Personalknappheit

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Zur Zeit merken wir Bewohner es sehr. Das GTH leidet an Personalknappheit. Aktuell sind einige Stellen nicht besetzt. Dafür werden Zeitarbeitskräfte eingesetzt. Zeitarbeit ist nicht gerade kostengünstig: Das GTH zahlt an eine Zeitarbeitsfirma den Betrag, der für Leiharbeit eingesetzt werden kann. Daran verdienen die Zeitarbeitsfirma und der Mitarbeiter, der im GTH eingesetzt wird. Am Ende bleiben dann weniger Arbeitsstunden übrig, als die Stunden, die ein festangestellter Mitarbeiter zur Verfügung hätte. Letztendlich heißt das, dass weniger Personal da ist, um sich um uns zu kümmern.

Außerdem ist es für uns Bewohner nicht leicht, sich an ständig wechselndes Personal zu gewöhnen. Denn Zeitarbeiter bleiben eben nur eine gewisse Zeit im Haus und wandern dann in eine andere Einrichtung weiter, wenn dort Bedarf an Zeitarbeit besteht. Gerade die älteren Bewohner leiden sehr unter diesem Wechsel.

Ich habe jetzt gehört, dass neue Pflegekräfte eingestellt werden dürfen. Im Internet unter: „Stepstone“ sind die Stellen ausgeschrieben. Auch in unseren Schaukästen vor dem Haus hängen die Stellenausschreibungen. Einige Kolleginnen sind zum 1. April aus der Elternzeit zurückgekommen, ein Pfleger ist für die Fachabteilung für Menschen im Wachkoma eingestellt worden, ein Kollege ist in die Tagespflege gewechselt und zwei BUFDIS (Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst) wurden eingestellt. Nächste Woche finden einige Bewerbungsgespräche statt.

Doch das merken wir Bewohner noch nicht richtig. Was wir merken ist, dass in allen Bereichen (nicht nur in der Pflege) alles Mögliche geändert wird und die Angestellten unter dem Arbeitspensum ächzen. Wenn dann noch, wie zur Zeit, viele Krankmeldungen da sind (Erkältungswelle rollt gnadenlos), sind die Lücken schwer zu stopfen.

8 Gedanken zu “Personalknappheit

  1. Leider kenne ich das aus „unserem Heim“ auch zur Genüge! Alles hatte sich verändert, die Küche hatte das Essen nicht mehr auf die Stationen verteilt, die Schwestern mussten das machen, Frühstück und Abendbrot nur noch als Buffet und das war für manche „Alte“ einfach nicht möglich. So mussten sie dann auch noch alle oben essen und all das lastete auf den Schultern der Schwestern. Für die wirkliche Pflege und oder Zuwendung blieb immer weniger Zeit und so manche haben dann gekündigt. Also für den Rest noch mehr Arbeit und leider drückte das auch auf die Laune…
    Auch bei noch so gutem Willen der Heim und Pflegeleitung, alles muss finanziert werden und gerade in einem solchen Bereich ist unsere Politik gefragt. Immerhin haben schlaue Leute uns ja schon einmal vorgerechnet, dass die Pflegebedürftigkeit steigt. Alle wissen das und reagiert wird erst, wenn alles zu spät ist.
    Ich erinnere mich an eine Zeit vor vielen Jahren: Da stellte man fest, dass es einen außergewöhnlichen Geburtenratenzuwachs gab. Und, wen würde es nun wundern: 6 (!!!) Jahre später stellte man zu Politiks großem Erstaunen fest, dass tausende von Lehren fehlten…!
    Also, halte durch und : Mit deinem Schachpartner, das tut mir sehr leid. Aber für ihn sicher besser und dieser Spruch stimmt ganz genau.
    LG Hanna

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  2. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass man uns in der noblen Seniorenresidenz, in der ich mal einige Jährchen gearbeitet habe, stets unterschwellig zu drohen pflegte, in etwa so: Wenn ihr nicht spurt und aufmuckt, dann feuern wir euch alle und holen uns Leute von einer Zeitarbeitsfirma. Die meisten von uns waren dann ganz klein mit Hut, nur einige wenige hatten dann noch die Traute (darunter meine Wenigkeit), sich nicht zu ducken, sondern weiterhin gegen den Strom zu schwimmen. 😉

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  3. Ich finde es erschütternd, was sich da in der Pflege tut. Meine Freundin hat vor 2 Jahren das Handtuch geworfen, vielmehr ist sie restlos ausgebrannt durch die Bedingungen in dem Heim, wo sie Jahrzehnte als examinierte Altenpflegerin tätig war.
    Zum Thema Zeitarbeit schreib ich jetzt mal nix, da geht mir nämlich die Hutschnur hoch. Das ist für much moderne Sklaverei ! 😁😁😁😁

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  4. Bleibt allerdings die Frage, warum Personalknappheit nicht mit Anstellungsverhältnissen im eigenen Haus begegnet wird, anstatt sich der ethisch unsäglichen Lohndumping-Realität einer Zeitarbeitsfirma zuzuwenden. Die enge Personaldecke kommt ja weder unerwartet, noch plötzlich.

    Die Motive von Einrichtungen bestehen leider nicht nur darin, personelle Engpässe kurzfristig zu überbrücken, sondern vor allem darin Kosten gering zu halten durch das Einsparen von Lohnnebenkosten.
    Wer auf der Basis von Wiederbesetzungssperren und monatelangem nicht Nachbesetzen offener Stellen agiert, ist Teil des Problems, das allenthalben kritisiert wird. Wer als Arbeitgeber ein solches System unterstützt, stabilisiert es gleichzeitig.

    Bislang sind es v.a. Einrichtungen im öffentlichen Dienst, die Leiharbeit konsequent ablehnen und die Abschaffung fordern. Die Abkehr vom TVöD mag Flexibilität für die Arbeitgeberseite bieten – für BewohnerInnen und Angestellte ist sie allerdings eine Katastrophe.
    Wie es mit kirchlichen Trägern und ihren Tendenzbetrieb-Möglichkeiten aussieht, ist ein eigenes Thema.

    Wie auch immer: viel Glück für mehr personelle Unterstützung in naher Zukunft. Allerdings würde ich persönlich eine Einrichtung ablehnen, die mit Zeitarbeitsfirmen arbeitet.

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