Erkenntnis, die weh tut

Ich bin in letzter Zeit nicht gut drauf.

Ich benehme mich kindisch, launig, ungehörig. 😦

Immer wieder kommt durch den kleinsten Anlass eine riesige Wut in mir hoch.

Sei es, weil man mich zu lange warten lässt, nachdem ich geklingelt habe, weil ich Hilfe benötige. Im Bad nach dem Duschen. Beim Aufstehen nachts, weil ich zur Toilette muss.

Sei es, weil man mich schief anguckt. Weil man sich offensichtlich freut, wenn mir ein Missgeschick passiert. Weil man hinter meinem Rücken über mich herzieht und ich das dann irgendwie erfahre.

Weil man mir das Glas mit Saft zu voll macht und ich dann nicht trinken kann, ohne zu schlabbern.

Weil man mir die letzte Scheibe Brot vor der Nase wegschnappt und nur noch solches übrig bleibt, das ich nicht mag.

Lauter „Kleinigkeiten“, die mir immer wieder vor Augen führen, dass ich auf der Seite der Hilflosen, der Unfähigen stehe.

Das macht mich dann so wütend und so traurig.

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DBP 1994 1729 Der böse Friederich“ von Heinrich Hoffmann – scanned by NobbiP. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Ob es damit zusammen hängt, dass ich immer mehr realisiere, dass ich aus diesem behinderten Zustand nicht mehr so sehr heraus komme, dass ich wieder ein eigenes selbstständiges Leben führen werde?

Diese Erkenntnis ist so hart.

Da es mir nicht mehr so schlecht geht wie vor 1 ½ Jahren, habe ich wieder viel Kraft zu rebellieren. Ich war schon immer ein arger Wüterich. 😐 Aber das ist so anstrengend und bringt eigentlich nichts. *seufz * 😳

Struwwelpeter

33 Gedanken zu “Erkenntnis, die weh tut

  1. Liebe Katrin,

    da muss ich Dir widersprechen! Rebellieren bringt SCHON was. Es reinigt die Seele. Man könnte vieles ändern, aber im Alleingang ist es halt schwer zu bewerkstelligen. Doch wenn man an einer Sache lange genug dranbleibt, dann wird sich auch etwas ändern. Vielleicht nicht viel. Doch es ist ein Anfang. Ein neuer Anfang für DICH! Wünsche Dir viel Kraft!

    LG.,

    Roman

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  2. Hallo Katrin,

    ich bin durch die BRISANT-Sendung vom 07.03.15 auf Deinen Blog aufmerksam geworden. Ich finde Deine Idee zu diesem Blog einfach klasse. Da ich selbst eine Gehbehinderung habe, weiss ich wie Du Dich in den von Dir hier beschriebenen Momenten fühlen musst. Lass Dich von den Tücken und Schwierigkeiten des Alltags nicht entmutigen.

    Herzliche Grüße

    Dieter

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  3. Katrin, das ist nur all zu verständlich. Aber auch ich finde, rebellieren bringt schon etwas und wenn es nur die Seele ein wenig befreit. Auch das Schreiben hier hilft dir sicher ein klein wenig. Warum sollst du dich nicht wehren mit den Möglichkeiten, die dir bleiben? Helfen können wir hier nicht, aber wir können zuhören und mitfühlen. Alles Gute für dich. ♥♥♥

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  4. Wut und Frust sind doch völlig normale Reaktionen. Manchmal finde ich es ja direkt ein bisschen unheimlich wie idyllisch sich bei dir vieles anhört. Wut befreit, Wut ist authentisch, man muss nur aufpassen, dass sie nicht zum Dauerzustand wird, dann tut sie nicht mehr gut.
    Aber, ich finde, dass eine zeitweise wütende Katrin, die sonstige friedliche, freundliche, sanfte Katrin noch besser hervorbringt.
    Ganz herzliche Grüße

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  5. Wut tut gut.
    Alles hinnehmen macht kaputt und verändert auch nichts. Ein Contra hingegen schon. Und Druck ablassen ist wichtig. Gräm dich bloß nicht deswegen!
    Gib aber auch das Hoffen nicht auf. Vielleicht hilft die Schlumpfbrühe ja doch irgendwann, vielleicht gibt es morgen oder übermorgen ein Durchbruch in der Forschung, vielleicht … vielleicht lacht dein Herz, wenn nachher ein Sonnenstrahl deine Seele küsst und dir viele neue Ideen zu deinem großartigen Blogprojekt zuflüstert. Ganz viele Male „vielleicht“, ein sehr tröstliches Wort, das auch meine Tag immer begleitet.
    Ein Augenzwinkern und eine Handvoll „Vielleichts“ ❤
    Ele

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  6. Sie dürfen das auch l e b e n, Ihr Charakter erlaubt es Ihnen.

    Man(n) sitzt hier weit weg, kann nichts tun. Gäbe hierzu doch soviel zu sagen.

