Ausgeliefert

Ich fühle mich so hilflos und ausgeliefert der Gnade der anderen. 😡

Heute klingelte ich um 7.20 Uhr (wie eigentlich jeden Morgen). Um 7.40 Uhr kam dann endlich eine Pflegerin. 😮 Sie hatte gehört, dass es bei mir schon seit längerem schellte. Sie war eigentlich nicht für mich eingeteilt. Aber sie hatte Erbarmen.

Sie brachte mich ins Bad und auf die Toilette. Ich sollte erneut schellen, wenn ich fertig sei. Dann war sie weg.

Da ich eh froh war, endlich auf dem WC zu sein, ging es auch flott und ich konnte erneut läuten.

Keiner kam.

Gott-sei-Dank bin ich nicht mehr ganz so hilflos. Also schaffte ich es, selbst vom WC wieder auf den Toiletten/Duschstuhl zu kommen und begann selbstständig, so weit ich es konnte, alles für das Duschen vorzubereiten.

Nach einer langen Zeit kam die Helferin, die mich schon mal erlöst hatte. Sie machte dann alles so weit fertig, dass ich mit dem Duschen anfangen konnte.

Als ich fertig war, schellte ich wieder, ließ mir dann Zeit mit Abtrocknen so weit ich selber konnte, Deo, Gesicht eincremen… und wartete wieder. 😡

Es passierte nichts. 👿

Mittlerweile war ich schon fast komplett luftgetrocknet.

Also beschloss ich, schon mal mit dem Haarefönen anzufangen. Gott-sei-Dank kriege ich das mittlerweile einigermaßen selbstständig hin.

Ich war gerade fertig, da erschien tatsächlich die Pflegehelferin, die mir eigentlich zugeteilt war. Es war eine Kraft von der Zeitarbeitsfirma. Sie schien komplett überfordert. Letztendlich musste ich ihr sagen, wie sie den Klingelalarm wieder abstellen konnte, wie sie mir helfen sollte, was sie mit mir machen sollte.

Dann musste ich erneut klingeln, weil sie vergessen hatte, meine Medikamente mitzubringen.

Sie holte die Dosette und wollte mir nur die Tabletten für morgens geben – und die waren noch nicht mal vollständig. 😡

Sie durfte jedoch nicht an den Medikamentenschrank, um sie zu holen. 😦

Als ich dann sehr spät unten im Speisesaal zum Frühstück erschien, war das Buffet schon komplett abgegrast. Ein Körnerbrötchen war noch da. Das war aber nicht aufgeschnitten. Kein Obst war mehr da.

Und dann kam noch der BuFDi und meinte nur, ich solle eine Beschwerde schreiben.

Da war es um meine Beherrschung geschehen!

„Dafür müsste ich ja schreiben können!“

Voller Wut über meine hilflose, ausgelieferte Lage schmiss ich das Glas mit meinem MaltoCal19 quer durch den Saal. Trotzig. Kindisch. 😦

Es zerschellte in viele, kleine Glassplitter, die sich im ganzen Saal verteilten. Das Pulver landete überall. Eine riesengroße Sauerei!

Ich hasste meine Situation.

Ich hasste mich!

Dafür konnte eigentlich keiner wirklich was. Aber dieses Gefühl der Machtlosigkeit (ich kann mir nicht mal selbst ein Brötchen aufschneiden!), der Hilflosigkeit ist manchmal soooooo schwer zu ertragen!!!

Das Personal machte sich stumm an die Aufräumarbeiten. Keiner schimpfte mit mir. Alle waren sehr nett!

DANKE!

19 Gedanken zu “Ausgeliefert

  1. Die Wut musste einfach raus und dafür hatte das Personal Verständnis. Es tut mir so leid für dich. Dieses Ohnmachtsgefühl, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, muss schlimm sein. Es fehlt einfach an geschultem Personal in den Heimen. Jeder weiß das und keiner macht etwas dagegen – es ist zum verzweifeln. Ich hoffe so sehr für dich, dass es morgen früh wieder besser läuft und du in Ruhe frühstücken kannst.

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  2. Weißt du Katrin, das ist richtig richtig doof. Umso blöder ist es, dass du selber noch klingeln und dir ein einigermaßen helfen kannst. Meine Junioren können das nicht. So bist du auf anderer Leute Hilfe angewiesen und ja auch deswegen im Wohnheim. Die Bedingungen stimmen nicht, der Mensch wird zur Ware, soll berechenbar werden und möglichst immer zur gleichen Zeit aufs Klo (z.B.) – automatisiert! Aber ein Mensch ist keine Maschine und würdelos und genau die Würde bleibt auf der Strecke. Wir brauchen mehr Bezahlung und Anerkennung für die Pflegeberufe, dann engagieren diese sich auch besser. Keine Aushilfskräfte für Menschen am Rand der Gesellschaft – die besten Leute sollten es sein, ein freundliches normales fröhliches Miteinander und kein stundenlanges Warten bis mal jemand kommt, der grad Zeit hat zu helfen…

    Deine Wut und Verzweiflung kann ich nur zu gut verstehen. Mein Sohn macht das noch rabiater, als du – er kotzt seinen Frust mir und denen, die ihn unbehagen vor die Füße!

