Ein Freudenhaus

Bordellszene im 16. Jahrhundert (Braunschweiger Monogrammist, 1537)
Bordellszene im 16. Jahrhundert (Braunschweiger Monogrammist, 1537)

Als ich gestern Mittag in den Speisesaal kam, war mein Tisch schon voll besetzt. Die Laune schien ausgezeichnet, denn lautes Gelächter schallte mir schon am Eingang entgegen. 😀

„Ach“, japste Frau K., „die ist wieder in Hochform!“ Sie zeigte auf Frau W.

Und tatsächlich. Frau W. unterhielt den ganzen Tisch.

„Was ist das hier für ein Haus? Ich glaube, da wohnen alte… ehm… ältere Menschen.“ Sie sprach wie eine Besucherin von außerhalb, nicht wie eine Bewohnerin des Heims. „Das ist toll, dass es so etwas gibt!“

Wir mussten lachen, dass sie, die Bewohnerin, von ihrem Zuhause sprach wie jemand, der zum ersten Mal ein Altenheim sieht. Wir schauten uns kichernd an.

„Was ist das für ein Haus?“, fragte Frau W. wieder. Gelächter klang ihr entgegen und sie lachte herzhaft mit.

Das brachte mich auf eine Idee: „Das ist wohl ein Freudenhaus“, meinte ich spitzbübisch. Lauthals ertönte das Gelächter. 😀

„Was ist los?“, fragte Frau M., die ja schlecht hören kann, das Gelächter aber sehr wohl mitbekam.

„Ein Freudenhaus!!!“, japste Frau S. Sie lachte Tränen und amüsierte sich köstlich.

Unser Tisch ist doch mit Abstand der lebhafteste, lauteste, lustigste im ganzen Speisesaal!

Ich liebe meine ‚Familie‘! <3

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