Besuch

Letztens hatten wir im Speisesaal das Thema ‚Besuch‚. Ein Thema, dass nachdenklich stimmte.

Bewohner, die schon länger im Heim wohnen, erzählen traurig: „Als ich einzog, da hatte ich viel Besuch. Jede Woche einmal, manchmal auch mehrmals, besuchten mich meine Verwandten. Nachbarn und Freunde kamen und wollten sehen, wo und wie meine neue Bleibe ist. Teilweise wurde es sogar ZU viel. 😉 Dann wurden aus den wöchentlichen Besuchen monatliche, dann Aufwartungen nur noch vierteljährlich, nach einigen Jahren nur noch Einladungen zu Weihnachten und Geburtstag.“

Hat einer keine eigenen Kinder, hören auch die Einladungen irgendwann auf. Denn die Freunde sind auch alt und dann irgendwann gestorben.

Auch ich, die ich jetzt mittlerweile schon ein Jahr und neun Monate im Heim wohne, bemerke, dass zumindest die Besuche von Nachbarn, dann Freunden nachlassen. :-/

Wie anders ist es da doch noch bei U., die ja erst vor wenigen Wochen hier eingezogen ist. Gut, da gibt es noch viel zu erledigen, zu regeln, Anfangshürden zu überwinden.

Wie wird das wohl, wenn wir mal alt sind? U. hat einen Sohn, zu dem sie aber schon lange keinen Kontakt mehr hat. Ich war nie verheiratet, habe keine Kinder. Wenn meine Eltern irgendwann mal nicht mehr sind, habe ich nur noch meine Schwester und meinen Neffen und Schwager. Eventuell meine Cousine. Meine Tante ist dann eher auch nicht mehr da. Hm… Das macht nachdenklich… bedrückt… Gut, dass man nicht weiß, was die Zukunft bringt!

20 Kommentare zu „Besuch

  1. Hallo Katrin,
    das ist ein schwieriges Thema. Meine Mutter hat auch durch ihre MS-Erkrankung und die Tatsache, dass sie im Rollstuhl saß, die meisten der Freunde verloren. Dafür waren die, denen es nicht zu anstrengend war, sich beim Restaurantbesuch um Rollstuhlkompatibilität zu kümmern, umso treuer. Aber es war schwer zu ertragen für meine Mutter – ohne Frage. Und Familie ist ein ebenso schwieriger Bereich. Und nichts kann man verallgemeinern, aber meine Erfahrung ist, nur weil ein Mensch alt ist, wird er nicht automatisch liebenswert. Und ein Mensch, der sein Leben lang Kinder oder wen auch immer drangsaliert hat, wird leider im Alter oft einsam sein. Aber auch das ist natürlich keine allgemeine Schlussfolgerung. Sicher gibt es Menschen, die ihr Leben lang für andere da sind und wenn sie Hilfe brauchen, ist niemand da. Aber in Situationen der Schwäche eines Menschen kommen leider oft die unausgesprochenen Konflikte aus Jahrzehnten wieder hervor. Das war immer so, denn die früheren Zeiten waren durchaus nicht immer besser. Und: In der jetzigen Zeit jagen ja alle der ewigen Jugend hinterher und 40jährige wollen unbedingt so aussehen wie ihre 18jährige Tochter. Die Konfrontation mit Alter, Krankheit, Leid all das passt nicht in die Welt, in der schon Falten und 5 kg Übergewicht zum Desaster geredet werden.

