Ersatzteillager

Wenn man älter wird, merkt man schon die ersten Vorboten. Wenn man alt wird, merkt man es ganz deutlich. Man hat diverse Zipperlein. Heutzutage kann man gegen viele etwas tun. Das fängt an mit den ganzen Medikamenten, die die einzelnen Fehlfunktionen ausgleichen und geht über zu den verschiedenen ‚Ersatzteilen‘: Brille, Gebiss, Hörgerät, Prothese, Rollstuhl… Man braucht also ein regelrechtes ‚Ersatzteillager‘. Wenn da einmal etwas nicht funktioniert, siehe meinen letzten Beitrag vom 24. Juni 2014: Der Wurzelsepp und „Das Glas“, ist alles in heller Aufregung.

Es ist zum Haare raufen, wenn gleich reihenweise mehrere Hilfen ausfallen. Das erlebte der Wurzelsepp am Tag nach der Brillenreparatur. Als ich gestern Morgen zum Frühstück in den Speisesaal kam, saß er schon an seinem Platz. Voller Spannung rollte ich zu ihm und strich ihm über den Arm. Sein Kopf bewegte sich ruckartig in meine Richtung. Ich sah sofort, dass seine Brille wieder heil war. So gratulierte ich ihm, dass er nun wieder alles sehen konnte. Doch er blickte mich unglücklich und verloren an.

„Nichts ist gut. Jetzt ist schon das nächste kaputt! Ich kann nichts hören!!! Die Batterien sind leer!!!“

Oh je! Wie unglücklich er aussah! Ganz laut und ganz nah an seinem Ohr fragte ich: „Haben Sie denn neue Batterien?“

„Ja! Aber die sind oben!!!“

‚Oh Drama!‘, dachte ich und musste schmunzeln. 😉

„Du gehst jetzt am besten“, sagte er zu mir, und winkte mich weg. Irgendwie ist er total niedlich, wenn er so gramgebeugt und unglücklich ist wegen so einer Kleinigkeit.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hoergeraet_analog_050609.jpg#mediaviewer/Datei:Hoergeraet_analog_050609.jpg
Hörgerät analog

Also ging ich erst einmal an meinen Platz und frühstückte in Ruhe. Als ich fertig war, saß der Wurzelsepp immer noch unglücklich an seinem Platz. Ich fuhr zu ihm hin. Er blickte wirr hoch. Ich sagte laut: „Sollen wir hoch gehen?“

Ja, das wollte er. Etwas hektisch stand er auf.

„Der Stock!“, rief ich laut und zeigte unter den Tisch. Dort lag er nämlich.

Behände bückte er sich und angelte nach dem Stock. Dann konnte es los gehen.

Oben angekommen, gingen wir langsam zu seinem recht weit den Gang hinunter liegenden Zimmer. Immer wieder hielt ich Ausschau nach einem Pfleger, der dem Wurzelsepp mit dem Hörgerät behilflich sein könnte. Kurz vor seinem Zimmer trafen wir Pfleger D. Wunderbar! Er mag den Wurzelsepp und hat die richtige Art, mit ihm umzugehen. Ich verließ die beiden und sie machten sich gemeinsam an die Arbeit.

Men At Work

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