Samstagmorgens im Speisesaal

Samstagmorgens ist es im Speisesaal meist noch recht ruhig. Die Bewohner schlafen dann oft etwas länger. Der Tag wird geruhsamer begonnen.

Frau K. und ich sind auch samstags immer früh unten. Für uns beginnt der Samstag dann zuerst einmal mit dem Ausfüllen der Ankreuzfolie für das Mittagessen in zwei Wochen. Ich lese vor. Frau K. setzt die Kreuze. Wir sind auch da ein eingespieltes Team! 🙂

Da es im Speisesaal noch recht leer ist, kann man so einiges hören, was an anderen Tischen gesagt wird.

So beschwerte sich eine Bewohnerin über die ‚Personalpolitik‘ des NEV:

„Warum werden Arbeitsverträge von Pflegekräften nicht verlängert, um sie dann über eine Zeitarbeitsfirma wieder einzustellen?“, fragte Frau K2.

„Es geht, wie immer und überall ums Geld“, sagte eine Angestellte der Hauswirtschaft, „es ist billiger für den NEV die Zeitarbeitsfirma zu bezahlen, als den ganzen Rattenschwanz an zusätzlichen Kosten zu zahlen, die eine Festanstellung mit sich bringt.“

Ob das tatsächlich so ist? Ich kann das nicht beantworten. :-/ Was ich weiß ist, dass die betreffende Pflegekraft von sich aus gekündigt hatte. Da waren andere Gründe im Spiel.

Man kann auch Gespräche von Angestellten untereinander hören. Sie haben es auch nicht immer leicht.

Nach und nach erscheinen auch die anderen Bewohner. Auch unsere Frau S. erschien. Sie war ganz sommerlich gekleidet in kurzärmeliger Bluse. Adrett sah sie aus! Sie wirkte dadurch noch jünger als sonst. Auf keinen Fall wie 90! Als ich ihr das sagte, strahlte sie.

„Tja, der Herrgott hat mir gute Gene mitgegeben“, sagte sie lachend, „es gibt Leute, die werden heute 100 und sind immer noch ganz fit!“

Da wissen wir ja, worauf wir uns bei ihr einzustellen haben. 😀

„Aber dann verlangt man immer auch eine Menge von Ihnen, wenn man meint sie seien jünger und noch so fit“, meinte die Hauswirtschafterin, „ich weiß, wovon ich rede!“

‚Nicht nur sie, ich auch‘, dachte ich, ‚ich sehe auch fitter, vitaler und belastbarer aus, als ich tatsächlich bin.‘ :-/

Zu guter Letzt erschien auch U. im Speisesaal. Sie rollte ganz gemächlich am Büffet entlang und stellte sich ihr Frühstück zusammen. Dann kam sie ganz langsam an unseren Tisch gerollt.

Ich wollte eigentlich schon gehen, wartete dann jedoch, weil sie noch fehlte auf der Ankreuzfolie. Da sie dafür Hilfe benötigt, wartete ich, damit wir den Plan komplett abgeben konnten.

Auch hier zeigt sich, wie unterschiedlich die Menschen sind. Ich habe eigentlich mehr Einschränkungen durch die MS, habe auch eine höhere Pflegestufe. Aber ich bin ein Energiebündel, ein Macher, gehe regelmäßig an meine Grenzen (und leider teilweise auch darüber hinaus). Das hat zur Folge, dass man mir mehr zutraut, ihr jedoch mehr hilft. 😯

Zuletzt hatten wir unseren Plan jedoch komplett ausgefüllt! Yeah!

4 Kommentare zu „Samstagmorgens im Speisesaal

  1. Liebe Katrin, das hast du mal wieder super beschrieben.
    Solche Ruhe vor dem Sturm sollte man immer geniessen, lach.
    Auch ich mute mir zur Zeit zuviel zu.
    Kann keine Strecken mehr gehen ohne Pausen.
    Liebe Grüße Bärbel

  2. Es ist gut, dass du an deine Grenzen gehst, aber bitte nicht all zu oft darüber hinaus. Aber du hast Recht, die Menschen, die so sehr jammern, werden mehr bedauert und denen wird oft auch schneller mal geholfen oder zur Hand gegangen. Trotzdem, liebe Katrin, bleib bei deiner Einstellung. Ich bin der selbe Typ und habe auch ein paar Aua-Typen um mich. 🙂

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