Dunkelheit und Zucker

Vollständig hatten wir uns zum Abendbrot unten im Speisesaal an unserem Tisch eingefunden.

Frau W. und Frau K. waren die ersten. Dann kam ich, um zehn nach sechs, und hatte schon gedacht, ich sei spät. Aber Frau S. kam kurz nach mir und eine ganze Zeit später kam Frau M..

„Ich hab gedacht, es wäre Morgen, es gäbe Frühstück“, sagte sie.

„Das wäre aber ein sehr dunkler Morgen“, sagte ich. (Aber klar, morgens ist mehr Zeit in den Speisesaal zu kommen, zwei Stunden statt einer abends.)

Frau M. drehte sich um und schaute in den Garten hinaus. Draußen war es stockfinster. „Dunkel wars… es ist ein Flüstern…“, deklamierte sie. Irgendwie schienen ihr da mehrere Gedichte durcheinander zu geraten. 😉

Derweil knusperte ihre Freundin fleißig Zuckerwürfel, die auf dem Tisch beim Milch&Zucker-Gedeck waren.

sassi  / pixelio.de
sassi / pixelio.de

*knusper* *knusper* *hust* *HUST*

„Ach, immer der Zucker! Das verschleimt den ganzen Hals! Da muss sie sich nicht wundern, dass sie immer hustet!“, Frau K. schüttelte vorwurfsvoll den Kopf.

Frau W. schob den Zuckertopf weit von sich weg. „Da darf man nicht zu viel von essen! Das macht dick!“, sagte sie.

*hust* *HUST* *HUST* *HUST*

Frau K. schüttelte den Kopf.

Frau W. zog den Zuckertopf wieder verstohlen zu sich heran. Sie mied jeden Blickkontakt. Dann schob sie sich ein weiteres Würfelchen zwischen die Lippen.

Dunkel war’s, der Mond schien helle

Es ist ein Flüstern

Service Gesundheit – Expertenstreit um Zucker – WDR 5

11 Kommentare zu „Dunkelheit und Zucker

  1. Das leidige Thema Zucker 🙂 Meine Schwiegermutter sollte auch abnehmen, hat sie auch ganz langsam im Laufe der Jahre. Aber bei Zucker kann sie sich nicht bremsen. 3 – 4 Stück ein eine kleine Tasse Kaffee, dazu 2 Stück Kuchen. Nein, das bisschen macht doch nichts 🙂
    Viele Grüße von Kerstin.

  2. Oha, Zuckerstück um Zuckerstück.
    Sie muss doch von jeder Mücke gestochen werden, wenn sie so gern Süßes ißt.
    Womöglich haben die anderen dann zu wenig Zucker für ihren Tee oder Kaffee, lach.
    Wieder toll geschrieben.
    Liebe Grüße Bärbel

  3. Gut, dass sie nicht Diabetikerin ist. Ich hatte das Problem mit meinem Mann, Demenz und Diabetiker. Was er sich natürlich nicht mehr merken konnte. Also war der Einfachheit halber nichts süßes im Haus, noch nicht mal Zucker 🙂 Damals habe ich wunderbar abgenommen. (Leider habe ich das inzwischen wieder nachgeholt)

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