Wo bin ich hier eigentlich?

ursprünglich erschienen August 17, 2014

„Wo bin ich hier eigentlich?“, fragte neulich Frau W.

„Ich weiß gar nicht, was ich hier will.“ Frau M. umrundet schon zum x. Mal den Speisesaal, unseren Frühstückstisch. Gefrühstückt hat sie schon längst. Und zum Rauchen draußen gewesen, ist sie auch schon.

Frau B. sitzt alleine an ihrem Tisch, wiegt den Oberkörper vor und zurück und gibt in regelmäßigen Abständen Summlaute von sich.

Frau S. versucht ihr Sonntagsei zu pellen. Da es sehr frisch ist, scheitert sie kläglich. Bevor sie das Eigelb, was aus dem Eiweiß herausgerollt ist, frustriert durch die Gegend wirft, eilt eine Hauswirtschaftskraft herbei und hilft ihr.

„Die Eier sind ganz frisch. Deshalb lassen sie sich schlecht pellen“, erklärt sie.

Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Ja, die Eier sind ganz frisch! Sie sind innen goldgelb und schmecken wunderbar! Das besänftigt mich ein wenig, denn sie schmeckten wirklich toll! Ansonsten war ich kurz davor, mit Frau W.s Worten zu fragen:

„Wo bin ich hier eigentlich?“

„Im Irrenhaus???“

 

Kaffeekränzchen der etwas anderen Art – Was demente Bewohner so bewegt

Ursprünglich erschienen am

Nun starte ich noch einmal den Versuch von meinem etwas anderen Kaffeekränzchen gestern Nachmittag zu erzählen.

Das Heim hat einen wunderbaren, großen Innenhof mit Garten. Er grenzt direkt an den Speisesaal an. Von dort gehen zwei Türen auf die Terrasse hinaus, auf der auch einige kleine Tische mit Stühlen stehen.

So rollte ich zur Kaffeezeit also gestern durch den Speisesaal auf die Terrasse, um meinen Kaffee dort zu trinken. Am Tisch rechts von mir hatte bereits eine rüstige, alte Dame mit ihrem Strickzeug Platz genommen. Sie strickt Socken und Hausschuhe, die sie auf dem Ende Juni stattfindenden Sommerfest verkaufen will. Kurz darauf setzten sich zwei demente Damen an ihren Tisch. Die strickende Dame, Frau S., ist sehr beliebt bei den dementen Bewohnern. Sie kann sehr gut mit ihnen umgehen. Außerdem wohnt sie schon viele Jahre im Heim und ist so ein bekanntes Gesicht.

Ich an meinem Tisch spielte mit meinem Smartphone und lauschte.

Frau E. erzählte, sie habe vor kurzem etwas unheimliches erlebt. Da sei ein Tier in ihrem Zimmer gewesen! Es konnte fliegen!

Was das denn für ein Tier gewesen sei, fragte Frau S..

„Na, eine Mückenfliege!“, meinte Frau E.

„Eine Mücke? Eine Fliege?“, fragte Frau S. verwirrt.

„Nein, nein! Eine Mückenfliege! Die gibt es! Sie hatte etwas von einer großen Mücke. Aber sie konnte fliegen wie ein Brummer!“

Wenn Frau E. etwas erklärt, klingt das immer ganz bestimmt und logisch… ist es aber eher weniger. 😀

Derweil war ihre Freundin unruhig. Sie fragte, wann denn der Gottesdienst sei. Dann sagte sie, sie müsse jetzt gehen. Sie wirkt immer gehetzt, getrieben. Sie war so unruhig, dass die beiden Freundinnen die Terrasse bald verließen.