  2. Hallo Katrin,

    ich glaube, dass man sich an das „ALLEINSEIN“ gewöhnen kann. Nein, nein, ich schließe NICHT von mir auf andere! Wenn ich zu sehr allein bin, werde ich krank. Wenn ich aber zu sehr unter Menschen bin, dann macht mich das auch krank. Du hast Deinen Blog, ich habe meine Storys. Und BEIDES ist anstrengend. Ja, ich weiß, ich hab` gut reden. Ich kann Dich durchaus verstehen,
    man kann nicht aus seiner Haut heraus und deshalb denkt man an die Zukunft, obwohl man sie eigentlich gar nicht wissen will, weil man eben Angst davor hat. Wir sollten LERNEN allein zu sein.
    Es muss nicht alles seine Nachteile haben: Man wird, im Laufe der Zeit, sensibler, empfänglicher.
    Man sieht alles aus einem anderen Blickwinkel, weil eben mehr Zeit zum Nachdenken vorhanden ist. Genaugenommen bleibt uns gar nicht anderes übrig, als das „ALLEINSEIN“ zu lernen. Vielleicht hilft es Dir weiter, wenn Du über die Möglichkeiten des „ALLEINSEINS“ nachdenkst. Z. B.: Gibt es noch andere Dinge, die ich, außer meinem Blog, NOCH machen könnte? Oder könnte ich mit meinem Blog noch etwas anderes verbinden, ohne, dass es mich zu sehr anstrengt? Ich möchte nicht, dass Du mich falsch verstehst, aber es wäre doch irgendwie eine Steigerung Deiner Arbeit, die Dir vielleicht Spaß macht (machen könnte). Versuchen kann man es ja, oder?

    Liebe Grüße,

    Rom

  3. Hi Katrin, zum einen möchte ich mich hier mal als – seit einigen Wochen – bisher stiller Mitleser outen. Dein Blog gefällt mir sehr. Mein Bezug zum Thema Altenheim ist, daß mein Vater seit über zwei Jahren im Altenheim wohnt und ich ein sehr, sehr fleissiger Besucher bin. Dabei beobachte ich so einiges, auch zum Thema Besucher. Deine Beobachtung kann ich daher leider teilen, sowohl bei meinem Vater als auch bei anderen Bewohnern. Offensichtlich ist es für die Besucher am Anfang spannend, eine neue Situation zu erleben, und nach einigen Besuchen wird es langweilig.
    Mit Besuchen kann man eine große Freude auslösen. Es ist nicht notwendig, Geschenke mitzubringen. Einfach mal eine halbe Stunde da sein, zuhören, erzählen, berühren, damit kann man Freude spenden. Sicher ist „Zeit“ heute irgendwie ein knappes Gut. Aber jeder möge auch bedenken, dass er/sie selbst vielleicht auch irgendwann mal in einem Pflegeheim wohnt und nicht vereinsamen möchte.

  4. Ja, das Leben, wie es sein wird, wenn wir älter sind…auch wir haben keine Kinder, die Familie wird dann selbst alt sein, weit weg oder nicht mehr leben. Freunde, ja, aber auch die sind entweder selbst schon krank oder dann auch alt…und auch ich kann sagen, ja, wenn man noch fit ist, mit halten kann, dabei sein kann, dann ist es etwas anderes. Das war schon ein merklicher Einschnitt. Mir geht es auch gut, wenn ich allein sein kann, Ruhe, Meditation, Genuss, das tun zu können, wonach mir ist, im Rahmen des Möglichen…dennoch braucht es auch das Menschliche, das nette Umfeld, das besuchen, besucht werden, Zeit, die gewünscht gemeinsam verbracht wird (nicht allein durch Pflege, fachliche Zuwendungen…) – was wir tun könnten…die Idee, selbst Einladungen auszusprechen, ist eine Schöne. Manchmal hakt sie bei mir, weil ich nicht in der Lage bin, „für Besuch zu putzen ;-)“ (denn sauber ist es schon immer, lach), einzukaufen oder vorzubereiten…wie wäre es denn zum Bespiel mit einem kleinen „Briefe-Netzwerk“? Eine spontane Idee. Schreiben mit der Hand ist ja für einige nicht mehr so leicht, aber es muss ja auch nichts Langes sein…gelbe Post ist einfach noch etwas anderes als Mail-Post. Eine klitzekleine Idee, ob sie passt…? Sonntagsgrüße Dir und Deinen Leser/innen, liebe Katrin!

  5. Besuch:
    Zeit für Jemand zu haben.
    für den Besuchten……. ein geschätztes Geschenk, ein Bezug.
    Für den Besucher………für e.t.w.a.s Zeit zu haben was kein Geld einbringt aber einen großen Gewinn.
    hier wird in unserer Gesellschaft sehr fahrlässig mit alten und kranken Menschen umgegangen.
    Sie jedoch haben etwas getan, angestoßen, bewirkt, Sie werden niemals alleine sein.

