Lebensmut (2)

Oh je… heute war mein kleiner Wurzelsepp gar nicht gut drauf… Zum Mittagessen blieb sein Platz leer… Ich machte mir schon Sorgen… Als er dann heute Abend wieder zum Abendbrot erschien, war ich richtig erleichtert!
Das sagte ich ihm auch. Ebenso, dass ich mir Sorgen gemacht hatte, weil er mittags nicht da war.

Er meinte nur grießgrämig: „Es geht zu Ende… lange mache ich nicht mehr…“

Ich fragte anteilnahmsvoll: „Haben Sie Schmerzen? Tut das Bein wieder weh?“

Er grummelte: „Nein. Überhaupt nicht. Ich will nur nicht mehr… “

Ich tätschelte seine Hand, wechselte vom Sie zum Du, versuchte ihn aufzuheitern.
„Ach, lass mich alleine,“ sagte er „du warst mir eine große Hilfe… aber ich will nicht mehgr! Geh!“

Ich rollte also bedrückt zu meinem Platz, um zu Abend zu essen. Herrje, umgab ihn mal wieder eine dichte schwarze Wolke…

Auf dem Rückweg rollte ich wieder zu seinem Tisch, machte Halt an seinem Platz. Er sah so Gram gebeugt aus. Da griff er nach meiner Hand und redete Worte, als wolle er sich endgültig von mir verabschieden.

„Ich will nicht mehr! Es ist vorbei. Es ist aus. Ich gehe!“

Darauf ich: „Das geht nicht! Was soll ich denn hier ohne dich machen?! Ich
brauch dich doch noch!“

Er antwortete traurig: „Du bist lieb. Danke für alles, was du für mich getan hast! … “

Ich sagte das, was eine Mutter ihrem Kind wohl sagt: „Morgen sieht alles schon ganz anders aus. … Du wirst schon sehen!“

Er streichelte die ganze Zeit meine Hand, sagte: „Tschüss!“

Ich streichelte seine, sagte: „Jetzt musst du aber was essen!“ und ließ seine Hand los.

Darauf er: „Tschüss!!“

Ich: „Ich bleibe noch etwas hier sitzen…“

Ich zog den Stuhl von seinem unbesetzten Nachbarplatz heraus, etwas unbeholfen, da ich für solche Tätigkeiten nur noch meiner linken Hand traue und links ja auch die Steuerung für den E-Rolli ist. Aber irgendwann klappte es.

Er aß. Ich saß.

Dann nahm er wieder meine Hand und sagte: „Danke. … Bis morgen.“

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