Da nahm auf der anderen Seite der Terrasse ein dementes Ehepaar Platz. Sie ist geistig verwirrter als er. Sie ist auch eine „Getriebene“, ständig unterwegs, muss vom Pflegepersonal immer wieder „eingefangen“ werden. Die beiden unterhielten sich auch sehr realitätsfern. Sie hatte immer Angst, dass er mit seinem Rollator fallen könnte. Er solle ihn fest machen! Er beteuerte immer wieder, das habe er gemacht. Eine anstrengende Unterhaltung, die damit endete, dass er das Weite suchte.

Es gibt viele demente Bewohner hier. Vielen habe ich das am Anfang nicht angemerkt. Doch langsam schärft sich mein Blick, lerne ich mehr davon kennen. Doch egal in welcher Ausprägung sie die Krankheit haben, sie sind alle liebenswert! Mein Herz geht auf, wenn ich sie sehe, an sie denke!

Rätsel-Hilfe

Wenn ich die Kommentare zum letzten Wochenendrätsel lese, scheint eine kleine Unterstützung nötig!

  • Wer mich macht, der erzählt es niemandem, denn es ist kriminell
  • Wer mich nimmt, der erkennt mich nicht, denn wenn es gut gemacht wurde, ist es sehr schwer zu erkennen.
  • Wer mich erkennt, möchte mich nicht, denn dann ist es nicht das wert, was es vorgibt.
  • Wer mich sucht, wird mich vernichten. Das wäre die Polizei.
  • Und doch sehe ich aus, wie viele andere auch. Es sieht dem Original täuschend ähnlich.

Ist es nun leichter zu lösen, das Rätsel?

 

Quelle: www.raetseldino.de

Ein kostbares Geschenk

Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.(Friedrich Bonhoeffer)

So empfinde ich es, dich kennengelernt zu haben, liebe M.!

Wir hatten nur wenige Jahre in denen wir beide als Bewohner im Gerhard Tersteegen Haus wohnten. Nun hast du deine letzte große Reise angetreten.

Montag Mittag verstarb Frau M. K. im Alter von 60 Jahren.

Wir wohnten beide auf dem selben Flur im Gerhard Tersteegen Haus. Sie hatte ein schweres Leben, gebeutelt von ihrer schweren Erkrankung. Seit ich sie kenne, war sie bettlägerig. Doch sie war fast immer fröhlich und freundlich. Manchmal besuchte ich sie in ihrem Zimmer und wir redeten miteinander.

Von ihren Eltern, die sie täglich besuchten, erfuhr ich, dass sie bereits in sehr jungen Jahren (7 Jahre alt) wegen eines Tumors im Kopf operiert wurde. Das war die erste von vielen Operationen. Sie verbrachte viel Zeit in Krankenhäusern.

Ihr Bruder M. ergänzte: “Nach der 1. OP im Alter von 7 Jahren bekam sie Kobalt-Bestrahlungen. Und alle, die als Kinder nach einer Gehirn-OP mit diesen Strahlen behandelt worden sind, bekamen wieder Tumore. Nur wußte man dies in den 60er Jahren leider überhaupt nicht. Und nur max. 3 Menschen auf dieser Erde haben dieses unglaubliche Schicksal mit 8 Gehirn-OPs und vielen Bestrahlungen gehabt wie meine Schwester. Sie war wirklich ein Engel auf Erden.”

Trotzdem machte sie ihren Realschulabschluss. Sie machte eine Ausbildung zur Schreibkraft und arbeitete viele Jahre in diesem Beruf bei der Firma Bayer-Uerdingen.

Sie heiratete einen viel älteren, reisefreudigen Mann. Durch ihn machte sie viele interessante Reisen, sah viel von dieser Welt. Doch leider starb er, für sie viel zu früh.

Eine Kraft-Quelle für sie war ihr unerschütterlicher christlicher Glaube. Sie verpasste kaum einen Gottesdienst in der Kapelle des GTH. An den Wochenenden ohne Gottesdienst im Haus verfolgte sie Gottesdienste im Fernsehen.

Ich wünsche ihr, dass es ihr gut geht, wo auch immer sie nun sei. Sie hat es auf jeden Fall verdient!