Petersburger Schlittenfahrt

Wieder beim Abendbrot an meinem Tisch im Speisesaal: Wir anderen vier waren schon dort. Es fehlte mal wieder Frau M..

Es wurde telefoniert.

Ein Pfleger des Wohnbereichs von Frau M., der erst unten war, um ihr ihre Tabletten zu geben, verschwand wieder nach oben, um sie zu suchen.

Einige Zeit später erschien er wieder mit Frau M. im Rolli und schob sie hurtig zu ihrem Platz.

Dieter Schütz  / pixelio.de
Dieter Schütz / pixelio.de

Frau M. genoss die wilde Fahrt. Sie strahlte und juchzte. 🙂

Endlich war „meine Familie“ also komplett.

Erst hörte und sah ich bekannte Dinge.

Frau M. nahm ihre bedruckte Papierserviette und hielt sie erst sich unter die Augen, dann ihrer Freundin: „Was steht da drauf?“

Frau W. kniff die Augen zusammen und beugte sich tief über die Serviette: „Neukirchener Verzieh… nein… Erziehungsverein steht da.“

„Ach so“, meinte Frau M. lakonisch, „hömma, das is total kalt draußen!“

„Wir haben ja auch Winter!“, sagten wir anderen im Chor.

„Ach… Winter… dann schneit es bestimmt bald“, sinnierte Frau M., „dann können wir Ski fahren… und Schlitten… rodeln…“ verträumt blickte sie mit ihren milchigen Augen in die Runde.
Ich konnte früher Ski fahren!!! Ja!!!„, posaunte sie stolz. Sie biss herzhaft in ihr Wurstbrot.

„Ski bin ich nie gefahren“, sagte ich, „aber Schlitten!“

„Au ja, wir machen eine Schlittenfahrt!“, Frau W. war ganz begeistert.

„Eine Petersburger Schlittenfahrt!“, sagte Frau M. stolz. 🙂

Hermann  / pixelio.de
Hermann / pixelio.de

Toelzer Knabenchor : Petersburger Schlittenfahrt

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