Lebensmut

Manchmal bin ich auch ein Lebensmut-Spender. In einem Altenheim wohnen hauptsächlich Menschen in den letzten Jahren, Monaten, Tagen ihres Lebens. Das ist vielen auch immer wieder sehr bewusst. So überschattet den ein oder anderen Bewohner schon einmal eine gewisse Melancholie.

Auf meinem Weg durch den Speisesaal zu meinem Platz kam ich eines Tages an einem wahren „Häufchen Elend“ vorbei. Es war ein Senior, der nach mir hier eingezogen ist und mir schon ein paar Mal aufgefallen war. Er marschiert energisch mit seinem Stock durch Haus und Garten und tut oft lautstark seinen Unmut mit allem möglichen kund. Er hadert sehr damit, dass er nun in einem Altenheim gelandet ist (er mit seinen ca. 90 (?) Jahren… was soll ich da sagen 😉 ). Er hat wohl früher ein sehr aktives Leben geführt, ist viel wandern gewesen.

Ich fragte: „Wie geht es Ihnen?“
Er: „Beschi….! Na ja, lange geht das eh nicht mehr mit mir. Bald ist es vorbei… “
Man konnte die grauen Wolken förmlich sehen, die seinen Kopf mit noch sehr reichhaltigem, grau-weißem Haarwuchs bedeckt, umkreisten. Dazu sein dichter Bart lassen ihn aussehen wie ein Almöhi oder Wurzelsepp. 😀
„Wie?!“ sagte ich energisch. „Das geht so aber nicht! Sie müssen noch ein paar Jahre durchhalten! Natürlich nicht so lange wie ich, ich bin ja jünger. Aber schon noch eine Weile! Was soll ich denn sonst ohne Sie hier machen?“
Da hellte sich seine Miene auf. „Jetzt geht es mir schon besser. Sie sind mein Engel!“

Seitdem rede ich immer ein paar Worte mit ihm, wenn ich an seinem Tisch vorbei komme, gebe ihm die Hand. Dann geht die Sonne in seinem Gesicht auf. Das wiederum gibt MIR ein gutes Gefühl. So tun wir uns beide gut.

Ein Kommentar zu „Lebensmut

  1. Das hast Du gut gemacht, gerade Menschen die so garstig sind, zu denen muss man erstrecht freundlich sein. Das Garstige ist nämlich nur ein Schutzschild was er sich aufgebaut hat und Du hast es durchbrochen. Einfach Klasse.

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