    Sie haben bisher so vielen Menschen Freude und auch soviel Hoffnung geschenkt,
    Jetzt dürfen wir Sie mal in den Arm nehmen und versprechen Sie weiterhin zu begleiten.
    Ich schließe mich all den guten Kommentaren an. (bes. von Märchenfrau)
    Schon das ist ein Grund für uns weiter da zu sein.

    Ein Gutes Wochenende für Sie
    Ulrich Hanel

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  7. Liebe Katrin, schrei es raus, schreib es dir von der Seele, das musst du, um es loslassen zu können. Sonst tobt es in dir, belastet dich. ich kann mich den Vorschreibenden nur anschließen: ich bewundere deinen Mut, und finde gerade den rebellischen Ton heute gut. Du musst gar nichts, aber du darfst, auch oft Schönes erleben. Das anderen gar nicht auffallen würde ….Danke fürs mit uns teilen – liebe Grüße von Doris

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  8. Liebe Katrin, ich kann dich sehr verstehen, man muß ab und zu seinen Frust mal los werden. Ich schließ ich den Kommentar von von(Traumfrau) an. Ich hätte es nicht so schön schreiben können!
    Kopf hoch und laß deine Gefühle raus!
    Trozdem noch einen schönen Tag.
    Ich drück dich.♥♥♥

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  9. Ach Katrin das klingt aber gar nicht gut. Das sind alles so Dinge die einem schon fertig machen können. Es ist halt einfach schlimm wenn man auf fremde Hilfe 😱 angewiesen ist. Es ist so schwierig da aufmunternde Worte zu finden. Halt dich tapfer vielleicht wird es ja auch mal wieder besser. Herzliche Grüße

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  10. Liebe Katrin, ja, es ist schlimm manchmal und da Wut zu entwickeln, ist gesund! Und da, wo es sich lohnt, dagegen zu rebellieren, da tu es auch! Auch das ist wichtig! Ja, Du bist eingeschränkt und brauchst in Teilen Hilfe. Und das ist oft doof, ja. 😉 Aber, es ist nicht okay, dann alles zu akzeptieren, was nicht gut läuft. Es ist in Ordnung zu sagen, das und das muss anders/besser laufen, das ist mir wichtig. In anderen Punkten braucht es Kompromisse und Geduld Deinerseits, dieses lernen von Geduld und Langmut ist manchmal schlimmer, weil schwerer, als die ganze Immobilität auszuhalten, so erlebe ich es.
    Also: Wut ist okay, lenke sie in Bahnen, dass sich für Dich das, was geht, zum Vorteil ändert und sieh dazu auch das Schöne, das Gute, das, was immer noch geht, auch, wenn man und Du Hilfe braucht. Sieh all das, was noch und auch wieder geht!
    Sonnen-Strahl-Grüße….

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  11. Es tut weh, so etwas lesen zu müssen. Aber Wut ist auch gut, sie muss raus, sie ist unser Ventil. Wenn Du alles über Dich ergehen lässt und in Dich hinein frisst, so frisst das Deine Seele auf. Mach Deinem Ärger Luft, dann fühlst Du Dich wieder besser und stärker. Zeige, dass Du stark bist und nicht alles hinnimmst.
    Nach dieser schlechten Phase kommt sicher auch wieder eine gute, ich wünsche es Dir.
    Viele Grüße von Kerstin.

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  12. Recht hast Du, liebe Katrin, schrei Deine Wut raus, nicht dass Du noch eine Depri oder ein Magengeschwür bekommst!
    Damit kannst Du zwar Deine blödsinnige MS nicht loswerden, aber Du kannst nach dem Wüten etwas freier atmen.
    Immer nur stark sein kann kein Mensch und das darfst Du auch von Dir selber nicht verlangen. Auch Du darfst ab und an mal traurig sein.
    Sei von ganzem Herzen gegrüßt und umarmt von der ♥ Pauline ❤
    PS: und wenn sie Dir das nächste Mal das Glas zu voll einschenken, schmeiß es doch einfach um …

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  13. Hallo Katrin, ich habe gerade erst von deinem Block erfahren und frage mich ob du schon einmal von der Möglichkeit einer persönlichen Assistenz zu hause gehört hast. Ich weiß das diese Art der Pflege nicht überall in Deutschland bekannt ist oder sich die zuständigen Sozialämter dagegen sträuben aufgrund der hohen Kosten im Vergleich mit einer Heimunterbringung. Im Rhein-Neckar-Kreis und gerade in Heidelberg ist sehr verbreitet. Anbieter hier sind z.B. die Individualhilfe in Heidelberg oder die AWO Rhein-Neckar mit der Abteilung Individuelle Schwerbehinderten Betreuung. Diese Einrichtungen helfen einem auch dabei sich vor Gericht gegen das Sozialamt durchzusetzen. ich bin mir nicht sicher ob ich Dir etwas neues erzähle aber vielleicht hilft es dir ja doch irgendwie weiter. MfG Petra Felbek

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