Sie singt immer noch

Ich erinnere mich, dass ich bei meinem Einzug ins GTH gedacht hatte, dass meine kölsche, singende Nachbarin bestimmt nach einer kurzen Zeit mit dem Gesang und den Flüchen aufhören würde. Als sie nach ein paar Tagen immer noch sang, fragte ich eine Schwester, seit wann die Kölnerin denn schon singe.

Ich bekam zur Antwort: „Also ich arbeite jetzt schon seit über 4 Jahren hier und sie muss schon vorher mit dem Singen angefangen haben.“

„Himmel!“, dachte ich, „Das kann ja heiter werden!“ Doch so richtig dran geglaubt hatte ich nicht. Jetzt bin ich schon fast 2¾ Jahre hier und sie singt immer noch. 😱

Sie ist mittlerweile 93 oder 94??? und hat eine Ausdauer… unglaublich! Allerdings merkt man, dass sich der ‚Gesang‘ geändert hat. Er ist nicht mehr melodiös, sondern eher brüchig und monoton. Drum ist er aber nicht weniger laut. Leider. Auch die Fluch-Tirade ist immer wieder Programm. Seltener, aber immer noch tritt der Dialog in verschiedenen Tonlagen auf (Vater, Mutter, Kind?).

Immer häufiger höre ich den Namen ihres Sohnes: „Der … wir’s schon richten! …! …!“ Das stimmt mich ein wenig traurig. Der Sohn besucht sie regelmäßig. Aber das ist scheinbar ihr einziger Besucher.

Solch ein Lebensende wünsche ich mir nicht!

29 Kommentare zu „Sie singt immer noch

  1. Schon ein paar Mal dachte ich an deine damalige Erzählung von der singenden Nachbarin und hoffte, dass sie ruhiger geworden ist. Schlimm ist das für dich. Wenn jetzt hoffentlich das Wetter bessere wird, vielleicht kann man sie ja dann für ein paar Stunden rausschieben in den Garten, damit du wenigstens zeitweise deine Ruhe hast. Nachts lässt sich das ja leider nicht bewerkstelligen.

  2. Mit 94 Jahren sind die meisten Freunde, Bekannte und Gleichaltrige um einen herum schon tot. Da bleiben oft nur die Kinder als Bezugspersonen. Das hatte mal eine Bekannte von mir, in dem Alter beklagt.

  3. Gerade beim Lesen, denke ich an Ellen, die Frau, die in J’s Krankenhaus das Essen servierte. Ellen singt den ganzen Tag. Bei geschlossener Zimmertür konnten wir sie schon hören , wenn sie mit ihrem Serviercontainer im Anmarsch war. Jeden Tag einen anderen Schlager auf den Lippen. Ich finde das sehr erfrischend und charmant, besonders in dieser Umgebung.
    Schönen Sonntag Katrin ☀️💚☀️

      1. Geräusch- (und manchmal auch Geruchs-)belästigung gehört zum dem schlimmsten, man kann sich nicht abschotten. Ich bin, vermutlich aus Selbstschutzgründen, schwerhörig geworden, trage Hörgeräte, die ich notfalls entferne – seither ist das Leben erträglicher, wenngleich die Schwerhörigkeit natürlich andere Probleme mit sich bringt. … Wie mans wendet und dreht, es ist nicht immer einfach mit dem menschlichen Zusammenleben.

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