  6. hallo Katrin, habe mir eben Frau Mauerhoff in den 3 Filmen angesehen. Bin jetzt erst mal ziemlich angeschlagen. Angeblich soll es ja heute in Demenzheimen/-stationen besser zugehen…
    Aber ich stelle mir den Weg ins totale Vrgessen ziemlich grauselig für den Betroffenen vor!
    Allen ein schönes Wohenende (am besten mit lieben Besuch)!

  7. Das fängt zu Hause schon an, liebe Katrin. Als ich in eine kleinere Wohnung umgezogen bin bekam ich fast jeden Tag Besuch. Jeder wollte sehen, wo und wie ich jetzt wohne. Inzwischen bin ich 7 Jahre in der neuen Wohnung und außer meiner Freundin und ab und zu einer Bekannten kommt niemand mehr zu mir. Aber vielleicht liegt das ja auch ein wenig an mir. Ich sollte mehr Einladungen aussprechen und nicht warten, bis jemand kommt.
    Ihr könnt doch sicher auch einfach mal jemanden zum Kaffee einladen, oder geht das nicht? Allerdings muss ich dazu sagen – wenn man ständig Absagen oder Ausreden bekommt, dann mag man nicht mehr.
    Ich selbst habe außer einer Cousine, zu der ich kaum Kontakt habe, überhaupt keine Verwandten mehr. Aber ich glaube, wäre ich im Heim, dann würden mich doch ein paar Freunde aus meinem Umfeld besuchen – ich hoffe es wenigstens.

  8. Liebe Katrin, das ist wahrlich ein trauriges Thema.
    Es ist wahr, anfangs kommen sie in Scharen, und dann lässt es schnell, zu schnell nach.
    Schlimm ist das. Wie könnte man dem entgegensteuern?
    Hatte jemand im Kreis eine Idee dazu?
    deine Bärbel

    1. Im Haus versuchen die Angestellten mit Freizeitaktivitäten, Singen, Ausflügen (zumindest in den Garten; dort werden sogar die Bewohner von der Wachkoma-Station hingebracht), Konzerten, Besuchen der bettlägrigen Bewohner auf den Zimmern dem ein wenig entgegenzusteuern.

  9. Oh, Besuch…, ja, das ist so ein Thema…..
    Lässt immer mehr nach, auch bei mir. Dabei wohne ich noch zu Hause! Und auch die Kaffeemaschine steht noch an ihrem alten Platz….seit 16 Jahren….
    Aaaber: mit mir kann man ja nichts mehr anfangen….keine Fahrradtouren, kein Wandern, etc….
    Und einfach mal zu mir auf einen Kaffee kommen ist ja so laaangweilig. Da sind scheinbar auch 10 Minuten schon zu viel. Die Leute brauchen Äktschen, sonst könnten sie ja was verpassen…
    Na ja, sind nicht alle so, aber die meisten.
    Und meine beste Freundin kommt schon lange nicht mehr, weil sie nach eigener Aussage meinen Verfall nicht erträgt.
    Ein Glück mit meiner Familie und ein paar wenige Nachbarinnen, auf die ich aber immer zählen kann.
    Tja. So ist das.
    Liebe Katrin, ich wünsche Dir noch ein schönes Wochenende, mit oder ohne Besuch! 😉

    1. Liebe Mimi,
      so wie du es schreibst, ging es mir auch, als ich noch zu Hause war. Ich gönne es den Freunden ja, dass sie ein erfülltes Leben haben, aber für mich klingt das nur noch nach Anstrengung und Stress. Kein Wunder, dass „Burnout“ heute in aller Munde ist und immer häufiger passiert. Wenigstens davor sind wir bewahrt. 😉

  10. Das ist leider die traurige Wahrheit… auch bei uns im MJH in Neukirchen-Vluyn gibt es solche traurigen Wahrheiten…. Frau P. sitzt den ganzen Tag im Foyer und wartet… auf Besucher… sie läuft sehr oft nach vorn auf die Straße und beobachtet den Verkehr, ob vielleicht ein bekanntes Auto kommt? .. und abends war es dann wieder mal nichts mit Besuchern… das ist sehr sehr traurig, aber leider Realität

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