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  3. Was Du erlebst ist Gewalt! Bitte versuche, Dich NICHT zu hassen! Du hast wunderbar NORMAL reagiert! Was sagt der Heimbeirat dazu? Oder die Heimaufsicht? Oder Deine Regionalgruppe der dmsg? Hast Du Angehörige, die für Dich eintreten und sch um Dich kümmern können? Oder sonst eine Vertrauensperson?

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      • Dann bitte unbedingt im Heimbeirat ansprechen! Und was sagt die Heimleitung? Ich würde trotzdem auf die dmsg zugehen! In Ba-Wü ist das die AMSEL, die lösen sich nicht auf! Schau mal rein! Und was ist mit Deiner Schwester? Hast Du jemandem eine Vollmacht gegeben? Vielleicht kannst Du über Deinen Pflegestützpunkt eine Selbsthilfegruppe finden? Schau Dich mal beim Zentrum für Qualität in der Pflege um (ZQO, einfach googeln) Die haben eine Seite zur Gewalt in der Pflege! Nur Mut! Toll, dass Du diesen Blog betreibst! Erhebe Deine Stimme!Beste Grüße, Barbara Riethmüler

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  4. Hallo Katrin, ich lese Dich heute erst spät. Das, was Du erlebt hast, ist schlimm. Und es ist okay, dass Du darauf auch reagiert hast. Es hilft nicht in der Situation, in der Du Dich persönlich und der sich die Pflege als solches befindet – aber es war ein zum Ausdruck bringen Deiner Empfindungen. Ich kann die erlebte und empfundene Fremd-Bestimmung sehr nachfühlen und auch dadurch wird es Dir nicht besser gehen, denn ich kann nichts daran verändern, doch das Gefühl, in der erlebten Machtlosigkeit und Fremdbestimmung nicht allein zu sein, kann vielleicht auf eine Art stärken, wenn sie auch nicht den Alltag und das Erleben verändert. Sich ausgeliefert zu fühlen kennen vermutlich die meisten Menschen, irgendwie. Ich war heute wieder beim Zahnarzt – das ist ein Beispiel, welches viele nachempfinden können. Die Fremdbestimmung oder vielleicht auch das warten müssen auf Hilfe, die begrenzte Zeit, die wenn, dann zur Verfügung steht, all das ist Alltag für Dich (und viele andere) und sehr unschön. Leider gibt es wenig Alternativen, ich denke da an die 24 Stunden Betreuung zu Hause durch z.B. osteuropäische Pflegekräfte oder auch an das Arbeitgeber-Modell, welches Assistenzen zu Hause vorsieht, alles aber hat auch Haken und Schwierigkeiten und ist keiner breiten Masse auf einfachem Wege zugänglich. Und auch bei diesen Angeboten bleibt das Empfinden, fremde Hände zu benötigen, nicht alles (mehr) alleine zu schaffen. Je besser die Hilfe/die Unterstützung funktioniert, um so weniger fühlt man diesen Umstand, so erlebe ich es. Und da, wo es zwar „all-täglich“ recht gut läuft, bringen Wechsel/Fremdfirmen, etc. das zarte Gefüge schnell ins wanken.
    Schließlich liegt es sicherlich auch an der Tagesform und -Stimmung, wie man mit einer solch schwierigen Lage zu schaffen umgeht. „Flapsige“ Kommentare helfen da meist wenig, auch, wenn sie oft selbst Ausdruck dessen sind, dass die Lage selbst als schwierig bekannt ist.

    Keine Hilfe, aber vielleicht einen Ort, wo Menschen auch verstehen (können), mag ich hier her schreiben, falls ein solcher Austausch etwas ist, woran Dir liegt, ansonsten bitte gern auch löschen oder mir mitteilen, dass es nicht erwünscht ist, ja? 🙂 Ich kenne das „Elternpflegeforum“ als guten, hilfreichen Ort.

    Katrin, ein langer Kommentar, ich wünsche Dir, dass es in den kommenden Tagen besser läuft und sollte es das nicht, würde auch ich in Erwägung ziehen, mit der PDL oder der Heimleitung darüber ins Gespräch zu kommen und nach Abhilfe zu suchen sowie das Anliegen mit in die Heimbeiratssitzung nehmen.
    Es ist schön, dass über Deinen Blog und auch über Themen, die persönlich schwierig sind (Würde, Fremdbestimmung, Abhängigkeit,…) hier Kontakte entstehen, auch, wenn Du es bist, die daran zu tragen hat, so bist Du nicht allein mit Deinen Gefühlen und mit der Wut, die berechtigterweise entsteht.
    Viele Grüße!

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