Manchmal frisst mich der Neid auf

Es gibt Momente, da kann ich es sehr schwer ertragen, von den ach so tollen Erlebnissen anderer zu hören. Oder zu sehen. Oder zu lesen.

Es frisst mich auf, wenn ich ‚Gesunde‘ sehe, die zur Arbeit gehen und abends wieder nach Hause.

Die ihre ‚eigenen 4 Wände‘ haben.

Die Kinder haben.

Die Auto fahren können, Fahrrad.

Die laufen, joggen, rennen, springen können.

Die Freunde treffen können und nicht überlegen müssen, ob diese Freunde auch ebenerdig wohnen oder einen Aufzug haben.

Dann will ich vor Neid und Eifersucht am liebsten zerspringen, etwas zerstören, etwas kaputt machen.

Dann rase ich mit meinem E-Rolli polternd durch die Gegend, ramme Wände, rase haarscharf an anderen vorbei, knalle Türen.

Bin wütend.

Bin traurig.

Die Tränen fließen nur so.

Die Nase schwillt zu und es ist schwer zu atmen.

Ich bin unendlich unglücklich und traurig und fühle mich doch so hilflos.

Dann sagt man mir: „Es gibt andere hier, die sind viel ärmer dran. Die können sich gar nicht wehren. Sie haben wenigstens Ihren Computer. Ihren Blog.“

Stimmt. Aber geht es mir deshalb besser?

NEIN Vielleicht doch?

Die Wut wütet weiter in mir.

Dazu kommt höchstens, dass ich mich schlecht fühle, dass ich solche Gefühle habe.

Ich habe dann das Gefühl, dass die anderen Verständnis bekommen, mich stören, nerven können. Sie sind ja so arm. Ich soll ertragen.

Dann könnte ich vor Wut platzen.

Und wer versteht mich?

56 Gedanken zu “Manchmal frisst mich der Neid auf

  1. ich denke doch, Katrin, dass jeder das versteht. Nur was hilft es dir? Am Ende musst du trotzdem allein mit deinem Unglück klar kommen. Und versuchen, ein paar Momente des Glücks zu ertrotzen. Und tief durchatmen und hinnehmen. Einen erträglichen Tag wünsche ich, wenn es schon kein schöner sein kann! Gerda

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  2. Liebe Katrin! ICH (meine ich zumindest) auch wenn ich MS technisch noch ein wenig fitter drauf bin… diese Gefühle kennt jeder Betroffene von uns… zumindest wenn immer mehr Einschränkungen, Verluste dazu kommen… Trotzdem: immer weiter und wenn es geht nach VORNE ( kleine Tiefen gestattet)😉 Drücke Dich ganz doll aus der alten Heimat!!! Deine Christine 😘🌟💫⭐️🎄

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  3. Ganz einfach . . ich verstehe dich, du hast ein Recht darauf so zu empfinden !
    Das ist ganz normal und menschlich !
    Es gibt immer andere denen es schlechter geht, das ist das Leben,
    aber gerade, bzw, trotzdem kann und darf man sich mies und elend fühlen.
    Liebe Kathrin, diese Momente gehen vorüber, lass sie raus, das ist in Ordnung.
    Trotzdem möchte ich dir den Link zu einem Blog schicken, deren Schreiberin Sylvia es auch schwer erwischt hat mit ihrem Schicksal.
    Schau doch mal rein bei ihr, sie wird sich sicher freuen, ihr Blog ist noch recht wenig besucht.

    http://sylviaanita.blogspot.de/

    ♥liche Grüße
    Jutta

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  4. Liebe Katrin,
    auch ich verstehe dich gut. Es ist aber richtig, dieses Wutgefühl zuzulassen, denn wenn du das nicht tust, dann verwandelt sich die Wut in Traurigkeit und Resignation und diese Gefühle sind weitaus schwieriger in den Griff zu bekommen. Also, sei wütend, poltere los und zeig ruhig, wie dir zumute ist.
    Ich sende dir eine herzliche Umarmung
    Regina

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  5. Liebe Kathrin,
    ich denke ich verstehe Dich ganz gut, da es mir heute genau so geht. Aber Du darfst Dich so fühlen, Du darfst wütend sein, Du darfst weinen jnd Du darfst auch mal Deinen ganzen Frust raus schreien. Das Leben isf manchmal verdammt ungerecht und Du hast die Krankheit nicht verdient. Aber wir konnten es uns beide nicht aussuchen, also müssen wir versuchen das beste draus zu machen. Zur Aufmunterung sende ich Dir jetzt gleich eine Postkarte 🙂
    Ich drück Dich!

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  6. „Neid“ ist absolut menschlich. Jeder will das was ein anderer hat. Die Jungen wollen alt sein, die Alten jung. Die mit Kinder hätten ab und zu mal ganz gerne keine – die mit Wohnung hätten lieber ein Haus und denen mit Haus ist die Arbeit zu viel.
    Das zu wissen hilft Dir nicht. Aber vielleicht geht es Dir wenigstens etwas besser, wenn Du weißt, dass auch auf Dich jemand neidisch ist.
    Außerdem solltest Du wissen, dass ohne Unzufriedenheit kein Streben zu mehr wachsen kann. Nutze es als Antrieb! Das sollte es biologisch nämlich sein.

