Warum machen Sie das?

„Warum machen Sie das?“, ein Bewohner, den ich zu seinem Beruf früher befragt habe, stellte mir diese Frage, „Was wollen Sie dabei bezwecken? Wen erreichen?“

Es gibt verschiedene Gründe, warum ich diesen Blog schreibe.

Zum einen, weil ich ein Ventil für meine Energie und Kreativität suchte, nachdem ich durch die Multiple Sklerose vieles nicht mehr machen konnte.

  • Ich kann nicht mehr lange lesen, bevor die Buchstaben anfangen zu tanzen und zu verschwimmen.
  • Ich kann meine geliebten Musikinstrumente nicht mehr spielen. Ich habe mal Waldhorn und Querflöte gespielt, solo, kammermusikalisch und im Orchester.
  • Ich kann nicht mehr laufen, weder spazieren gehen noch joggen, was ich beides früher viel und gerne gemacht habe.
  • Mich lange auf etwas zu konzentrieren fällt mir schwer bzw. ist unmöglich geworden.
  • Ich suchte eine sinnvolle Aufgabe, die ich nach meinem Tempo und Gusto machen konnte.

Zum anderen stelle ich fest, dass der Blog sehr viel Interesse findet.
Angehörige von Bewohnern, die nicht mehr in der Lage sind viel zu erzählen, erfahren so, wie es ihren Eltern oder anderen Angehörigen, die im Heim leben, geht.
Pflegekräfte und Sozialdienst- oder Hauswirtschaft-Mitarbeiter will ich durch meinen Blog den Menschen außerhalb des Heims näher bringen und ihnen Anerkennung zollen. Sie leisten eine schwere, wichtige Arbeit.

Außerdem hat so ein Blog bisher gefehlt. Die meisten Bewohner sind zu alt oder zu krank dazu, so etwas zu machen.

Also zurück zur Frage: „Warum machen Sie das?“

Meine Antwort: „Weil ich es kann!“

Die Rückmeldung der anderen Blogger und der Angehörigen von Bewohnern tut gut und zeigt mir, dass der Blog sinnvoll ist. Das wiederum schmeichelt meinem Ego. 😉

51 Kommentare zu „Warum machen Sie das?

  1. Weil du es kannst….das gefällt mir!!!

    Ich lese immer gerne, was du schreibst, wenn ich auch nicht immer zum kommentieren komme.

    Ich finde es auch wichtig, dass du darüber schreibst. Ich bin sicher, du kannst anderen damit helfen.

  2. Gute Antwort von dir. Ich finde du holst dich und alle deine Mitbewohner auch aus der Anonymität. Ihr seit nicht einfach „die Bewohner“ und es ist nicht einfach „ein Altenheim“. Wir erfahren von Menschen, was sie tun, was sie mal beruflich getan haben, was jetzt ihr Lebensinhalt ist, was sie denken, wie sie leben. Ich finde das sehr wichtig.

  3. Weil du es kannst… neee weil du es sehr gut kannst 😉 Mach schön immer weiter. Ich glaube das du mit deinem (oder soll ich euren Blog sagen) sehr viele Menschen erreichst die sonst nichts übers Altenheim erfahren. Und richtig super, das die Mitbewohner das auch teilweise mitlesen. Hier mal ein ganz LIEBER Gruß an euch vom Ruuudi 🙂

  4. Eine korrekte Antwort als regelmäßiger Leser dieses Blogs wäre auch:

    „Damit wir was zu lesen haben und Einblicke in die Welt und in das Leben eines interessanten und emphatischen Menschen bekommen, der sich uns öffnen will.“

    Oder:
    „Weil bloggen einfach geil ist :)“

  5. Dein Blog ist einfach Spitze. So erhalte ich als Außenstehender Informationen aus dem Pflegeheim, die ich sonst nicht bekomme. Mach weiter so, ich freue mich jeden Tag Deinen Blog zu lesen.
    DANKE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  6. Für viele der älteren Mitbewohner ist das Internet sicher noch nicht alltäglich, vielleicht sogar etwas, was sie nicht richtig kennen oder einschätzen können. Vielleicht ist es ihnen sogar ein wenig unheimlich.
    Durch Deinen Blog bringst Du ihnen dieses moderne Kommunikationsmittel näher und uns das Leben in Eurem Zuhause. So haben alle etwas davon.
    Ich freue mich jedenfalls sehr, Dich per Zufall in der internetten Welt gefunden zu haben. Schön, dass es Dich in der Bloggerwelt gibt.

  7. Liebe Katrin,

    gerade erst folge ich Deinem interessanten Blog.
    Der unbedingte Wille etwas sinnvolles zu tun, egal auf welche Weise, ist auch ein Stück Lebenselixier. Da ich seit 2004 selbst betroffen bin , kann ich vieles verstehen.

    Herzliche MSler Grüße
    Babsi

  8. Gute Antwort. Jawohl, du kannst es und zwar gut. Es ist für uns alle, ob jung oder alt, wichtig, mal zu lesen und zu sehen, wie ein Heim von innen funktioniert. Als Besucher hat man diesen Einblick nicht. Es ist alles andere als schön, dass du in deinem jungen Alter dort sein musst. Drum ganz besonderen Dank für dein Engagement.

  9. es ist ein Blog, das ich täglich lese. Es bringt mir sehr viele Aspekte eines Lebensfeldes zum Bewusstsein, das ich sonst nicht kennen würde. Und das ich kennen sollte – denn es ist das Lebensfeld des alten oder, in deinem Fall, des in seinen Aktivitäten stark eingeschränkten Menschen. Zum Glück sind die Umstände, die du beschreibst, nicht die Schlimmsten, und so kann ich sie leichter auch für mich als Perspektive akzeptieren.

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