Wenn wir einmal älter sind

Letztens habe ich mal wieder meine Fantasie spielen lassen. Alles begann damit, dass U. überlegte, wie das wohl sei, in einem Heim unter lauter Altersgenossen (+/- 10 Jahre) zu leben.

„Also… wenn wir zwei 70 sind, dann werden Frau St., Frau Ga. und Frau K. wahrscheinlich oben auf einer Wolke sitzen, herunter schauen, was wir denn so treiben und ihren Spaß haben. 😀 „, meinte ich.

„Und wenn die drei dann Langeweile haben, dann hecken sie bestimmt was aus!“, war ich mir sicher, „Oder sie lachen sich kaputt, lachen Tränen, die dann als salziger Regen auf die Erde fallen“, überlegte ich. Ich kam so langsam richtig in Fahrt.

„Sie sind ja eine richtige Geschichtenerzählerin!“, sagte Frau St. und blickte mich schmunzelnd von der Seite an.

Dann kam der nächste Morgen. Wie immer war ich früh unten. Ich war sogar die erste an meinem Tisch. Einige Zeit später erschien Frau K.. Wir begrüßten uns wie immer:

„Guten Morgen, Frau K.!“, sagte ich wie immer und tätschelte ihren weichen, warmen Arm (mit meinen eiskalten Händen :-/ )

„Guten Morgen, Kati!“, antwortete sie (heute sehr matt).

„Sie haben etwas schief eingeparkt. Sie stehen ziemlich weit weg vom Tisch“, sagte ich zu ihr.

„… Ach… egal..“, murmelte sie.

Ich schaute ihr ins Gesicht und bekam einen Schrecken! „Geht es Ihnen nicht gut?“, fragte ich besorgt.

„… Ach… mir ist heute so komisch, so schwummrig im Kopf…“, sagte sie ganz unglücklich.

Dann ließ sie sich Kaffee eingießen und begann ihre Brote zu schmieren. Sie schaute mich wie ein waidwundes kleines Tier an und wickelte die Brote in Papierservietten.

„Ich werde oben essen“, sagte sie, „Mir ist es nicht gut.“ Sprach’s und manövrierte ihren E-Rolli zwischen den Tischen hindurch zum Aufzug.

Oh je!

Als sie dann auch zum Mittagessen nicht kam, wurde meine Tischgemeinschaft unruhig. Sie fragten mich nach Frau K.. Dann kam E. von der Hauswirtschaft und fragte mich, ob Frau K. zum Essen käme. Alle waren wir sehr besorgt.

Da half nichts; nach dem Essen musste ich zu ihrem Zimmer fahren, um mich nach ihr zu erkundigen. Immerhin ist sie 96 Jahre alt. Da rechnet man mit dem Schlimmsten. 😯

Voll unguter Ahnungen klopfte ich an die Tür. Dann öffnete ich sie vorsichtig.

„Frau K.?  Sind Sie da?… Darf ich rein kommen?“

Sie stand am Regal und kochte sich gerade einen Tee! Ich war so erleichtert! Sie war quicklebendig! Hätte ich gestanden, hätte ich ganz weiche Knie bekommen vor Erleichterung!

Gott sei Dank ist ihr Platz noch nicht auf der Wolke, sondern mitten unter uns!

18 Gedanken zu “Wenn wir einmal älter sind

  1. Ich stelle es mir schrecklich vor, mir solche Gedanken machen zu müssen, gerade nach der sehr gelungenen Geschichte vom Vortag. Aber ja, die Menschen um dich herum sind eben größtenteils viel älter und man muss mit allem rechnen.
    Schön, dass sich in diesem Fall alles als in Ordnung herausgestellt hat! 🙂

    Gefällt 1 Person

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