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  7. Liebe Katrin,

    ich weiß, wie das ist. Ich kann es mehr verstehen, als manch Anderer. Ich bin kein gläubiger Mensch, ich wünschte, ich könnte an irgendetwas glauben und doch kann ich es nicht. Ich versuche, anderen Menschen zu helfen, denen es noch schlechter geht als mir. Es macht Hoffnung, ich fühle mich gut dabei. Und wenn ich dann sehe, dass meine Hilfe Früchte trägt, dann macht mich das glücklich – wenn auch nur für kurze Zeit. Viele Menschen würden Dir gerne helfen, SEHR viele, davon bin ich überzeugt. Nur wissen sie und auch ich nicht, WIE! Es ist, als würde man gegen eine Macht ankämpfen, die unbesiegbar ist. Und das ist das Problem.

    Wünsche Dir alles Gute,

    Roman

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  8. Liebe Katrin, es ist nur all zu verständlich, dass diese Wut mal raus muss „warum gerade ich“. Als einigermaßen gesunder Mensch steht man dem völlig hilflos gegenüber. Es ist schwer, Trost zuzusprechen, wo es eigentlich keinen gibt. Das einzige, was ich kann, ich kann dir zuhören und deine Wut nachempfinden. Lass sie raus, das erleichtert.

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  9. Ich verstehe dich, Katrin, auch wenn ich deine Krankheit nicht teile und nur schwerlich ermessen kann, was sie bedeutet, was sie alles ausmacht. Ich erspare dir die Einzelheiten, wieso ich es dennoch glaube, deine Wut nachfühlen zu können – auch wenn ich eigene vier Wände, Kinder, wasweißichnicht habe.

    Manchmal muss die Wut raus und das ist gut! Wir müssen es lernen, die Wut in etwas zu verwandeln, das uns Auftrieb geben kann! Die Gefühle sind in Ordnung! Und zu etwas gut.

    Schwer ist nur, sich das einzugestehen. Das weiß ich, soweit es mich selbst betrifft. Ich wünsche dir, dass du die Wut als etwas Gutes nehmen kannst! Zunehmend besser, zunehmend mehr.

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  10. Hallo liebe Katrin, mir geht es auch oft so wie du es geschrieben hast. Und das, obwohl es mir mit der MS besser geht als dir. Ich kann dir also versichern, du bist nicht alleine. Interessant fand ich neulich eine Aussage von der Malu Dreyer. Sie sagte in einer Talkshow „sie leidet nicht unter der MS“. So habe ich auch mal gedacht. Das ist aber schon eine Weile her. Trotzdem würde ich auch nie von „leiden“ sprechen sondern sage immer „MS-Leute“.

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  11. Hallo Katrin,
    ich kann dich verstehen denn mir geht es manchmal auch so. Bei weitem geht es mir nicht so schlecht wie dir und ich lebe mit meinem Mann in einer Wohnung. GsD hat das Haus einen Fahrstuhl denn die Treppen komme ich an schlechten Tagen nicht hoch. Auch ich habe Momente, wenn dann noch meine ehemaligen Kollegen anrufen wo ich richtig wütend werde. Dann kommen diese Fragen, warum ich ?
    Es gibt aber auch Momente an denen ich ganz leise und dankbar bin. Immer wenn ich aus der Akutklinik komme, sage ich zu meinem Mann „mir geht es richtig gut“, im Verhältnis zu den Patienten die ich dort sehe.
    Manchmal träume ich davon wieder arbeiten zu gehen aber es geht leider nicht mehr.

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  12. Schau mal Katrin, wie viele Menschen an dich denken. Ist das nicht schön? Du kannst vieles nicht, aber du kannst Menschen erreichen, die selten über ihren Tellerrand gucken und mit diesem Beitrag hast du ein bisschen Demut in manch einen Kopf gebracht.

    Ich weiß, das hilft dir nicht – du kannst deswegen noch lange nicht wieder laufen und in einer eigenen Wohnung wohnen. Du bist immer noch im Altersheim, junge Leute in deinem Alter sind auf der Straße oder in irgendwelchen Clubs. Oder sie sitzen mit ihren Kindern am Tisch und spielen!

    Katrin, ich kann das so gut nachvollziehen. Ich kann laufen und bin doch festgebunden. Ich möchte dich so gerne einmal kennen lernen.

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  13. Pingback: Demut vs Neid | voller worte

  14. Ich kann Dich voll und ganz verstehen.
    Du hast alles Recht der Welt Dich so zu verhalten, wie Du es tust.
    Es ist ein dummer Spruch „Es gibt noch größeres Leid“
    Dadurch geht es Dir sicherlich nicht besser.
    Wenn ich Dir helfen könnte, würde ich es tun, aber wie????????????

