Mein ‚Kümmer-Gen‘

Irgendwie scheine ich eine Art ‚Kümmer-Gen‘ zu haben. Ich glaube, das habe ich von meinem Vater geerbt.

Schon in der Grundschule hat man mich zur Klassensprecherin gewählt.

Auf dem Gymnasium machten mich die ansonsten durchweg männlichen Schüler des Chemie-LKs zur Kurs-Mutti.

Hier im Heim habe ich meine ‚Schützlinge‘, um die ich mich kümmere, wie den Wurzelsepp oder die Damen an meinem Tisch im Speisesaal.

Letztens strich sich Frau St. mit schmerzvoll verzogener Miene ständig über ihren rechten Ellenbogen.

„Alles in Ordnung?“, fragte ich sie.

„Das tut so weh!“, stöhnte sie.

„Haben Sie sich gestoßen?“, wollte ich wissen.

„Ach!“, jammerte Frau St., „Ich stoße mich doch immer wieder an der doofen Säule!“ Sie zeigte nach rechts wo direkt neben ihrem Platz eine tragende Säule bis an die Decke des Speisesaals geht.

Tische des Speisesaals im GTH feierlich eingedeckt Weihnachten 2014

Tische des Speisesaals im GTH feierlich eingedeckt Weihnachten 2014

Hier sieht man, dass mehrere Säulen die Decke im Speisesaal tragen. Frau St. sitzt direkt neben einer Säule rechts von ihr.

Jetzt begann sie den Ärmel ihrer Bluse hochzukrempeln, um mir ihren Ellenbogen zu zeigen.

AUTSCH, das sah wirklich nicht gut aus!

„Wissen Sie was… ich habe oben noch ein Pflaster von den Pflastern, die ich auf meine offene Stelle am Bein tun musste. Ich fahre eben nach oben, hole es und dann tun wir das da drauf!“, sprach’s und war schon unterwegs!

Kurze Zeit später war ich zurück. Hier meine Ausbeute:

Verbandmaterial

Verbandmaterial

L. von der Hauswirtschaft half mir, als es ans Zuschneiden des Pflasters ging. Dann sagte ich ihr, wie sie es auf die Wunde legen und dann festkleben sollte.

Frau St. schärfte ich ein, dass das Pflaster nun ein paar Tage auf der Wunde verbleiben solle.

So verarztet, sollte sich der Ellenbogen erholen. Außerdem war er geschützt, sollte Frau St. sich erneut stoßen.

L. und ich schauten uns zufrieden an. Frau St. schien ebenfalls froh zu sein. 🙂

13 Gedanken zu “Mein ‚Kümmer-Gen‘

  1. Ich finde es gut, dass du auf diese Weise erste Hilfe leisten konntest!

    Gibt es denn sonst vielleicht die Möglichkeit, Frau St. anders an den Tisch zu setzen, Plätze zu tauschen oder irgendwas? Ansonsten ist das Pflaster halt ja leider nicht mehr als ein Pflaster und das Grundproblem bleibt bestehen.

    Nicht falsch verstehen, ich meine nicht, dass das deine Aufgabe ist, das zu managen (Kümmer-Gen hin oder her). Ich hab mich das halt nur gerade gefragt.

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