Schach – 3. Aufeinandertreffen

Gestern Nachmittag traf ich mich zum dritten Mal mit Herrn R. zum Schachspiel.

Ich hatte es bereits am Tag zuvor versucht. Aber ein Bett stand im Flur und versperrte mir den Weg. 🙁

Als ich es gestern wieder versuchte, stand das Bett immer noch da. Es ist wahrscheinlich das Bett von der verstorbenen Frau W., denn ihr ehemaliges Zimmer ist abgesperrt und wird grundgereinigt, bevor ein neuer Bewohner dort einziehen kann.

Aber noch einmal wollte ich nicht die Waffen strecken! Ganz vorsichtig versuchte ich, meinen Rolli zwischen Wand und Bett durchzumogeln. Beim zweiten Versuch klappte es! Ich war durch!

Also klingelte ich an Herrn R.s Tür. Keine Reaktion. Allerdings hörte ich Geräusche von hinter der Tür. Ich klopfte beherzt.

„Ja?! Wer ist denn da???“, bellte Herr R..

„Ich bin’s, Katrin“, sagte ich und rollte langsam ins Zimmer.

Herr R. schaute Fußball und hatte dazu Kopfhörer aufgesetzt. Die setzte er ab, als er mich erkannte. Er strahlte mich an.

„Ich wollte eigentlich fragen, ob sie Lust auf ein Schachspiel hätten… aber Sie schauen Fußball… „, enttäuscht wollte ich schon wieder gehen.

Thomas Peter  / pixelio.de
Thomas Peter / pixelio.de

„Nein, nein! Bleiben Sie ruhig! Das ist nicht so wichtig…“, zeigte er auf den Fernseher, „Schach also? Ist schon lange her, dass wir das letzte Mal spielten.“

Er erhob sich aus seinem Fernsehsessel und bewegte sich zittrig zum Schrank, in dem er das Schachspiel aufbewahrt.

Wir bauten gemeinsam die Figuren auf und das Spiel begann.

Er wies mich auf Fehler hin, die ich machte. Ich wies ihn auf Fehler hin, wenn er etwas übersehen hatte. Ganz fair halfen wir uns gegenseitig.

„Wir spielen ja nicht, um zu gewinnen!“, meinte Herr R..

„Nein, sondern um zu lernen“, gab ich ihm Recht.

Doch nach über einer Stunde hatte ich ihn Schachmatt gesetzt. 🙂

Nun steht es nach vier Spielen also 2 : 2. 😀

11 Kommentare zu „Schach – 3. Aufeinandertreffen

  1. Ulrich Hanel
    Verfolge Ihr Leben mit MS im Altenheim.
    Durch die Sendung Brisant im Fernsehen darf ich Sie kennen.
    Muß noch Ihre vielen Einträge und Erlebnisse lesen.

    Gruß
    Ulrich Hanel

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