Frau Ga. und der Kleiderschutz

Viele betagte Senioren oder Bewohner mit Behinderung schlabbern beim Essen. Das Besteck wird oft nicht mehr ruhig gehalten. Die Bewegungen sind zittrig. Die Armbewegung von Teller zum Mund fällt schwer.

Da ist es sinnvoll, die Kleidung durch einen Kleiderschutz zu schützen. Das ist im Prinzip ein großes Lätzchen für Erwachsene. Es deckt die ganze Vorderseite des Bewohners ab und wird hinter dem Kopf mit einem Druckknopf geschlossen.

An unserem Tisch im Speisesaal nutzt Frau Ga. so etwas.

Da sie versucht, alles sehr selbstständig zu machen, möchte sie auch ihren Kleiderschutz alleine anziehen, inklusive Schließen des Druckknopfes im Nacken.

Dazu hat sie eine ganz eigene Technik entwickelt. Erst schließt sie den Knopf. Dann stülpt sie sich den Kleiderschutz über den Kopf. Kurzzeitig sieht sie aus, wie ein kleiner Geist.

Wenn sie dann unter dem Stoff wieder auftaucht, strahlt sie stolz und sagt: „Ta-taaa!!!“ 😀

19 Kommentare zu „Frau Ga. und der Kleiderschutz

  1. Wunderbar. Das erinnert mich gerade wieder an meine geliebte Omimi, die mit ihren Seniorenlätzchen auch ganz eigen war.
    https://tonari.wordpress.com/2011/02/28/omas-neuer-schmuck-bei-tisch/
    Sie hat die bunten Lätzchen geliebt und sich immer eines passend zur Kleidung heraus gesucht.
    Die Omimi gibt es nun nur noch in meinem Herzen. Die Lätzchen liegen hier aus sentimentalen Gründen im Schrank und warten auf einen neuen Einsatz.

  2. Man muss sich nur zu helfen wissen… Meine Mutter – inzwischen fast Achtzig – ist auch überaus stolz darauf, dass sie noch so sehr selbständig ist. Sie macht immer noch ihre gesamte Hausarbeit selbst, und lehnt entrüstet ab, wenn man ihr Hilfe anbietet. 😉

  3. berührende geschichte zur selbständigkeit, die offensichtlich vom personal nicht zerstört wird, weil es zu langsam vorwärts gehen könnte. beim lesen deiner geschichte hatte ich unterschwellig immer etwas angst, dass es dazu kommen könnte. zum glück endet sie (die geschichte) gut!

  4. HA! Manchmal glaube ich selber schon, dass es Geister gibt. Meine Ärzte sagten: „Keine Sorge, Sie sind nicht verrückt …“ Dann fragte ich mich, ob es sein könnte, dass SIE verrückt sind. Man weiß es ja nicht.

    Schönen Abend noch, liebe Katrin.

    Liebe Grüße,

    Rom

Kommentar verfassen