Reichssegelflugschule Hummerich – Teil 3

Den Taleinschnitt vom Hummerich zum Koret nannten wir Düse, weil dort der Wind aus NW besonders heftig blies. Von dort bis zur gegenüberliegenden Schule fiel das Gelände rinnenförmig sanft ab. Der Wind blies also in einen halben Trichter. Dieser Effekt wurde für die Schulung der Neulinge ausgenutzt.
Sie kamen zuerst auf den „Wackeltopf“. Das war ein normaler SG38, der nahe des Schwerpunktes an einem galgenartigen Holzgerüst aufgehängt war. Er pendelte also frei im Wind. Aufgabe des Flugschülers war es, sich mit der Steuerwirkung des SG vertraut zu machen. Ich fand die Art der Ausbildung absurd und war überglücklich, dass unser früherer Fluglehrer größeres Vertrauen in unsere Flugkünste hatte: Es wurde sofort mit dem SG38 geflogen.

Geschult wurde am Hummerich in 4 Gruppen auf 4 Ebenen. Flugschüler der Gruppe 1 – die Neulinge – kamen zuerst auf den Wackeltopf.
Die Absolventen des Wackeltopfes starteten dann in Gruppe 2 am Fuße des Hummerichs und machten von dort aus geringer Höhe ihre ersten Sprünge. Danach ging es in Gruppe 3 zur Hangmitte. Von dort aus wurden die A- und B-Schulungsflüge geflogen.

Gruppe 4 startete von der Kuppe. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Flugaufgabe von dort oben. Gaaanz weit hinten war das Landefeld, 50 x 25 m groß, abgesteckt durch 6 weiß-rote Fähnchen. Es erschien winzig klein von dort oben. Mein innerer Schweinehund sagte mir: „Auf dieser Briefmarke willst du landen und das bei Querwind? Das schaffst du nie!“ Aber ich schaffte es doch und landete mitten im Landefeld.

Wie groß das Gelände war, lässt sich aus folgender Geschichte ermessen. Das Wetter war erträglich. Alle Gruppen schulten. Plötzlich flog im Tiefflug eine ME 109 über den Platz, drehte eine Platzrunde und landete auf dem Platz in einiger Entfernung des Landefeldes.

Me109 G-6 D-FMBB 1.jpg
Von KogoEigenes Werk, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=312958

Der Pilot stieg aus, kletterte den Hummerich hinauf. Na ja, dachten wir, er erinnerte sich sicher an seine Ausbildung und sieht sich noch mal den Schulbetrieb aus der Nähe an. Wir standen mit dem Kuller am Landefeld und warteten auf „unseren SG“. Aber der landete weitab, was uns wütend machte, denn wir mussten nun weiter als nötig laufen. Wir setzten uns in Trab und ich rief schon von weitem: „X, wo landest Du denn?“. (Die Titulierung, die ich benutzte, möchte ich aus verständlichen Gründen hier nicht wiederholen.) Aber der Pilot schwieg. Als wir nahe genug heran waren, sahen wir den Grund: Es war kein Flugschüler, sondern ein Major der Luftwaffe. Eben der Pilot der ME 109! Ich wurde blass und stotterte eine Entschuldigung. Aber der Major lachte nur und sagte: „Ist schon gut Jungens. Ich wollte nur noch einmal so eine Kiste fliegen. Ich komme vom Feldflughafen Niedermendig“. Dann schnallte er den Gurt los, ging zu seiner Maschine, kletterte hinein und starte wieder, mitten im Schulbetrieb. Der ging ungestört und pausenlos weiter.

( Man stelle sich einmal vor, diese Geschichte würde sich heute -64 Jahre später- wiederholen!
Was würde wohl die Luftaufsichtsbehörde dazu sagen?)

Ende Teil 3

©Bewohner1 (Name über Katrin-musikhai zu erfahren)

8 Gedanken zu “Reichssegelflugschule Hummerich – Teil 3

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