten missen zu müssen…

    Aber Du bist auf einem guten Weg, sprichst ganz viele Menschen
    sehr positiv an, sowohl im Altenheim, als auch unter Deinen
    Bloglesern! Du bist vielseitig interessiert, vor allem aber am Menschen
    an sich, an den Menschen, mit denen zu tun hast, Deinen Mitbewohnern,
    Deinen Dir nahestehenden Menschen ….

    Ich wünsche Dir alles Gute und einen schönen Tag!
    Lieben Gruß, M.!

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  5. Oh, wie interessant… vielen Dank fürs Teilen! Das klingt ja spannend, was du da erlebt hast! War sicher nicht einfach, den Beruf und vorallem die Unabhängigkeit aufzugeben, ich kann mir das gar nicht vorstellen. Du scheinst das alles so gut zu meistern, dass ist eine Ermutigung für mich!

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  6. Ein interessantes Leben hast du hinter dir. Wie schade, dass es sich durch die Krankheit so plötzlich geändert hat. Es muss eine große Umstellung für dich gewesen sein. Um so mehr bewundere ich deine meist doch positive Einstellung. Danke dafür, dass wir etwas mehr von dir erfahren durften.

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  7. Danke für den tollen Bericht, liebe Katrin.
    Und danke für dein Vertrauen.
    Du hast wirklich ein interessantes Leben gehabt, vor allem abwechslungsreich.
    Dass du dir die Auszeit in Guatemala gegönnt hast, klasse….fast so als hättest du geahnt, dass es später schwieriger werden würde.

    Ich kann gut nachempfinden wie es nach der Berentung ging, ich bin auch seit meinem 36. Lebensjahr berentet, das verändert sehr viel und es kostet Kraft, sich neu zu strukturieren.

    Umso schöner finde ich, dass du zum Schreiben gekommen bist. Du schreibst gut und die Themen sind interessant. Sicher sprichst du sehr viele Menschen an.

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  8. Gut, dass du nichts aufgeschoben hast von dem was du sehen und erreichen wolltest. Diese Einstellung plus der vielfältigen Erlebnisse geben dir sicherlich die nötige Kraft weiter zu machen. Da ist noch so Vieles was nicht von dir oder durch dich erzählt wurde, Katrin und ich bleibe eine begeisterte Leserin!!! :herz:

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  9. Liebe Katrin, danke, dass Du uns auch an Deiner Lebensgeschichte teilhaben lässt. Es ist sehr spannend, was Du beschreibst und ich glaube, dass es, auch, wenn das Leben nun keine geraden Wege, sondern eher gewundene Pfade geht, es weiter spannend bleiben wird, und genau deshalb lese ich so gern bei Dir mit! Und ich danke Dir sehr dafür!

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  10. Finally I can react, somehow the whole day wordpress didn’t let me read your post. I never doubted that you made a lot of experiences in your life. I’m impressed, maybe one day you can write a post about Guatemala. I really enjoy reading all your posts, everyone can feel your sophistication. And I love being part of your world.

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  11. durch Zufall bin ich hier auf deine Seite gekommen
    und sie beeindruckt mich sehr
    auch dass ich jetzt gerade mit deiner „Lebensgeschichte“ einsteigen kann 😉
    ein wenig kann ich nachvollziehen was es für dich bedeutet hat..
    mein Mann hatte mit 32 einen Arbeitsunfall der ihn aus seinem bisherigen Leben herausriss..
    er wurde berufsunfähig und hat sich so geschämt dass er daheim „rumsitzen“ musste während andere „auf Arbeit“ gingen ..dass er die erste Zeit kaum vor die Tür ging..
    er kämpfte sich allerdings in ein Arbeitsleben zurück ..
    mit jungen Jahren in ein Altenheim „abgeschoben“ zu sein stelle ich mir schlimm vor..
    dass du aber schreibst du bist zufrieden damit ..spricht für die Einrichtung..
    ich hatte eine Betreuung in einem Heim mit behinderten (geistig und körperlich) Menschen
    aller Altersgruppen
    dort erlebte ich auch Wohngruppen mit einer guten Atmosphäre..kommt halt auch sehr auf das Personal an..
    ich finde es toll wie du dein neues Leben annimmst und angehst
    ja.. wenn eine Tür geschlossen wird geht meist eine andere auf
    ich wünsche dir alle Gute und weiterhin viel Kraft
    liebe Grüße
    Rosi

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  12. Oho, eine Pharmazeutin ist sie, die Katrin 🙂 Diesen Aspekt deiner Person hast du ja bis jetzt ganz versteckt. Danke für die (bisherige) Lebensgeschichte. Es würde mich sehr interessieren, wie es sich anfühlt, wenn man nicht nur vom Beipackzettel weiß, wie die Medikamente, die man schluckt auf den gesamten Organismus wirken …

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  13. Liebe Katrin, super auch deinen bisherigen Lebensweg und deine Geschichte zu lesen. Pittsburgh kenne ich auch ganz gut 🙂 Aber im Gegensatz zu dir bin ich dort nicht zur Schule gegangen 🙂 Ich kann mich nur anschließen: Du hast einen spannenden Lebenslauf und du bist eine mutige und entschiedene Frau, wie du dein Leben seit deiner Erkrankung umstrukturiert und gemeistert hast!! Ich stimme dir auch zu, dass es kein Zufall sein kann; dass du diesen Blog gestartet hast und wir uns hier alle in der Community treffen! 🙂 ❤ ❤

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