Neue Geschichten vom halsstarrigen Senior

Mein „Sorgenkind“ sorgt mal wieder für Blog-Stoff! Er ist einfach unglaublich… halsstarrig… liebenswert… *seufz*

Gestern wurde er von einer Pflegerin in den Speisesaal gebracht. Er hatte sich bei ihr eingehakt, sie stützte ihn. Als er dann am Tisch Platz genommen hatte, sprach sie eindrücklich mit den Tischgenossinnen, dass angerufen werden solle, wenn er fertig sei. Dann würde ein Pfleger kommen und ihn nach oben begleiten. Er solle auf keinen Fall alleine kommen!

Nun ja… so weit die Theorie…

Ich rollte, als ich mit dem Essen fertig war, zu seinem Tisch. Er aß noch, war aber fast fertig. Er aß also, ich saß (Wache *g*). Kaum war er fertig, blickte er schon unruhig umher…

„Jetzt muss jemand anrufen!“, meinte er lautstark.

„Ich werde mal sehen, dass ich jemanden finde“, sagte ich und rollte flugs zur Spülküche, da dort jemanden zu finden am wahrscheinlichsten war. So war es auch. Umgehend wurde angerufen.

Jetzt hieß es also: warten. Nicht gerade eine der leichtesten Aufgaben für meinen Wurzelsepp.

Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl hin und her, warf unruhige Blicke durch den Saal. „Jetzt kommt keiner!“, meinte er griesgrämig.

Also versuchte ich ihn abzulenken, ihn in ein Gespräch zu verwickeln… auch nicht gerade eine einfache Aufgabe (für mich), denn er ist schwerhörig und je erregter er wurde, desto schwerer war es. Bald unterhielten wir den ganzen Speisesaal. Auf meiner Suche nach einem Thema, das ihn fesseln könnte (und mich so-wie-so brennend interessierte) fragte ich ihn: „Wie alt sind Sie eigentlich?“

Nachdem er die Frage endlich verstanden hatte (ich war notgedrungen immer lauter geworden, das „Publikum“ spitzte mittlerweile gespannt die Ohren *g*) donnerte er: „WER WILL DAS WISSEN?“

„Ich“, sagte ich.

„DAS IST GEHEIM!“

Pause. Gespitzte Ohren allenthalben.

„94“, brummelte er sich in seinen Almöhi-Bart.

„Was hat er gesagt?“, tuschelte das Publikum. „94!“ „Oh! Dann ist er ja 10 Jahre älter als wir!“, meinte eine Dame, einen Tisch weiter. Ein Raunen ging durch den Saal.

„DAS SAG ICH ABER NICHT!“ sagte er mit Bestimmtheit und im Saal brach schallendes Gelächter aus. 😀

Doch dann hielt ihn nichts mehr zurück. Wir warteten mittlerweile eine Viertelstunde. Er versuchte, aufzustehen.

„HINSETZEN!!!“ donnerte seine Tischnachbarin. „Es kommt gleich einer!“

Ich meinte: „Wir haben es doch nicht eilig.“

„Ich schon!“, sagte er und schon stand er.

Oh je, oh je. Er wankte. Ich bewegte mich nicht, um ihn nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dann rollte ich ganz vorsichtig um ihn herum und er  stützte sich bei mir am Rolli ab. In der anderen Hand den Stock, ging er ganz langsam aber zielstrebig zum Aufzug. Gott-sei-Dank kam der schnell und so waren wir schnell oben auf seiner Etage. Dann begann der lange Marsch den Gang hinunter zu seinem Zimmer.

Endlich hatten wir es geschafft! Ich war so erleichtert und geschafft. Er freute sich wie ein Schuljunge. 😀

Man, man, man… da macht man was mit im Altenheim…!

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