Schwimmen

Fotothek df roe-neg 0002999 003 Portrait eines Mädchens in Badebekleidung aus dem Becken steigend, Bad Süd-Ost i.jpg
Von Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6537541

Gestern Abend kam das Gespräch irgendwie auf Schwimmen am Abendbrottisch.

U. und ich wollten von den beiden Seniorinnen Frau Ga., 90 Jahre alt und Frau K., 96 Jahre alt wissen, ob sie früher schwimmen gelernt haben.

„Aber sicher!“, sagte Frau Ga..

Frau K. zögerte erst, meinte dann aber: „Ja. Ich hatte auch Schwimmunterricht.“

„Wo haben Sie das denn gelernt?“, fragte ich.

„Also früher konnte man ja noch im Rhein schwimmen…“, sinnierte Frau Ga..

„Aber dann war der Rhein irgendwann zu schmutzig“, schüttelte sich Frau K..

„Sie haben im Rhein schwimmen gelernt???“, fragte U. ungläubig.

„Nein! Doch nicht im Rhein!“, protestierte Frau Ga..

„Dort war doch die Strömung viel zu stark!“, wandte Frau K. ein.

„Eben. Dort ist es doch lebensgefährlich zu schwimmen“, stimmte ich zu.

„Nein. Im Rhein war ich nie schwimmen. Gelernt habe ich das in der Schule im Schwimmunterricht“, ließ Frau Ga. jetzt wissen.

„Ja, wir hatten auch Schwimmunterricht in der Schule“, stimmte Frau K. zu.

Frau Ga. hatte wohl viel Gefallen am Schwimmen gefunden. Nachdem sie es in der Schule gelernt hatte, machte sie erst den Freischwimmer

Freischwimmer - altes Abzeichen.jpgVon Scan: Benutzer:.Lo. – selber eingescannt, PD-Schöpfungshöhe, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=4587571

dann das Fahrtenschwimmer-Abzeichen.

Fahrtenschwimmer - altes Abzeichen.jpgVon Scan: Benutzer:.Lo. – selber eingescannt, PD-Schöpfungshöhe, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=4587573

Frau K. war ganz still geworden. Dann winkte sie mich nah heran und sagte: „Ich kann gar nicht schwimmen.“

„Wie???“, fragte ich ganz erstaunt.

„Ich wurde vom Beckenrand ins Wasser geschubst. Da ging ich unter. Danach war ich so geschockt, dass ich es nie mehr versucht habe, das Schwimmen.“

NEIN!!!„, rief ich ganz entsetzt.

„Was? Die haben Sie einfach geschubst! Na die hätten was erleben können!“, rief Frau Ga. ganz entrüstet.

Ja, die kampfeslustige, kleine Frau Ga. wäre auch jetzt noch für Frau K. in den Ring gestiegen. Das ging ihr sehr gegen ihren Gerechtigkeitssinn.

18 Gedanken zu “Schwimmen

  1. Die Arme ,wegen solcher Methoden ,hat sie nie schwimmen gelernt..ärgerlich ❤ Aber wenn ich so nachdenke ,auch meine Oma konnte nicht schwimmen,und ihre Freundin auch nicht.Wenn wir in Grado auf Urlaub waren,spazierten sie immer durchs Meer ,nur der Kopf schaute raus,und alle glaubten sie würden schwimmen :)Also wahrscheinlich konnten früher viele nicht schwimmen .Die herzlichsten Grüsse an Dich Katrin ,und eine wunderbare Woche 🙂

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  2. … und in vielen Jahren werden die Angehörigen der heutigen Teenager-Generation da sitzen und sagen, dass sie nie schwimmen gelernt haben.

    Wozu auch? Immer mehr Schwimmbäder weichen den nur brusttiefen, überheizten, sanft geschwungenen Spaß- und Erlebnisbädern, in denen Schwimmen nicht mehr notwendig ist. Es schließen mehr Bäder als das neue richtige Schwimmbäder eröffnet werden.
    Immer weniger Schulen haben im Sportunterricht Schwimmen und immer weniger Eltern legen Wert darauf, dass ihre Kinder das können.
    Angesichts der enorm gestiegenen Zahl der tödlichen Badeunfälle eigentlich ein Unding. Denn der mit Abstand größte Teil der Unfälle kommt durch Selbstüberschätzung der eigenen Schwimmfähigkeiten zu Stande.

    Einfach ins Wasser schubsen – sicher fragwürdig. Gebe ich zu…Vielleicht ist dieser Stoß ins Wasser etwas brachial. Aber ich sehe so oft bei Schwimmkursen von Kindern, dass die Eltern völlig absurd reagieren. Statt zu gehen, schauen sie am Beckenrand zu, bedauern und bemitleiden ihre Kinder, die zetern und heulen, kaum, dass Mutti nicht da ist und tragen sie buchstäblich durchs Wasser, statt es den DLRGlern leichter zu machen und einfach zu verschwinden. Und so lernen sie es einfach nie.

    Im Gegenzug lassen viele Eltern die Kleinen ohne Aufsicht durchs Freibad oder am Seeufer herumtoben nach dem Motto, dass doch gefälligst der Bademeister oder die Wasserwachtler aufpassen sollen, wozu seien die schließlich da. Das geht soweit, dass in Köln schon Hinweissschilder aufgestellt werden müssen, dass die Schwimmmeister nicht die Aufsichtspflicht für Kinder haben sondern diese immer noch in der Verantwortung der Eltern liegt.

    Meiner Meinung nach hilft so ein kleiner „Tritt in den Hintern“ manchmal Wunder, um überhaupt ins Wasser zu kommen – und genau den verpasse ich mir auch 3-4mal die Woche. Sonst ständ ich vermutlich noch immer unter der Dusche 🙂 Davon übrigens gerade hier zu lesen:

    https://wasserfrosch.wordpress.com/2016/04/09/leidenschaft/

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  3. Und bei mir war es genau das Gegenteil. Meine Schwester wollte mir so Schwimmen beibringen. Und ich bekam Angst. Ich machte mein Seepferdchen, den Freischwimmer und den Rettungsschwimmer.
    Wenn man mir was antut, möchte ich immer etwas dagegen tun, dass das niemand mehr je mir antun kann.
    Aber so lang her…da war ja wehren nicht angesagt.
    Herzliche Grüße… Julie

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  4. Wenn ich das Alter deiner Seniorinnen bedenke (Jg 1920 und 1926), waren sie während des „Dritten Reiches“ Kinder. Da stand „Körperertüchtigung“ hoch im Rang, denn eine deutsche Frau und Mutter etc pp. Und auch die Sprüche „Gelobt sei, was uns hart macht“, und „Was dich nicht umbringt, macht dich hart“, war im Schwange. Im übrigen: Nichts gegen Schwimmunterricht. Liebe Grüße und alles Gute deinem Frühstückstisch.

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  5. Also ich konnte sehr gut schwimmen, hatte auch so einige Abzeichen, aber diese Methode mit dem einfach mal reinwerfen, fand ich immer schon gruselig…. viele Menschen lieben das Wasser ja so gar nicht und haben richtig Panik davor. Ich finde das sollte man akzeptieren. LG ( ist ja heute nicht mehr so verbreitet, aber mich regt so etwas auf)

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