Wie man einen Wurzelsepp glücklich macht

Angelika Koch-Schmid  / pixelio.de
Angelika Koch-Schmid / pixelio.de

Am Sonntag sah ich den Wurzelsepp eine Etage tiefer im Wohnzimmer seines WB sitzen. Allein. Vor sich einen Kaffeebecher. Mehr oder weniger bewegungslos.

Da entschloss ich mich, ihn zu besuchen. Ich fuhr mit dem Aufzug auf seinen WB, schaffte es, allein die Tür zu öffnen und in Nullkommanichts war ich an seiner Seite.

Ich fuhr mit meinem E-Rolli direkt neben ihn und streichelte seinen Arm.

„HUCH! WER DA???“, sagte der Wurzelsepp lautstark. Dabei schaute er strikt nach vorne, also nicht zu mir.

„Ich bin’s, Katrin. Schau mich mal an!“, sagte ich, weiter den Arm und seine Hand streichelnd.

Er schaute zwar nicht zu mir herüber, aber seine Gesichtszüge entspannten sich. Er begann die Streicheleinheit zu genießen, das war klar. 😀

„Trink mal einen Schluck Kaffee“, sagte ich, auf den Kaffeebecher zeigend.

Ben Dobrunz  / pixelio.de
Ben Dobrunz / pixelio.de

„Hmpf…“, brummte er. Doch dann griff er nach der Tasse und führte sie zum Mund.

„Wähh!!!“, prustete er und schüttelte sich, „der ist total kalt!“

Na klar, der stand bestimmt schon eine ganze Weile dort. Ich blickte mich um, entdeckte eine Helferin und bat darum, den Kaffee in der Mikrowelle noch einmal etwas aufzuwärmen. Das tat sie dann auch.

Der Wurzelsepp griff erneut nach der Tasse und zuckte zurück. Jetzt war es zu heiß. Ich überzeugte mich davon und meinte dann: „Da müssen wir wohl noch ein wenig kuscheln, bevor der getrunken werden kann.“ Der Wurzelsepp sagte nichts, nahm die Hände zurück und strahlte glückseelig.

Helene Souza  / pixelio.de
Helene Souza / pixelio.de

10 Kommentare zu „Wie man einen Wurzelsepp glücklich macht

  1. Berührungen sind leider noch immer unterschaetzt. Dabei sind sie extrem wertvoll. Dies erfahre täglich neu bei der Arbeit. Eine Hand zum Halten genügt schon häufig, um verängstigte Patienten zu beruhigen. Mit einer kleinen Geste passieren Wunder.
    Schön, wie Du Wurzelsepp auf seinem letzten Abschnitt begleitest. Danke.

    1. Oh Mist….seit ich Schwester.me aufgeschaltet habe, klappt die Verknüpfung zu wordpress nicht. ..bin in der technischen Ebene nicht der Held… Sorry. Unter:
      Schwester.me bin ich noch versteckt;-)
      Wie geht es Dir inzwischen? Die Chemo verdaut? Das letzte Mal hat es doch einige Wochen gedauert…liebe Grüsse Martina

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