Trotzkopf

Enidan7 / pixelio.de

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Trotzköpfchen sagt man ja eher zu trotzigen Kindern. Meine Mutter hatte damals ein Buch: Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden . Das gab sie mir zu lesen, denn ich war ein durchaus trotziges Kind.

Aber es gibt auch trotzige Senioren!

„Sie sind so ein Sturkopf! Ein Trotzkopf!“, rief ich verzweifelt beim Frühstück Frau K. zu. Ich hätte mir vor Hoffnungslosigkeit fast die Haare gerauft!

Seit Freitag ist ihr E-Rolli in der Werkstatt. Da sie keinen Aktiv-Rolli hat, kommt sie zur Zeit mit Rollator schwerfällig in den Speisesaal gehumpelt. Um Hilfe bitten? Nicht Frau K.! Lieber versucht sie alles Mögliche, um allein zu Recht zu kommen. Aber sie ärgert sich schwarz, dass ihr nicht geholfen wird, ihr keine Hilfe angeboten wird. Vor allem, wenn langjährig bekannte Angestellte, die sie in ihr Herz geschlossen hat, nicht ahnen, wie es ihr geht.

„Sie geht einfach an mir vorbei!“, sagt sie entrüstet von der Hauswirtschafterin.

„Sie ist ganz allein für den ganzen Speisesaal zuständig. Sie müssen sie schon ansprechen und sagen, wenn sie Hilfe brauchen“, meinte ich.

Hmpf!„, schnaubt Frau K. entrüstet. Ich konnte die…

Gedankenblase

Gedankenblase

…förmlich sehen, wie sie unheilvoll über ihrem Lockenkopf thronte.

11 Gedanken zu “Trotzkopf

  1. Das ist leider das Bild, das alte Menschen gerne in der Öffentlichkeit hinterlassen. Es scheint so, als ob sie es gewohnt sind, dass alle sich auf sie fokussieren und sich um sie kümmern. Dabei kommen sie selten auf die Idee, von sich aus ihr Begehr anzusprechen. Ein Klassiker ist dabei immer, gerne beobachtet, der Sitzplatz im Bus. Klar kann man anbieten aufzustehen, aber es bricht sich auch keiner einen Zacken aus der Krone, nach dem Sitzplatz zu fragen. Und schon wäre eine unschöne Situation vermieden, denn die meisten Menschen, die ich beobachte, stehen gerne für Senioren auf.

    Was meinst du: ist das der Altersstarrsinn, von dem immer alle Menschen sprechen?

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      • Das war ja nur ein, sicher provokantes, Beispiel. Weitere wären möglich, aber ich glaube, dass ich auch damit falsch verstanden würde. Mir ging es nicht darum zu sagen, dass die alten Menschen selbst Schuld sind, mir ging es darum, dass die Wahrnehmung solcher Dinge, wie du sie beschreibst, in der Öffentlichkeit sicherlich anders liegen würden, als wir sie tagtäglich erleben. Eben in dem Sinne, wie du selber schreibst: „Sie müssen sie schon ansprechen und sagen, wenn sie Hilfe brauchen.“

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      • Sorry, aber nach meinen Erfahrungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehe ich das nicht so. Viele alte Menschen reagieren pampig, wenn ihnen ein Sitzplatz angeboten wird. „Ich sage schon, wenn ich mich setzen will….“
        Ich bin sehr der Meinung, dass alte Menschen um einen Platz bitten können. So viele wollen sich gar nicht setzen, weil sie das wieder Hochkommen beschwerlich finden oder nur 1, 2 Stationen fahren wollen. Ein kleiner Hinweis, dass sie gerne sitzen würden, ist doch kein Drama.

        Sei nicht böse, liebe Kathrin, aber ich reagiere sehr allergisch auf dieses Wertschätzungsding alten Menschen gegenüber. Ich „schulde“ doch niemandem was, nur weil er oder sie alt ist. Meine Wertschätzung ist altersunabhängig. Es gibt sehr liebenswerte alten Menschen und ebenso auch gruselige, die im Bus rumzetern und meckern und gerne auch mal rechtskonservativen Müll von sich geben. Ein hohes Alter ist leider mal so gar kein Kriterium für ein freundliches Wesen.

        Ich biete gerne jedem meinen Platz an, der ihn braucht, aber ich verbringe nicht meine Zeit in öffentlichen Verklehtsmitteln damit, proaktiv zu gucken, wer den Platz dringender braucht als ich. Da lese ich lieber und lasse mich ansprechen und stehe dann auch gerne auf. Höflichkeit steht alten Mensche ebenso gut zu Gesicht, wie jungen. 🙂

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      • Es gibt immer solche und solche. Da ist die Omi, die sich ehrlich freut, wenn man ihr den Platz anbietet. Eine andere Omi, die sich fast schon entrüstet, weil sie soooo alt doch noch gar nicht sei. Und dann war da kürzlich der Opa, der einem Fahrgast fast seinen Schwerbeschädigtenausweis ins Gesicht rammte, weil er sich auf den Platz setzen wollte. Es war wohlgemerkt kein ausgewiesener Behindertenplatz.

        Menschen tun das, was Menschen eben so tun. Egal, wie alt sie sind.

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  2. Es gibt das „um Hilfe bitten“, das „Hilfe annehmen“ und das „Danke sagen“. Und alle drei Dinge sind schwierig. Und wenn man es nicht gelernt und gelebt hat, dann wird es im Alter schwierig bis unmöglich, es dann noch zu ändern. Viele Menschen dürfen sich auch gerne mal fragen, warum andere nicht mehr helfen. Es gibt eine Unsicherheit. „ich sag schon, wenn ich Hilfe brauche“ ist eine Aussage, die einen beim nächsten Mal zögern lässt.
    Das coolste finde ich die „Rollator Rocker“ im Supermarkt, die hinter einem an der Kasse stehen und einem so lange in die Hacken fahren, bis man sie vor lässt. Und dann kein dankbarer Blick oder ein „Danke“.
    Und das allerbeste ist dann, wenn zwei der gleichen Sorte aufeinander treffen.

    Nicht falsch verstehen, ich helfe gerne, und zum grössten Teil funktioniert das Miteinander auch toll. Aber das Wort „Trotzkopf“ ist wirklcih nicht nur bei eineigen Kindern angebracht, sondern auch bei einigen älteren Mitmenschen.

    Aber durch deine Erzählungen kann ich mir die Situation bei euch bildlich vorstellen
    Vielen Dank dafür

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