Ein Besucher in der Nacht

Letzte Nacht, es war ∼ 01.00 Uhr, musste ich klingeln, weil ich zur Toilette musste.

Ich wartete.

Und wartete.

Der Blasendruck stieg.

Ich wartete.

Ich begann schon zu überlegen, ob ich es wagen sollte, allein aufzustehen.

Plötzlich hörte ich, wie sich die Tür vorsichtig öffnete.

„Hallo“, sagte ich… und bekam keine Antwort…

„Hallo?!?

Ich war verwirrt. Normalerweise gibt das Pflegepersonal irgendeine Antwort.

Doch es kam keine Antwort. Ich hörte nur leise, schlurfende Schritte, die immer näher kamen.

Es begann, mir unheimlich zu werden. 😳

Ich knipste die Bettlampe an und richtete mich im Bett etwas auf.

Da bekam ich den Schreck meines Lebens! 😱

Direkt vor mir, sich am Bettgitter festhaltend, stand Frau G.! Sie war in Nachthemd und Pantoffeln, die Haare ganz wirr und verstrubbelt.

„Frau G.!“, sagte ich ganz erschrocken, „Das ist nicht Ihr Zimmer hier! Gehen Sie zurück in Ihr Zimmer! Das hier ist mein Zimmer!“

Sie reagierte nicht, blickte zu Boden, scheuerte mit den Pantoffeln über den Fußboden, hielt sich an meinem Bettgitter fest, als hinge ihr Leben davon ab.

Ich mag Frau G.. Sie kam nach mir ins GTH und baut seitdem rasant ab. Ich unterhalte mich öfters mal mit ihr, streiche über ihre Hände und Arme. Sie ist einfach ein Schatz.

Jetzt stand sie also mitten in der Nacht an meinem Bett.

Ich neigte meinen Kopf ihrem zu, sodass sich unsere Stirnen berührten. Das beruhigte sie. Ich redete ruhig auf sie ein.

Plötzlich entrang sich ein Seufzer aus ihrer Brust: „Ach… es ist alles nicht mehr so wie es mal war…“

In dem Moment war sie ganz klar.

Dann erschien endlich die Nachtschwester. Sie war mit ihrer Kollegin bei einem Bewohner mit MRSA-Keim. Dort müssen sie sich immer ganz mit Schutzkleidung bedecken und nachher ordentlich desinfizieren, damit sie den Keim nicht weitertragen. Daher hatte es so lange gedauert.

Sie brachte also als erstes Frau G. zurück auf ihr Zimmer.

Dann, endlich, war ich dran!

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