Händchenhalten

Immer wieder stelle ich fest, wir leben hier zwar in einer Art Enklave, im Heim, aber die Nöte, Sorgen, Freuden sind keine anderen als in der Welt draußen.

Obwohl es noch nicht November ist, der graue, traurige Nebelmonat mit den vielen traurigen Feiertagen, merkt man, dass der goldene Oktober sich dem Ende entgegen neigt.

Die Tage werden kürzer, das Licht knapper, die Temperaturen fallen. Genau so scheint es mit der Stimmung vieler Bewohner zu sein. Trauer und Kummer sind häufiger anzutreffen.

uschi dreiucker  / pixelio.de
uschi dreiucker / pixelio.de

Gestern Nachmittag rollte ich auf dem Wohnbereich zum Gemeinschaftsraum auf der Suche nach Gesellschaft.

Im Gemeinschaftsraum saßen einige Bewohner, tranken Kaffee oder Saft und spielten mit einer Alltagsbetreuerin ein Ratespiel.

Frau D. krakelte mal wieder lautstark und missmutig herum. Sie ist manisch-depressiv und teilweise sehr anstrengend.

Frau G. saß alleine an einem Tischchen, zusammengesunken, fröstelnd, trank Kaffee, rieb sich permanet die Hände.

Ich mag Frau G. gut leiden. Also fuhr ich zu ihr an den Tisch und streichelte ihren Arm, ihre Hand. Sie schaute auf.

„Heute habe ich ganz warme Hände!“, sagte ich.

Frau G. hat immer kalte Hände. Ihr ist immer kalt.

Ich nahm ihre Hände in meine und strich beruhigend darüber.

Frau G. strahlte mich an. Dann hielt sie meine Hand fest und ließ sie sie nächsten 20 Minuten nicht mehr los.

sokaeiko  / pixelio.de
sokaeiko / pixelio.de

Wir „unterhielten“ uns… über die gelbe Limonade auf dem Nachbartisch, über sie nackten Beine des Pflegers, der Bermuda-Shorts trug, über alles und nichts.

Frau G. klagte mir ihr Leid und ich sagte: „Wir sind ja zu zweit. Gemeinsam sind wir stark!“, und Frau G. strahlte mich an.

Es tat nicht nur Frau G. gut, Händchen zu halten. Ich genoss es auch. 🙂

Sicherheit und Wärme, Hilfe und Zuwendung zu geben, wird auch im GTH geleistet. Trotzdem freuen sich die Bewohner immer über zusätzliche Streicheleinheiten, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne.

Und man bekommt so viel zurück! Leuchtende Augen, Dankbarkeit, Wärme. Es macht einfach glücklich – auf beiden Seiten!

Wer noch eine sinnvolle, zufrieden machende Aufgabe sucht, der schaue sich mal folgende Links an:

Sozialpraktikum
für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 – 9 oder an
Gesamtschulen und Gymnasien auch der Jahrgangsstufe 11

Bundesfreiwilligendienst
für Frauen und Männer jeden Alters

2 Kommentare zu „Händchenhalten

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