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  15. Liebe Katrin, nein, ich kann mich nicht einreihen in die lange Schlange der Menschen, die Dich verstehen und Dir damit gut tun.
    Ich habe diesen Neid nicht, denn ich weiß, dass es keine Frage von „gut oder böse“ ist, dass ich nicht laufen kann, keine Kinder haben kann, fremde Hände an meinem Körper aushalten muss, schauen muss, ob genug Monat für das Geld vorhanden ist.
    Niemandem wünsche ich meine Krankheit, meine Schmerzen und Symptome.
    Aber – ich kann die Traurigkeit verstehen, dass nicht jeder Tag gleich bunt ist, dass es schlechte Tage gibt und ganz furchbare.
    Und sie dürfen sein, denn es folgen immer wieder auch andere, weil wir es schaffen, uns am eigenen Schopf wieder aus dem Sumpf zu ziehen.
    Vieles geht nicht (mehr), aber wir schaffen es, unser Leben dennoch gut zu gestalten, tun anderen Menschen gut, machen Freude, rütteln auf, informieren, haben Freunde, Menschen, die dennoch kommen, auch wenn vieles doof ist. Und ja, viele sind auch gegangen, können „damit“ nicht umgehen, von manchen erfahren wir wohl nie, warum sie aus unseren Leben gegangen sind.
    Aber wir dürfen auch soviel Gutes sehen, Freundliches erfahren, wir sind sensibler für Stimungen und nehmen Kleinigkeiten eher wahr, erfreuen uns an ihnen.
    Ich kann Dich in vielen Punkten verstehen, aber ich kann Deinen Neid nicht verstehen. Muss ich auch nicht, es gibt soo viele Leser/innen, die das tun können und das widerum tut Dir sicher gut!
    Trotz allem wünsche ich Dir einen guten, lichtvollen zweiten Advent!
    Und auch ich würde Dich gern irgendwann einmal kennenlernen dürfen… 😉

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  16. Liebe Katrin,
    ich denke, jeder kann Dich verstehen. Ob nun Neid, Wut, Traurigkeit – alle Gefühle sind berechtigt, aber keiner von uns kann Dich davon befreien. Geschweige denn von der MS. Natürlich gibt es immer Menschen, denen es schlechter geht. So traurig das auch ist, für Dich kommen dann nur noch Schuldgefühle hinzu. Das ist sicher wenig hilfreich. Und wir schreiben Dir jetzt, lehnen uns zurück und tauchen wieder ab in unser Leben. Das wird den Frust nicht mindern. Noch ist die MS bei meinem Mann stabil, ich bin (noch) gesund. Aber ich kenne das von meiner Mutter, die eine so unglaubliche Traurigkeit durch die MS hatte. Und all die guten Ratschläge, sie soll die Krankheit annehmen usw. Wenn Du nicht laufen kannst, Spastiken hast, deren Schmerzen Dir den Schlaf rauben etc., dann ist das Leben unendlich schwer. Und Neid ist nachvollziehbar. Du bist ja nicht neidisch, weil einer ein größeres Auto hat oder ein tolleres Haus, Du bist neidisch auf elementare Dinge, die allen selbstverständlich scheinen und die Dir genommen sind. Leider kann auch ich Dich nicht trösten, so gern ich das auch tun würde.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  17. Danke für Deine Ehrlichkeit. Ich weiss nicht, ob es Neid ist, oder eher die Sehnsucht. Ich weiss nicht, ob ich dich verstehe, denn dann müsste ich behaupten, dass ich mich in deine Situation hineinversetzen kann. Und das kann ich nicht, denn ich bin einer von denen, die du beneidest. Das Einzige was ich dir sagen kann ist, dass ich Deine Wut, Deine Verzweiflung, Deinen Neid eher verstehe als den Neid derer, die so viel mehr haben als du und doch unzufrieden sind.

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  18. Ich bin etwas spät dran, will es aber trotzdem loswerden.
    Ich finde, du hast das Recht darauf so zu empfinden und es auch rauszulassen.
    Du bist so ein guter Mensch. Und wahrscheinlich ein Lichtblick für viele deiner Mitbewohner. Warum solltest du nicht auch mal an Dich denken und deinen Emotionen freien Lauf lassen.

    Neid oder Eifersucht kenne ich übrigens auch gut..
    Wenn ich Väter & Töchter sehe die ein gutes Verhältnis zueinander haben, überkommt mich dieses Gefühl.
    Manchmal überkommt mich der Neid wenn ich von Mädelsabenden o.ä. lese.
    Ich habe nicht mal eine Freundin. Seitdem ich Mutter bin, bin ich für mich. „Die Freundinnen“ verabschiedeten sich von allein.

    Ich glaube fast jeder hat solche Gefühle manchmal in sich. Und es ist wirklich besser es rauszulassen. 🙂

    Ich schick dir liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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