Früher Straßenbahnfahrer

Wieder habe ich ein Interview mit einem der Bewohner des GTH zum Thema: ‚Beruf früher‘ geführt.

Herr B. ist ein großer, stattlicher Mann mit einer sehr kräftigen Stimme. Sein Geist ist noch sehr wach. Er hat ein sehr gutes Namensgedächtnis, begrüßt alle Bewohner und Angestellten mit Namen. Das fiel mir gleich auf. Ich überlegte, was er wohl früher beruflich gemacht habe. Also fragte ich ihn letztens nach dem Frühstück einfach.

„Herr B., was haben Sie eigentlich früher beruflich gemacht?“, fragte ich laut und deutlich. Er hört nicht mehr so gut.

Eine Pause entstand.

„Also… das ist nicht so einfach… ich bin eigentlich Bäcker… Als ich aus der Schule kam, machte ich eine Lehre als Bäcker. Ich wurde erst Geselle. Dann lernte ich für die Meisterprüfung und wurde Bäcker-Meister.“

Der Betrieb, in dem er gelernt habe, hatte aber schon einen Bäcker-Meister-Nachwuchs, der den Laden einmal übernehmen sollte. Also arbeitete er erst weiter als Angestellter in der alten Backstube. Nach einiger Zeit bekam er ein schreckliches Ekzem an Händen und Armen. Es war das Bäckerekzem. Es ist als Berufskrankheit der Bäcker anerkannt und ist meldepflichtig. Sie wird ausgelöst durch Mehle und Mehlverbesserungsmittel. Damit war also klar: er musste den Beruf wechseln.

Zu der Zeit suchte die Stadt Krefeld Personal für ihre Straßenbahnen. Er fing also erst einmal als Schaffner in einer Straßenbahn an. Er kassierte das Fahrgeld von den Fahrgästen, sagte Haltestellen an, öffnete und schloss Türen.

Nach einem knappen Jahr beförderte man Herrn B. zum Fahrer. Er durchlief eine entsprechende Schulung und durfte dann Straßenbahnen fahren.

Herr B. arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Straßenbahnfahrer. Er liebte seinen Beruf.

15 Gedanken zu “Früher Straßenbahnfahrer

  1. Sehr interessant dein Beitrag, danke dafür. Ich finde, es ist wichtig, dass Heimbewohner auch von ihrem früheren Leben berichten dürfen, schließlich hat jeder mal selbständig gelebt.

    Bei mir gibt es gerade eine Verlosung eines Fotografie-Kalenders, der Planer und Notizbuch zugleich ist. Wenn du oder deine Leser Spaß daran haben, einfach mal vorbeischauen:
    http://foto-paletti.de/allgemein/interview-mit-jana-maenz-und-beatrix-rautenberg-und-verlosung/

    Liebe Grüße
    Nora

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: ‘Beruf früher’ ist eine sehr beliebte Kategorie geworden (Teil 2) | Meine Erlebnisse im Altenheim

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