Revolte im Speisesaal

Seit Jahren gibt es samtagabends Bier zur Auswahl als Getränk beim Abendbrot, Alt oder Pils, mit oder ohne Alkohol und Malzbier, zusätzlich zum üblichen Tee oder Wasser.

Das ist sehr beliebt und viele freuen sich deshalb schon auf den Samstagabend.

Ebenso Usus war es bisher, dass man sich ein oder zwei Flaschen mit nach oben aufs Zimmer nehmen durfte. Immerhin haben wir ja einen Minikühlschrank auf den Zimmern.

Und jetzt heute das:

Order „von oben“: Bier darf nicht mehr mit auf die Zimmer genommen werden. Bier unten trinken ja, Bier mitnehmen nein.

Begründung: Unfallgefahr

Das löste einen Sturm der Entrüstung aus!

„Das war jahrelang erlaubt!“

„Da ist bei mir noch nie was passiert!“

„Das darf doch nicht wahr sein!“

„Immer wieder was Neues…“

Wut kochte hoch. Verständnisloses Kopfschütteln allenthalben. Die Reaktionen schwankten zwischen Ärger und Ergebenheit ins Schicksal.

Irgendwie kann ich beide Seiten verstehen. Ich trinke schließlich auch gerne abends mein Bierchen. Und als berufstätige Apothekerin musste ich auch die Kunden oft vertrösten: „Das gibt es leider nur auf Rezept.“ Die Regeln.

Man kann die Bewohner verstehen, dass sie sich mal wieder als „unmündige Kinder“ behandelt fühlen und das furchtbar finden. Früher konnten sie einfach selber ins Geschäft gehen und sich kaufen, was der Geldbeutel hergab. Jetzt sind sie nur noch auf die „Gnade“ des Personals angewiesen.

Doch die Leute der Hauswirtschaft taten mir auch Leid. Die Überbringer schlechter Nachrichten werden nie gemocht.

Und ja, die Order macht schon Sinn. Die Unfallgefahr ist da. Es heißt ja nicht, dass wir nicht an Bierflaschen kommen können. Auf jedem Wohnbereich gibt es eine eigene kleine Küche. Dort kann man seine Wünsche anmelden und man ist bemüht, sie zu erfüllen. Dann werden einem die Getränke ins Zimmer gebracht.

Aber wieder wird man Bittsteller. Und das fühlt sich so entwürdigend an!

Es ist nicht leicht zu ertragen, krank und / oder alt zu sein!

Würdelos Altern bis in den Tod

Überbringer der schlechten Botschaft

4 Kommentare zu „Revolte im Speisesaal

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